Drei Dinge, die bei Atlético Madrid gegen Manchester City auffielen: Sieg oder Spielabbruch

Manchester City setzt sich gegen Atlético Madrid, den vielleicht unangenehmsten Gegner im Champions-League-Feld, durch und zieht ins Halbfinale ein. Hielt das Hinspiel schon nicht viele fußballerische Schmankerl bereit, erinnerte die Schlussphase des zweiten Duells an eine Schulhof-Prügelei. Guardiola zeigt aber, dass er auch dreckig kann und De Bruyne findet sich Kondogbias Hosentasche wieder.

Zwischen Atlético und ManCity ging es mächtig zur Sache

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Er hat es wieder einmal geschafft: Pep Guardiola zog am Mittwochabend im Wanda Metropolitano als erster Trainer überhaupt zum neunten Mal in seiner Laufbahn in ein Champions-League-Halbfinale ein.
Nachdem Manchester City in einem zähen Hinspiel gegen Atlético Madrid mit 1:0 die Oberhand behalten hatte, reichte den Skyblues im zweiten Aufeinandertreffen mit den aggressiven und unermüdlich kämpfenden Spaniern ein 0:0.
Für Fußball-Ästheten hielt die Begegnung zwischen Guardiola und Atlético-Trainer Diego Simeone nicht allzu viele Schmankerl bereit, Kampfsport-Freunde dürften hingegen vor allem in der Schlussphase auf ihre Kosten gekommen sein.
Obwohl sich Guardiola diesmal nicht auf Hinspiel-Held Kevin de Bruyne verlassen konnte, bewies er, dass seine Mannschaft auch in "dreckigen" Spielen bestehen kann.
Drei Dinge, die auffielen.

1.) 04.22 - im Wanda Keilerei

"Drei, drei, drei bei Issos Keilerei", lautet eine berühmte Eselsbrücke aus dem Geschichtsunterricht, um sich das Jahr (333 vor Christus) besser merken zu können, in dem die Heere von Darius III. und Alexander dem Großen in einer sagenumwobenen Schlacht aufeinandergetroffen waren.
Zwar dürfte es die Partie zwischen Atlético und ManCity im April 2022 (04.22) nicht als Lehrstoff in die hiesigen Schulen schaffen - gekeilt, eingesteckt und ausgeteilt wurde dennoch ordentlich im Wanda zu Madrid.
Ganz nach dem Motto "Sieg oder Spielabbruch" agierten Simeones Mannen in den Schlussminuten. Mit schwindender Zeit und dem drohenden Königsklassen-Aus stieg die Aggressionskurve bei den Colchoneros. Kurz nach Anbruch der Nachspielzeit trat Atlético-Innenverteidiger Felipe gegen Phil Foden nach und sah dafür die Gelb-Rote Karte (90.+1).
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Felipe protestiert gegen seinen Platzverweis

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Im Anschluss entwickelte sich eine Rudelbildung, die es in sich hatte. Es wurde geschubst, gepöbelt, gewütet, geschlagen. Gar nicht so leicht für den deutschen Unparteiischen Daniel Siebert, bei all dem Getümmel den Überblick zu behalten.
Die Minuten verstrichen, die Gelben Karten hagelten, dann ging es weiter. Friedlich sollte es jedoch nicht mehr werden. Nahezu jeder Zweikampf wurde diskutiert, blieb ein City-Spieler am Boden liegen, drehten die Rojiblancos - angespornt von ihrem höhnisch applaudieren und wild gestikulierenden Coach Diego Simeone - komplett frei.
Nach insgesamt zwölf Minuten Nachspielzeit erklärte Siebert die Partie für beendet. Die Gemüter hatten sich aber noch längst nicht beruhigt: Im Spielertunnel kam es zu wilden Szenen, Videoaufnahmen zeigten zunächst ein Wortgefecht zwischen Jack Grealish und Stefan Savic, ehe ein Tross von Rojiblancos und Skyblues in die Katakomben stürmte und sich ganz offensichtlich an die Gurgel wollte. Aufarbeitung folgt ...

2.) City im Atlético-Modus

70 zu 30 Prozent: So lautete die Ballbesitzverteilung zugunsten Manchester Citys nach dem Hinspiel. In den ersten 45 Minuten des Rückspiels kam der englische Meister auf die gleiche statistische Dominanz. Atlético konzentrierte sich aufs Verteidigen, während Guardiolas Team die Kugel zirkulieren ließ. Alles schien seinen gewohnten Gang zu gehen, obwohl Atlético unbedingt mindestens ein Tor benötigte.
Nach dem Seitenwechsel änderte sich die Lage völlig. Die Madrilenen, die sich traditionell in ihrer Rolle als Maurermeister wohlfühlen, übernahmen plötzlich die Initiative, kombinierten sich gefällig durchs Mittelfeld und erspielten sich aussichtsreiche Tormöglichkeiten.
Vom Tiki-Taka light der Rojiblancos merklich überrascht, schaltete Guardiola seine ballaffinen Passmaschinen in den Defensivmodus. City, das sonst lange Bälle scheut wie der Teufel das Weihwasser, behalf sich mit Befreiungsschlägen und Grätschen.
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Pep Guardiola im Gespräch mit Phil Foden

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Umgekehrte Rollen, im zweiten Durchgang zählten die Statistiker 13:2 Torabschlüsse, Atlético verbuchte 53 Prozent Ballbesitz. "In der zweiten Halbzeit waren sie deutlich besser als wir", sagte Guardiola im Anschluss des Spiels auf der Pressekonferenz. Er ergänzte: "Wir hatten Glück, dass wir kein Gegentor bekommen haben."
Glück, einen glänzend aufgelegten Torhüter Ederson und die Tatsache, dass die Hausherren ein ums andere Mal schlampig mit ihren Chancen umgingen. Manchmal muss eben "dreckig" und nicht ansehnlich sein. Auch das zeichnet Spitzenteams aus.

3.) De Bruyne steckt in Kondogbias Hosentasche

De Bruyne war im Hinspiel der entscheidende Mann. Der Belgier erzielte nicht nur das siegbringende 1:0, sondern trat auch ansonsten immer wieder positiv in Erscheinung. Fünf Torschüsse, drei Torschussvorlagen und 68 Ballaktionen brachte der frühere Wolfsburger zustande.
Eine Woche später ein konträres Bild: In Madrid bekam De Bruyne keinen Fuß in die Tür - 33 Ballaktionen und nur ein einziger (geblockter) Torschuss waren der Arbeitsnachweis, ehe er in der 65. Minute leicht angeschlagen vom Feld musste.
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Geoffrey Kondogbia und Kevin de Bruyne im Duell (r.)

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Sonderlich traurig dürfte er über die Herausnahme nicht gewesen sein. Atlético-Mittelfeldmann Geoffrey Kondogbia hatte De Bruyne durchweg beackert, dem Edeltechniker den Spaß am Fußball verdorben. Der Franzose gewann acht seiner neun direkten Duelle.
Allerdings gab der Kondogbia nicht bloß den unliebsamen Zerstörer, sondern glänzte selbst in Ballbesitz. Immer wieder trieb er das Offensivspiel an, befreite sich auch aus brenzligen Situationen, behielt stets die Übersicht für die Mitspieler.
Kurz gesagt: Der Mann des Spiels stand diesmal aufseiten Atléticos.
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Nagelsmann nach CL-Aus: "Nicht die Schuld beim Gegner suchen"

Quelle: Perform

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