Mehr, immer mehr. Aber Fortschritt ist nicht gleichbedeutend mit mehr Zufriedenheit.
Die Antriebsfeder für Veränderungen in dieser unserer Welt ist häufig sehr einfach: Gier. Die nackte Gier treibt ihre Blüten immer aus und häufig vor allem dort, wo man schon viel hat, denn wer viel besitzt, will mehr, immer mehr. Das machen zwölf Fußballvereine aus England, Italien und Spanien gerade sehr deutlich.
Sie wollen eine Superliga gründen mit einem Startkapital von angeblich 3,5 Milliarden Euro. Es ist dabei natürlich nicht die Liebe zum Fußball, die sie antreibt. Es ist die Liebe zum Aktienkurs, die hinter der Idee dieser neuen Liga steckt. Und das hat auch schon funktioniert bei den an der Börse notierten Vereinen. Obwohl noch kein Superliga-Ball gerollt ist, jubeln die Investoren.
Fußball
Infantino droht Super League: "Müssen mit Konsequenzen leben"
20/04/2021 AM 09:25
Es sind vor allem Oligarchen aus Russland und Scheichs aus den Golfstaaten, die sich weiter bereichern wollen. Sie wollen einen neuen Wettbewerb, um vor allem über weitere TV-Verträge (die natürlich alle im Bezahlbereich für die Fans angesiedelt werden müssen) noch mehr Einnahmen zu generieren.
Gespielt werden soll unter der Woche in zwei Zehnergruppen, wobei noch keine 20 Teams im Pott sind. So fehlt etwa Paris-St. Germain, was überrascht, weil die Franzosen ihren Etat mit üppigen Geldern aus Katar bestreiten. Und auch die Bundesliga ist nicht mit von der Partie.

FC Bayern und Dortmund fehlen noch

Noch nicht. Der FC Bayern München und Borussia Dortmund haben, obwohl von den Superliga-Bossen um Real-Präsident Florentino Perez heiß umworben, der Idee zunächst eine Absage erteilt. So schmeichelnde Argumente wie "Solidarität" werden genannt. Dabei haben sich die Münchner noch vor gar nicht langer Zeit schon intensiv mit einer solchen Superliga beschäftigt.
Die derzeitige Ablehnung muss deshalb nicht zwangsläufig von Dauer sein, denn den teilnehmenden Vereinen flögen die Banknoten wie gebratene Tauben um die Nasen. Bis zu 400 Millionen Euro soll man erhalten, wenn man in der Superliga spielt. Lange werden auch die deutschen Topklubs, wenn denn die Superliga wirklich Realität werden sollte, diesen Verlockungen nicht widerstehen.

Wütende UEFA

Der Europäische Fußball-Verband (UEFA) wütet derweil und fürchtet um sein Premiumprodukt Champions-League. Sogar der Ausschluss von drei Halbfinalisten in dieser Saison wird erwogen, weil diese in der Superliga mitmachen wollen. Dabei predigt auch die UEFA fleißig Wasser und trinkt Wein.
So wurde eine Erhöhung der Teilnehmerzahl der Champions-League von 32 auf 36 beschlossen mit einem Modus, der noch mehr Spiele bietet und vor allem den wichtigen Klubs mehr Sicherheit bieten soll, möglichst lange im Wettbewerb zu bleiben. Zum Wohl der UEFA aufgrund hoher TV-Quoten. Die Gier gewinnt auch hier.

Die Doppelmoral der FIFA

Doch es geht noch mehr, viel mehr Doppelmoral, denn auch der Fußball-Weltverband (FIFA) hat deutlich gemacht, dass er diese Superliga mit aller Macht bekämpfen will. Spieler aus den Vereinen der Superliga dürften, so der erhobene Zeigefinger, dann eben nicht mehr in den jeweiligen Nationalmannschaften spielen. Ausgerechnet die gierige FIFA treibt mögliche Konsequenzen auf die Spitze.
Zur Erinnerung: Die erste WM 1930 fand mit 13 Teams statt. Und dann folgte kontinuierlich eine Erhöhung der Teilnehmerzahl. Zuletzt übrigens für die WM 2026. Dann sollen statt wie bisher 32 Mannschaften 48 mitspielen. Mehr Spiele, mehr Geld. Und an eine ausgeweitete Klubweltmeisterschaft hat die FIFA auch schon nachgedacht. Also an eine Superliga, die noch größer und umfangreicher werden soll, als jene, die jetzt angedacht ist, weshalb das jetzige Projekt der FIFA ein kräftiger Dorn im Auge ist.
Das alles ist im Grunde ein Kräftemessen um die Einnahmen und die Verteilung der Gelder, die hauptsächlich von den Fernsehstationen kommen. Die Botschaft ist klar: Wir wollen mehr, immer mehr und folgen in erster Linie der Spur des Geldes.
Mahatma Ghandi, der ein Herz hatte für die Armen, hat dazu gesagt: "Die Welt hat genug für jedermanns Bedürfnisse, aber nicht für jedermanns Gier." Er war offensichtlich schon ein früher Fußball-Versteher.

ZUR PERSON SIGI HEINRICH:

Der renommierte Sportjournalist, Buchautor und vielfach ausgezeichnete Eurosport-Kommentator Sigi Heinrich widmet sind in seinen Blogs der gesamten Vielfalt des Sports inklusive der komplizierten Mechanismen der Sportpolitik. Mal sehr ernsthaft, mal mit einem verschmitzten Augenzwinkern und manchmal auch bewusst provozierend. Es soll ja für alle was dabei sein.
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