Im Champions-League-Rückspiel änderte BVB-Trainer Marco Rose seine Startelf nach dem 2:0 gegen Köln auf einer Position: Steffen Tigges, der den Schlusspunkt setzte, kam für Marvin Pongracic (Bank) zum Einsatz. Damit änderte Dortmund auch die Grundausrichtung. Aus einem 3-5-2, mit dem die Borussia zuletzt zweimal in Folge die Weiße Weste wahrte, kehrte man wieder zum gewohnten 4-3-3 zurück. Bei Ajax gab im Vergleich zum starken 4:0-Hinspielerfolg keine Änderung.
In einem von Anfang an intensiven Spiel ging es hin und her, wobei der BVB gleich richtig gute Chancen hatte. Mats Hummels setzte einen Kopfball knapp über die Kiste (2.), danach ließ Jude Bellingham die Führung liegen. Nachdem Ajax-Keeper Remko Pasveer aus seinem Kasten geeilt war, um den freien Thorgan Hazard abzudrängen, flankte der Belgier in die Mitte, wo Bellingham am leeren Kasten vorbeiköpfte (8.).
Die Dortmunder zeigten ein sehr gutes Spiel, ließen Ajax überhaupt nichts ins Spiel kommen und überzeugten durch ein starkes Positionsspiel. Allen voran Tigges brachte eine gewisse Körperlichkeit ins Spiel des BVB und lief immer wieder früh an. Auch in der Folgezeit suchte Schwarz-Gelb nach Balleroberung immer wieder den schnellen Weg nach vorne und beschäftigte so Amsterdam ununterbrochen. Vom niederländischen Spitzenklub war lange Zeit nicht viel zu sehen.
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Doch in der Folgezeit zog sich Dortmund etwas zurück und attackierte nicht mehr so hoch. So kam Ajax besser ins Spiel und konnte seine spielerischen Qualitäten mehr ausspielen. Dann wurde es richtig bitte für den BVB: Mats Hummels sah nach einem normalen Foul glatt Rot (29.). Eine harte und äußerst fragwürdige Entscheidung von Schiedsrichter Michael Oliver.
Der englische Referee sollte auch in den kommenden Minuten im Mittelpunkt stehen: Erst übersah er ein Foul von Noussair Mazraoui an Jude Bellingham, dann entschied Oliver doch auf Foulelfmeter nach Ansicht der Videobilder. Marco Reus verwandelte rechts unten zum 1:0 (37.). In Überzahl drückte Ajax nun auf den Ausgleich in einem wilden und emotionsgeladenen Spiel. Erst verzog Lisandro Martínez denkbar knapp (44.), wenige Sekunden später bekam Marius Wolf die Kugel an den Hinterkopf, von wo der Ball auf die Latte sprang (44.). Kurz vor dem Halbzeitpfiff konnte Gregor Kobel per Fußabwehr gegen Steven Berghuis retten (45.+2). So rettete sich der BVB in die Pause.
Amsterdam stellte um und brachte mit dem Ex-Bremer Davy Klaassen einen offensiven Mittelfeldmann für Edson Alvarez und agierte von nun an im 3-4-3. Der BVB zog sich in Unterzahl etwas mehr zurück und setzte auf Nadelstiche. Einen davon setzte Bellingham mit einem tollen Schuss aus der Drehung knapp über den rechten Winkel (49.). Der Ballbesitz für Ajax nahm natürlich zu, doch Sebastien Haller war von Dortmunds Abwehr lange Zeit abgemeldet. So konnte der Mittelstürmer die Kugel selten für seine Kollegen ablegen und war als Anspielstation quasi nicht im Spiel. Dortmund zeigte im 4-4-1 gegen den Ball eine ganz starke Leistung, agierte sehr kompakt und diszipliniert.
So fiel Ajax lange Zeit überhaupt nichts ein, wobei die Gäste auch selbst das Spiel viel zu eng machten und nicht in die Breite zogen. Wenn etwas bei Amsterdam ging, dann über die rechte Seite und Antony. Der Brasilianer bereitete auch das 1:1 durch Dusan Tadic vor (72.). Dem Ausgleichstreffer ging eine unglückliche Kopfballaktion von Marvin Pongracic voraus. Nach dem Ausgleich drückte Ajax auf das 2:1, während sich Dortmund immer weiter zurückdrängen ließ. In dieser Phase sorgte der BVB für zu wenig Entlastung.
Mit den eingewechselten Ansgar Knauff und Donyell Malen brachte Marco Rose mehr Tempo in die Offensive, doch Ajax blieb am Drücker und schaffte durch Sebastien Haller die Führung (83.). Erneut war Antony mit einer Flanke der Ausgangspunkt. In den Schlussminuten versuchten die dezimierten Dortmunder alles, doch der BVB war am Ende seiner Kräfte. Ajax ließ Ball und Gegner clever laufen und brachte durch das 3:1 durch Davy Klaassen so den knappen Auswärtssieg unter Dach und Fach (90.+3).
Für den BVB kommt es am Samstag (18:30 Uhr) zum nächsten Spitzenspiel. Dann gastiert Schwarz-Gelb bei RB Leipzig.

Stimmen zum Spiel

Mats Hummels (Borussia Dortmund): "Ich habe die Bilder noch in der ersten Halbzeit gesehen. Ich habe keine Ahnung, wie man hier Rot geben kann. Wie man als Schiedsrichter auf angeblichem Champions-League-Niveau hier Rot geben kann. Ich habe sofort gemerkt, dass er mir auf die Wade gestiegen ist. Für mich eine absolute Fehlentscheidung. Der Schiedsrichter hat das Spiel heute entschieden und ich glaube, das weiß er auch. Ich werde ihn in der Kabine auch gleich nochmal fragen, was er da gesehen hat. Doch man sollte die Schauspielerei meines Gegenspielers nicht außer Acht lassen, denn das war grob unsportlich. Aber das muss der Schiedsrichter, wenn er es hauptberuflich macht, selbst sehen. Das ist eine Farce. Das ist lächerlich. Er (Antony, Anm. d. Red.) ist ein super Fußballer, jetzt muss er noch lernen ein super Sportler zu sein. Dann wird er noch besser."
Marco Reus (Borussia Dortmund): "Wenn man mit einem Mann weniger spielt, dann wird es schwieriger mit zunehmender Spieldauer. Wir haben es gut gemacht, hatten wenig Ballbesitz im zweiten Durchgang und haben es dennoch gut verteidigt. Man muss aber auch sagen, dass die Gegentore sehr bitter waren. Wir haben alles gegeben, leider hat es für mehr nicht gereicht. Mats kommt nicht von hinten, sondern von der Seite. Es war keine Rote Karte. Es ist gepfiffen worden und wir haben es nicht geschafft, über 90 Minuten die Null zu halten."

Das fiel auf: Trotz Unterzahl – diese Gegentore waren vermeidbar

Über eine Stunde lang zeigte der BVB in Unterzahl eine herausragende Leistung, stand sehr kompakt und ließ so gut wie gar nichts zu. Ajax fiel lange Zeit nichts ein. Dennoch stehen die Dortmunder am Ende mit leeren Händen da. Natürlich war der unberechtigte Platzverweis gegen Mats Hummels die spielentscheidende Szene. Doch die Tore zum 1:1 und 1:2 waren auch in Unterzahl vermeidbar. Bei beiden Flanken wurden Antony nicht gestört. Beim ersten Tor verlängerte Pongracic sehr unglücklich, beim zweiten Treffer ließ sich Manuel Akanji viel zu einfach von Sebastien Haller abkochen.

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Diese Szene sollte die Gemüter erhitzen und sorgte letztendlich wohl für die Entscheidung zugunsten für Ajax: Mats Hummels grätscht in Antony und wird mit Rot vom Platz gestellt. Experten und Fans sind sich einig, dass es eine viel zu harte Entscheidung war. Für den Täter selbst war es "eine Farce". Der VAR schaute sich die Szene nochmals an, doch korrigierte Michael Oliver nicht. Für Mats Hummels war es die zweite Rote Karte in seiner Karriere. Der Weltmeister von 2014 sah genau in jener Saison bei der 0:2-Niederlage in Gladbach nach 81 Minuten Rot. Damit dürfte Hummels auch in den kommenden wichtigen Champions-League-Partien fehlen. Als hätte der BVB ohnehin nicht schon genügend Personalprobleme.

Die Zahl: 12 aus 4

Mit dem vierten Sieg im vierten Spiel schafft Ajax Amsterdam nicht nur den vorzeitigen Einzug ins Achtelfinale. Der Elf von Erik ten Hag gelingt sogar Historisches. Noch nie ist der niederländische Spitzenklub so perfekt in die Königsklasse gestartet. Nicht einmal den großen Ajax-Teams in der 90er-Jahren gelang dieses Kunststück.
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