Real Madrid hat mit einer Lehrstunde für Jürgen Klopp und den FC Liverpool das Tor zum Halbfinale der Champions League weit aufgestoßen. Die "Königlichen" gewannen auch dank eines glänzend aufgelegten Toni Kroos das Viertelfinal-Hinspiel verdient mit 3:1 (2:0) und stehen bereits mit einem Bein in der Runde der letzten Vier.
Vinicius Junior (27.) und Marco Asensio (36.) trafen zunächst jeweils nach Pässen von Kroos zur klaren Pausenführung. Nach dem Anschluss durch Mohamed Salah (51.) entschied erneut Vinicius (65.) die Neuauflage des Endspiels von 2018.
Die Reds brauchen somit im Rückspiel in Liverpool am kommenden Mittwoch ein kleines Wunder, um ihre letzte realistische Titelchance der Saison am Leben zu halten.
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"Wir sind besser als das", gab sich Klopp direkt nach dem Spiel kämpferisch. Drei Dinge, die auffielen.

1. Kroos, du bist ein Kunstwerk!

Toni Kroos ist nicht nur auf dem besten Weg, seinen fünften Titel in der Champions League zu gewinnen, sondern sich als Legende von Real Madrid unsterblich zu machen. Der 31-Jährige war der überragende Mann im weißen Trikot. Er glänzte mit zwei Traumpässen, lief mit 11,6 Kilometern am meisten in seinem Team und verhielt sich taktisch extrem clever.
Mit knapp über 90 Prozent war seine Quote der angekommenen Pässe im Spitzen-Normalbereich. Er schlich sich weg von der Pressinglinie der Reds, zog sich zurück oder preschte nach vorne. Es wirkte, als treffe er in jeder Situation die richtige Entscheidung. "Toni ist unglaublich, eine Legende. Ein Spieler wie kein anderer", lobte ihn Teamkollege Vinicius überschwänglich. Er selbst blieb gewohnt auf dem Teppich: "Ein gutes Spiel. Aber nur der erste Schritt", twitterte er nachts.
Eine Augenweide ist das Real-Mittelfeld mit ihm sowieso. Das Zusammenspiel mit Routinier Luka Modric funktioniert nahezu perfekt, Casemiro sorgt für den nötigen Schuss "Aggressivität" gegen den Ball. Die Zentrale kommt derzeit so gewaltig daher, dass selbst der Verlust der Stamminnenverteidigung mit Sergio Ramos (Wadenverletzung) und Raphael Varane (Coronavirus) kaum ins Gewicht fiel.
Defensive und Offensive profitieren vom "Powerhouse".

2. Alle auf Alexander-Arnold

In England ist zuletzt eine heiße Diskussion um den Rechtsverteidiger Trent Alexander-Arnold entbrannt. Nationaltrainer Gareth Southgate hatte ihn überraschend zu Hause gelassen, was Klopp wiederum auf die Palme brachte. "Ich bin selbst Trainer und weiß, dass wir manchmal Entscheidungen treffen, die andere Leute nicht verstehen. Ich respektiere Gareth, aber das habe selbst ich wirklich nicht verstanden, weil Trent Alexander-Arnold in den vergangenen beiden Spielzeiten einer der besten Rechtsverteidiger der Welt war und das in seinem unglaublichen Alter", hatte der Reds-Coach den 22-Jährigen vehement verteidigt.
Nun ja, gegen Real Madrid wurde deutlich, dass die Unruhe nicht spurlos am Youngster vorbeigegangen ist. Er erwischte in der ersten Halbzeit einen rabenschwarzen Tag, setzte offensiv keine Akzente und geriet in der Defensive ständig in Bedrängnis. Real-Coach Zinedine Zidane hatte ihn vorab offenbar als Schwachpunkt ausgemacht, denn es war gewiss kein Zufall, dass zunächst sämtliche Angriffe über die linke Seite gestartet wurden.
Als der Druck am größten war, lieferte Alexander-Arnold auch noch die Steilvorlage zum 2:0 für Real durch Asensio durch einen missglückten Klärungsversuch per Kopf. Auch wenn er sich - wie seine Kollegen grundsätzlich auch - im zweiten Durchgang steigerte, das Spiel war eigentlich schon entschieden. Zidane fährt weiterhin erfolgreich damit, seine Routiniers zu stärken und wenig zu rotieren. Sein Team scheint absolut bereit zu sein für das Spektakel "Clásico" gegen den FC Barcelona am Wochenende.

3. Klopp ist angeschlagen

Natürlich "brennt" er noch. "Ganz schlimm, ganz, ganz, schlimm", schleuderte Jürgen Klopp dem deutschen Schiedsrichter Felix Brych direkt nach dem Abpfiff entgegen. Über die Mikrofone war nicht eindeutig zu vernehmen, um welche Szene es ihm konkret ging. Dass es seine Art der Einzelkritik für den Referee war, stand dagegen außer Frage.
Fragwürdig und der Aufreger des Spiels für Klopp war vor allem eine Szene von Brych: Unmittelbar vor der Entstehung des 0:2 ließ er nach einem Rempler von Lucas Vazquez an Sadio Mané weiterlaufen statt auf Freistoß und Rot für den Real-Verteidiger zu entscheiden. "Was der Schiedsrichter gemacht hat, war unfair", wütete Klopp noch auf der Pressekonferenz.
Doch abgesehen davon wirkte Klopp einfach angeschlagen. Ebenso wie seine Spieler, die auf dem Platz nicht mehr die typische Leidenschaft versprühen, hetzt Klopp von Kraftakt zu Kraftakt in dieser Saison.

Liverpool-Coach Jürgen Klopp (links) war in Madrid nicht gut auf Schiedsrichter Dr. Felix Brych zu sprechen

Fotocredit: Getty Images

Seine ernüchternde Bilanz: "Wir haben es nicht verdient, zu gewinnen. Wir waren nicht gut genug. Die erste Halbzeit war nicht gut genug." Zwar war die zweite wesentlich besser und das Tor von Salah hält die Reds am Leben, doch braucht die Mannschaft ein ähnliches Wunder wie 2019, als sie nach einem 0:3 im Halbfinal-Hinspiel beim FC Barcelona im Rückspiel durch ein 4:0 ins Endspiel einzog.
Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt, aber groß scheint die Zuversicht der Fans an der Anfield Road derzeit nicht zu sein. In die Lobeshymnen für Klopp mischt sich weiterhin zunehmend (berechtigte) Kritik. Auf Unverständnis stieß unter anderem die Entscheidung für Naby Keita. Thiago saß nur auf der Bank. Keita spielte katastrophal, wurde zur Halbzeit durch Thiago ersetzt und es lief direkt besser. Fliegt Liverpool im Viertelfinale raus und verpasst in der Liga sogar das internationale Geschäft, werden sie als nächstes fragen, ob der Trainer seine Spieler überhaupt noch erreicht. Und was solche Zweifel letztlich bedeuten, weiß jeder.
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