FC Bayern: Erst Schiffbruch, dann Umbruch? Warum sich nach dem Champions-League-Aus die Kaderfrage stellt

Für den FC Bayern ist die Saison nach dem Viertelfinal-Aus in der Champions League gegen Underdog Villarreal bereits im April quasi beendet. Logisch, dass sich nun die Frage stellt, ob der Kader nicht die nötige Qualität für Ziele hat, die über den Gewinn der deutschen Meisterschaft hinausgehen. Es muss sich etwas tun, aber animiert das vorzeitige Scheitern gleich zum großen Umbruch?

Ernüchterung nach dem Champions-League-Aus beim FC Bayern

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Aus der Allianz Arena berichtet Dennis Melzer
Ungläubige Blicke allerorten, weit aufgerissene Augen und Münder, blankes Entsetzen. Mit einem Mal war das bis dato verhältnismäßig geräuschvolle Kollektiv, die unermüdlich singende Südkurve im Schlauchboot namens Allianz Arena verstummt. Getroffen von einem Gelben U-Boot.
Genauer gesagt von Samuel Chukwueze, seines Zeichens Angreifer beim spanischen Erstligisten FC Villarreal. Der kurz zuvor eingewechselte Nigerianer hatte in der 88. Minute aus dem viel zitierten Nichts das 1:1 für die Gäste erzielt und mit seinem Treffer nicht nur den Spielverlauf ad absurdum geführt, sondern den großen FC Bayern versenkt.
Dass die Münchner bereits im Viertelfinale die Segel streichen würden, hatte wohl kaum jemand vorhergesehen. Erst recht nicht, als den Bayern mit Villarreal der vermeintlich machbarste aller möglichen Gegner zugelost worden war. Umso größer fiel die Ernüchterung aus, als am späten Dienstagabend ein 1:1 auf der Anzeigetafel prangte, welches aufgrund der 0:1-Hinspielniederlage nicht fürs Weiterkommen reichte.
Der zweite erhebliche Rückschlag für die Bayern in dieser Saison, nachdem im DFB-Pokal bereits in Runde zwei Endstation war (0:5 in Mönchengladbach). Dass die Münchner, die seit nun mehr einer Dekade ein Dauerabo auf den Gewinn der deutschen Meisterschaft abgeschlossen haben, in der Bundesliga auf Kurs sind und voraussichtlich den zehnten Titel in Serie eintüten werden, dürfte nur ein schwacher Trost sein.

Nagelsmann: "Für Bayern nicht ausreichend"

"Wir sind im Pokal ausgeschieden und in der Champions League haben wir das gleiche Ergebnis erzielt wie in der letzten Saison (damals Viertelfinal-Aus gegen PSG, Anm. d. Red.). Das ist für Bayern München nicht ausreichend", sagte Trainer Julian Nagelsmann im Anschluss des Spiels auf der Pressekonferenz. Er schob merklich bedient nach: "Das Halbfinale ist immer das Minimalziel. Das haben wir nicht geschafft."
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Julian Nagelsmann war nach dem Aus gegen Villarreal bedient

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Heißt übersetzt: Eigentlich ist die Saison für den deutschen Rekordmeister schon jetzt, also im April, beendet. Dass ein krachendes Pokal-Aus in Runde zwei gegen den aktuell Tabellenelften der Bundesliga und ein Scheitern im Champions-League-Viertelfinale gegen den siebtplatzierten der spanischen Liga nicht der Anspruch des FCB ist, dürfte selbsterklärend sein.
Das Nichterreichen der Ziele wirft logischerweise die Frage auf, ob der aktuelle Kader einfach nicht im Stande ist, mehr zu leisten – und ob es vielleicht im Sommer eines Umbruchs bedarf, um den hohen Ambitionen wieder gerecht zu werden.

Die Unterschiede zur Flick-Mannschaft

Vor nicht einmal zwei Jahren fanden sich die Bayern auf Europas Thron wieder, gewannen mit Coach Hansi Flick das Triple aus Meisterschaft, Pokal und Champions League. Das Grundgerüst von damals, bestehend aus Spielern wie Manuel Neuer, Joshua Kimmich, Leon Goretzka, Thomas Müller, Serge Gnabry, Kingsley Coman und Robert Lewandowski, ist nach wie vor in München.
Allesamt Fußballer, die selbstredend das nötige Rüstzeug mitbringen, um weiterhin Großes zu erreichen. Anders als Flick 2020 kann Nagelsmann jedoch nicht auf qualitativ hochwertige Ergänzungsspieler à la Ivan Perisic, Javi Martinez oder Philippe Coutinho zurückgreifen, zudem haben David Alaba, Thiago und Jérôme Boateng – rückblickend betrachtet – größere Lücken hinterlassen als aus Bayern-Sicht zunächst gehofft.

Ungeklärte Vertragsfragen sorgen für Unruhe

Dies dient nicht als Ausrede für den Schiffsbruch gegen ein Team wie Villarreal. Dennoch: 13 bis 14 Akteure bewegen sich im derzeitigen Kader auf Top-Niveau, dahinter macht sich viel Mittelmaß breit. Ein weiterer Unterschied: Flick sah sich seinerzeit in puncto auslaufender Verträge (mit Ausnahme von Alaba) nicht in einem solch großen Ausmaß konfrontiert wie Nagelsmann aktuell. Dass die Zukunft von Neuer, Müller, Lewandowski und Gnabry, deren Verträge 2023 auslaufen, noch immer nicht geklärt ist, führt unweigerlich zu Unruhe.
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Robert Lewandowski (r.) und Thomas Müller

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Einen Tag vor dem zweiten Aufeinandertreffen mit Villarreal machten Meldungen die Runde, wonach Lewandowski sich mit dem FC Barcelona auf einen Transfer verständigt habe, sogar die Bosse soll der Pole bereits über seine Entscheidung in Kenntnis gesetzt haben.
Alles Unsinn, stellte Vorstandschef Oliver Kahn bei "Amazon Video" klar: "Scheinbar gibt es einen Wettbewerb da draußen: Wer bringt die größte Nonsense-Geschichte über Robert Lewandowski." Kahn ergänzte: "Wir sind doch nicht verrückt und diskutieren über einen Wechsel von einem Spieler, der jede Saison zwischen 30 und 40 Tore macht."

Verlängerung mit den Stars oder Mega-Umbruch?

Doch genau darüber wird diskutiert. Wenn nicht intern, dann zumindest medial, was dennoch ausreichend Nebengeräusche in einen Klub trägt. Doch ist es überhaupt ratsam, die Verträge des Quartetts zu verlängern oder böte sich die jetzige Gemengelage nicht sogar für einen großangelegten Umbruch an?
Sollten die vier Ausnahmekönner Bereitschaft für eine Verlängerung signalisieren, wäre es fahrlässig die Arbeitspapiere nicht auszudehnen. Zu essentiell sind Neuer, Müller, Lewandowski und im Normalfall auch Gnabry fürs Münchner Spiel, die möglichen Alternativen auf dem Transfermarkt sind entweder rar oder viel zu kostspielig. Es geht nicht darum, verdiente Spieler loszuwerden, sondern darum, den Kader punktuell zu verstärken.
Nicht umsonst forderte Nagelsmann in der jüngeren Vergangenheit immer wieder Neuzugänge, mal mehr, mal weniger subtil machte der 34-Jährige klar, dass im Sommer etwas passieren muss. Er blieb offenbar nicht ungehört.

Ein Weckruf zur rechten Zeit?

Mit Noussair Mazraoui und Ryan Gravenberch sollen gleich zwei Nagelsmann-Wunschspieler dem Vernehmen nach eine mündliche Transferzusage gegeben haben. Beide stehen derzeit noch bei Ajax Amsterdam unter Vertrag, zudem hofft der ehemalige Leipzig-Trainer auf einen adäquaten Ersatz für den gen Dortmund abwandernden Niklas Süle.
Ob das ausreicht, wird die Zeit zeigen, allerdings könnte das vorzeitige Aus in der Champions League auch etwas Positives mit sich bringen: Vielleicht war es ein Weckruf zur rechten Zeit und der Beleg dafür, dass sich im Kader etwas ändern muss.
Damit im April kommenden Jahres nicht wieder blankes Entsetzen in der Allianz Arena herrscht, sondern das Minimalvorhaben Champions-League-Halbfinale in die Tat umgesetzt wird.
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