Wenn Spanier einen echten Glückspilz beschreiben, nutzen sie dafür die wohlklingende Metapher "Blume haben".
Jemand hat also Blume. Im Spanischen klingt das natürlich noch eine Spur eleganter. "Tiene mucha flora", heißt es da. Schön, oder?
Was das ganze mit Fußball zu tun hat? Nun, aus diesem umgangssprachlichen Ausdruck hat sich eine im Laufe der Amtszeit von Zinedine Zidane bei Real Madrid eine fast anerkannte Beschreibung des Trainers herausgebildet.
Champions League
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24/02/2021 AM 21:55
Googelt man "La flor de Zidane", sieht man den Franzosen über Blumenwiesen schweben, sein Gesicht als Sonne über Feldern voll mit blühenden Pflanzen oder badend in ihnen.
Das Glück des Real-Coaches scheint unerschöpflich. Diesen Ruf hat er sich zumindest in den vergangenen Jahren als starker Mann beim königlichen Hauptstadtklub erworben. Und Presse und Fans spielen damit. Es regnet Memes.

Zidane hat ein echtes Händchen

Nun wäre es zu einfach, all die Erfolge des 48-Jährigen in seinen zwei Amtszeiten bei Real Madrid schlicht auf Glück, Blumen oder sonst etwas zurückzuführen. Immerhin sprangen in nicht ganz vier Jahren insgesamt drei Champions-League-Siege und zwei spanische Meisterschaften heraus.
In Spanien aber wundert man sich seit Jahren, mit welcher Regelmäßigkeit es dem Trainer gelingt, im letzten Moment den Kopf aus der Schlinge zu ziehen oder den entscheidenden Wirkungstreffer zu setzen.
Im Champions-League-Achtelfinale der Spielzeit 2017/18 traf Real - selbst nicht zwingend in Top-Form - auf Paris St.-Germain. Ein Ausscheiden hätte dem Trainer wohl den Job gekostet. Madrid kam weiter und gewann den Titel. Zidane blieb.

Real Madrid siegt in den richtigen Momenten

"Es wirkt wie ein Wunder. Zidane hat einfach ein echtes Händchen, das richtige zu tun. Dabei meine ich gar keine Entscheidungen, die auf reinem Glück basieren, sondern die pure Masse der Wendungen, die immer zu seinen Gunsten auszufallen scheinen", beschreibt Real-Kenner Adrian Garcia von Eurosport-Spanien die Kunst des Weltmeisters von 1998.
Auch in der aktuellen Saison bewies Zidane dies schon ein ums andere Mal.
Noch im Spätherbst dümpelte Madrid in der Liga im luftleeren Raum herum, stand vor dem Aus in der Königsklasse. Zidane selbst schien nur noch Platzhalter, bis ein Nachfolger gefunden wäre. Der Name Mauricio Pochettino fiel nicht nur einmal im Umfeld des Vereins. Just in diesem Moment starteten die Blancos eine Siegesserie.
Mittlerweile ist der Argentinier Trainer in Paris und Real zurück im Rennen. Nicht nur in La Liga, sondern auch in der Champions League.

Real Madrid: Effizienz statt Spektakel

Dort war man in den vergangenen beiden Jahren jeweils im Achtelfinale gescheitert. Zu wenig für die hohen Ansprüche des Klubs, der gerade auf höchster europäischer Ebene die Extraklasse des abgewanderten Cristiano Ronaldo zu vermissen schien.
Nun steht man kurz davor, wieder in die Runde der besten acht Mannschaften des Kontinents einzuziehen. Das Achtelfinal-Hinspiel bei Atalanta Bergamo gewann Real mit 1:0 (0:0) in Italien. Ein wichtiger Schritt auf dem Weg - aber auch ein bezeichnender.
"Wir haben kein großartiges Spiel gemacht, aber das Wichtigste war das Resultat", sagte Zidane nach der Partie. Eine Aussage, die wie stellvertretend über der aktuellen Saisonphase Reals steht.
Denn der knappe Erfolg beim letztjährigen Viertelfinalisten musste - nachdem über weite Strecken mit einem Mann mehr gespielt wurde und das goldene Tor erst kurz vor Schluss fiel - in die Kategorie "Arbeitssieg" eingeordnet werden.
Wie so viele der vergangenen Erfolge.
Einschließlich des Sieges in Bergamo hat Real nun fünf Spiele in Serie gewonnen, dabei aber nur acht Tore erzielt. Spektakel war gestern. Die Königlichen sind zu einer effizienten Siegesmaschine geworden.

Kroos und die "Alten" halten den Kurs

"Gefühlt hatten wir schon vier Krisen in diesem Jahr. Wir sind aber auch viermal rausgekommen", sagte Toni Kroos bei "Sky". Das war vor dem Atalanta-Spiel, bei dem er 90 Minuten lang auf dem Platz stand und das Spiel lenkte.
Der deutsche Nationalspieler gehört zum Stamm der alteingesessenen Spieler, denen Zidane als Reaktion auf die schwankenden Leistungen im ersten Saisondrittel den Schlüssel zum Spiel wieder in die Hand drückte. Auch so eine Entscheidung mit Blume - und Kalkül.
Weg von den oft zu unausgegoren performenden Jungen, hin zu den abgeklärt spielenden "Alten" im Kader. Schon in der vergangenen Saison hatte dieser Switch zur Meisterschaft geführt.
Luka Modric, Kroos, Casemiro und Karim Benzema (der in Bergamo fehlte) halten das Team auch jetzt auf Kurs. Sie kompensieren sogar das Fehlen der unumstrittenen Führungsfigur Sergio Ramos, die seit Wochen verletzt ausfällt.
Der Lohn ist die Chance, eine lange verkorkst erscheinende Spielzeit doch noch ins Gute zu drehen.
Denn auch in der Liga hat sich Real herangerobbt, hat die erste Schwächephase von Lokalrivale und Tabellenführer Atlético genutzt.

Real siegt und siegt: "Die Liga brennt"

Durch vier Siege nacheinander hat man sich eindrucksvoll im Titelkampf zurückgemeldet. Von den letzten 13 Partien verlor man nur eine, gewann zehn.
Ende Januar betrug der Rückstand auf den "Atléti" noch acht Punkte bei sogar noch einem mehr ausgetragenen Spiel. Fünf Zähler hat Real inzwischen aufgeholt.
Und das mit einem prallgefüllten Lazarett. In Valladolid fehlten zuletzt neben Ramos auch Marcelo, Eden Hazard, Éder Militão, Daniel Carvajal,Rodrygo, Federico Valverde und der Ex-Münchner Álvaro Odriozola.
"Die Liga brennt", titelte die "AS" zuletzt. "Madrid ist da", meinte "Marca".
Am 7. März steht das Derby gegen den Stadtrivalen auf dem Programm. Einen Monat später der "Clásico" gegen den FC Barcelona, zwischendrin das Rückspiel gegen Atalanta.
Es sind vorentscheidende Wochen. Und Zidane, Kroos und Co. haben - so scheint es - genau im richtigen Moment Fahrt aufgenommen. Hält man diesen Schwung, könnte der Blume des Trainers im Saisonendspurt tatsächlich eine unerwartete Blüte hinzugefügt werden.
Diesem Real ist alles zuzutrauen. Oder etwa nicht?
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