Beim ersten Dortmunder Viertelfinal-Auftritt seit 2017 überraschte BVB-Trainer Edin Terzic vor Spielbeginn mit der Startelfnominierung des 19-jährigen Ansgar Knauff in der Offensivreihe. Der BVB kam gegen die Guardiola-Elf gut aus den Startlöchern und verbuchte in einer mutigen Anfangsphase die erste Chance der Partie. Nach Pass von Erling Haaland kam Jude Bellingham aus spitzem Winkel zum Abschluss, City-Keeper Ederson wehrte den Versuch nicht optimal in die Mitte ab und hatte Glück, dass kein Dortmunder zum Abstauber parat stand (8.).
Die Hausherren fanden gegen defensiv disziplinierte Borussen nur schwer in die Partie und nutzten dennoch gleich ihre erste Gelegenheit eiskalt zur Führung. Ausgangspunkt der Szene war an der Mittellinie ein folgenschwerer Fehlpass von Emre Can in die Füße von Rodri: City schaltete blitzschnell um, über Kevin De Bruyne und Phil Foden landete der Ball am langen Pfosten bei Riyad Mahrez. Der Algerier kontrollierte Fodens Zuspiel zunächst stark und bediente anschließend mit Übersicht De Bruyne, der aus fünf Metern flach zur Führung traf (19.).
Zehn Minuten später zeigte Schiedsrichter Ovidiu Hategan nach einem vermeintlichen Foulspiel Cans an Rodri auf den Elfmeterpunkt, fiel dabei aber auf eine billige Schauspieleinlage des Spaniers rein. Rodri täuschte theatralisch einen Hackentreffer Cans im Gesicht vor, obwohl höchstens ein minimaler – und keinesfalls elfmeterreifer – Kontakt am Knie vorlag. Nach Ansicht der Videobilder am Seitenrand nahm der Unparteiische den Elfmeter schließlich zurück, die Gelbe Karte, die Can für seine Proteste bekam, blieb jedoch bestehen (32.).
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Urlaubsvideo mit Guardiola-Star: Haaland lässt City-Fans träumen
GESTERN AM 07:18
Kurz darauf geriet der rumänische Referee erneut in den Blickpunkt, als er einen Zweikampf von Keeper Ederson und Bellingham als Foulspiel des Dortmunders wertete, obwohl dieser zuerst am Ball war und von Ederson getroffen wurde. Anstatt die Szene erst abzupfeifen, nachdem Bellingham die Kugel ins leere Tor spitzelte, pfiff Hategan sofort ab und beraubte sich damit der Möglichkeit, die Geschehnisse am Monitor neu zu bewerten (37.).
Auch im zweiten Durchgang waren die Dortmunder direkt hellwach und hätten durch Haaland beinahe ausgeglichen, aber der Norweger scheiterte nach traumhaften Zuspiel von Mahmoud Dahoud im Eins-gegen-eins an Ederson (48.).
Nach etwas mehr als einer Stunde übernahmen dann die Hausherren allmählich wieder die Spielkontrolle und vergaben durch Foden die hundertprozentige Chance auf das 2:0. Aus sechs Metern scheiterte der Youngster an BVB-Keeper Marwin Hitz (65.).
In der 84. Minute kamen die Dortmunder doch noch zu ihrem Auswärtstor: Bellingham bedient 23 Meter vor dem Tor Haaland, der direkt in den Lauf von Reus verlängerte. Der BVB-Kapitän bliebt frei vor Ederson cool und versenkte das Spielgerät eiskalt zum 1:1 im rechten Eck (84.).
Doch der BVB brachte die sehr gute Ausgangsposition fürs Rückspiel nicht über die Ziellinie: Eine Halbfeld-Flanke von De Bruyne hinter die Abwehr erreichte Ilkay Gündogan, der am langen Pfosten auf Foden zurücklegte. Der Youngster fackelte nicht lange und vollendete flach zum 2:1 in die lange Ecke (90.).

Lob und Tadel von Terzic: "Dann klingelt's auf diesem Niveau"

Die Stimmen:

Pep Guardiola (Trainer Manchester City): "Es war ein schwieriges Spiel. Dortmund hat immer Qualität – ganz egal, was in der Bundesliga passiert. Wir hätten das Spiel aber früher entscheiden müssen, da wir gute Chancen auf das 2:0 und 3:0 hatten."
Kevin De Bruyne (Manchester City): "Wir haben ein gutes Spiel gemacht. In der ersten Halbzeit war es vielleicht etwa zu viel Hin und Her. Die Reaktion nach dem 1:1 war gut, das 2:1 am Ende war noch sehr wichtig für uns."
Phil Foden (Manchester City): "Dortmund ist ein gefährliches Team mit vielen jungen Spielern, sie haben es uns heute sehr schwer gemacht. Wenn sie die Lücken im Mittelfeld finden, sind sie sehr gefährlich. Im Rückspiel müssen wir sehr konzentriert agieren."
Edin Terzic (Borussia Dortmund): "Wir haben heute eine gute Reaktion gezeigt. Wir mussten in den letzten Tagen einiges einstecken – auch zurecht. Es ist erst Halbzeit, das Spiel ist immer noch offen. Wir werden alles versuchen, nächste Woche noch ins Halbfinale einzuziehen."
Marco Reus (Borussia Dortmund): "Das zweite Tor vor Schluss war unnötig, weil wir da zwei Sekunden nicht aufgepasst haben. Taktisch haben wir ein sehr gutes Spiel gemacht. City hatte vielleicht mehr Ballbesitz und die gefährlicheren Chancen, aber wir haben es gut gestaltet. Es ist ärgerlich, dass wir uns um den Kampf und den Aufwand gebracht haben."
Mats Hummels (Borussia Dortmund): "Wir haben einen sehr guten Auftritt hingelegt und gefightet bis zum geht nicht mehr. Sehr ärgerlich, dass wir in der 90. Minute noch das Gegentor kassieren. Wenn wir mit dem 1:1 nach Hause gehen sind wir sehr zufrieden. So ist jetzt das Gefühl für uns nicht so gut, obwohl wir ein gutes Spiel gemacht haben."

Der Tweet zum Spiel:

Das fiel auf: Dortmunder Mann-gegen-Mann-Taktik

BVB-Trainer Edin Terzic versuchte den Spielaufbau Citys mit dem Dreiermittelfeld aus Dahoud, Can und Bellingham durch konsequentes Verteidigen Mann gegen Mann zu unterbinden. So ließ der BVB den so gefürchteten City-Spielaufbau mit seinen kurzen, effektiven Steckpässen durchs Zentrum kaum zu und ermöglichte den Gastgebern so kaum Räume im Zentrum. Generell präsentierte sich der BVB im Gegensatz zum Frankfurt-Spiel unter der Woche deutlich griffiger in den Zweikämpfen und klarer in seinen Aktionen.

Die Statistik: 788

Nach 788 Minuten und sieben Zu-Null-Spielen in Serie kassierte Manchester City in der Champions League mal wieder ein Gegentor. Zuvor hatten die Skyblues in den vorangegangenen acht CL-Partien nur einen einzigen Gegentreffer gegen Porto hinnehmen müssen.
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