Der sportliche Wert der Begegnung zwischen Borussia Dortmund und Besiktas war überschaubar. Schon vor dem abschließenden Gruppenspiel der Champions League stand fest, dass die Schwarz-Gelben als Drittplatzierter in der Europa League überwintern und die Adler aus Istanbul sich komplett aus dem europäischen Wettbewerb verabschieden würden.
Der Klub vom Bosporus, der zuvor schon alle fünf Spiele in der Königsklasse verloren hatte, knüpfte nahtlos an seine enttäuschenden Leistungen an. Die Hausherren sahen sich kaum mit Gegenwehr konfrontiert, eine fragwürdige Rote Karte besiegelte das Schicksal Besiktas' zudem vorzeitig.
Der fehlende Druck, die Tatsache, dass ein Scheitern nicht mehr möglich war, wirkte befreiend auf den BVB. Am Ende hieß es 5:0 aus Dortmunder Sicht, Donyell Malen (29.), Marco Reus (FE / 45.+2, 53.) und Edeljoker Erling Haaland (68., 81.) trafen.
Champions League
Auslosung Achtelfinale: Bayern droht PSG, Chelsea oder Atlético
07/12/2021 AM 21:56
Trotz seines Doppelpacks und der Aufstellung einer neuen Bestmarke ärgerte sich der Norweger. Zudem feierte ein Langzeitverletzter ein gelungenes Startelf-Comeback.
Drei Dinge, die bei Borussia Dortmund gegen Besiktas Istanbul auffielen.

1. Haaland mit neuem Rekord – und Wut im Bauch

Die Möglichkeit besteht, dass Erling Haaland am Dienstagabend sein letztes Champions-League-Spiel für den BVB bestritten hat. Sämtliche europäische Schwergewichte sind an der Urgewalt aus Skandinavien interessiert, die Hoffnungen auf einen Verbleib im Ruhrgebiet schwinden.
"Wir werden die nächsten Wochen sprechen, aber wir haben es nicht alleine in der Hand. Es gibt ja auch noch Berater", sagte Dortmund-Boss Hans-Joachim Watzke vor der Partie bei "Amazon Prime" mit Blick auf Haalands Zukunft. Es sei kein Verhandlungsdruck da, dennoch wolle man zeitnah Klarheit haben.
"Es geht ja nur darum, ob er die Klausel zieht oder nicht. Wir werden darum bemüht sein, das nicht erst im März oder April zu wissen", erklärte Watzke weiter. Natürlich will sich Dortmund für den Fall der Fälle wappnen, sich auf die Suche nach einem potenziellen Ersatz machen.

Erling Haaland von Borussia Dortmund

Fotocredit: Getty Images

Das Problem: Diesen Ersatz gibt es nicht. Haaland stellte als Joker in den wenigen Minuten, in denen er mitwirkte, seine beispiellosen Fähigkeiten einmal mehr unter Beweis. Als sei es die größte Selbstverständlichkeit, steuerte er binnen 13 Minuten einen Kopfball-Doppelpack bei, war ständig präsent, forderte unentwegt Bälle.
19 Mal kam der 21-Jährige bislang in der Königsklasse zum Einsatz – die schier utopische Torausbeute dabei: 23. Kein Spieler war bei Erreichen jener Treffer-Werte in der Champions League jünger als Haaland.
Trotz der neuen Fabelzahl war Haaland angefressen: Er hatte beim Stand von 5:0 die Chance auf den Hattrick liegenlassen (87.). Frustriert winkte er auf dem Platz ab, offenbar hatte er sich nach Abpfiff noch immer nicht beruhigt. "Ich habe ihn gerade in der Kabine getroffen. Er war sauer auf sich selbst", sagte Kapitän Marco Reus bei "Amazon Prime". Nachvollziehbar, Haaland sei eben "geil auf Tore".

2. Freier Kopf, freie Fahrt

Besiktas war zugegebenermaßen an diesem Dienstagabend kein Gradmesser. Allerdings auch, weil Dortmund von Beginn an dominant auftrat, das umsetzte, was Trainer Marco Rose im Vorfeld gefordert hatte.
Obwohl Rose auf der Pressekonferenz erklärte, es handele sich bei dem Duell mit Besiktas nicht um ein "Goldene-Ananas-Spiel", lastete kaum Druck, keine große Erwartungshaltung auf den Schultern der BVB-Protagonisten. Der Kopf war frei.
Es ging einzig darum, die Enttäuschungen der bisherigen Champions-League-Saison zumindest etwas wettzumachen, ums "Prestige", wie Rose sagte: "Wir wollen ein paar Sachen geraderücken." Das taten sie. Das Gegenpressing funktionierte von Beginn an, die Borussen schalteten schnell um, setzten regelmäßig sehenswerte Konter-Nadelstiche.
Technisch anspruchsvoll kombinierte sich die Rose-Elf durch die gegnerische Abwehrreihe, erspielte sich reihenweise gute Torchancen. 29 Schüsse zählten die Statistiker. "Die Champions-League-Geschichte ist nicht glücklich für uns gelaufen. Aber es war uns heute nochmal wichtig, ein gutes Spiel zu machen. Das haben wir gemacht", analysierte der Coach im Nachgang.

Marco Rose war nach dem Spiel zufrieden

Fotocredit: Getty Images

Auch Kapitän Marco Reus, neben Haaland überragender Mann bei den Gastgebern, konstatierte: "Für uns war das Spiel wichtig, um im Rhythmus zu bleiben. In der ersten HZ war unser Gegenpressing überragend. So haben wir uns das vorgestellt, so stellen wir uns das vor. Wir wollten einfach Selbstbewusstsein tanken."
Der Tenor: Dortmund hat sich anständig aus der Champions League verabschiedet. Immerhin.

3. Zagadou feiert starkes Startelf-Comeback

Manuel Akanji, das teilte der Verein vor dem Spiel mit, musste sich einem kleinen Eingriff am Knie unterziehen. Der Schweizer wird bis zum Jahresende ausfallen. Die vakante Stelle wurde von jemandem ersetzt, der sich mit Knie-Verletzungen traurigerweise bestens auskennt: Dan-Axel Zagadou.
Nach langer Leidenszeit und einigen Kurzeinsätzen stand der Franzose erstmals in dieser Saison in der Dortmunder Startelf. Es stellte sich schnell heraus, dass Besiktas der perfekte Gegner ist, um langsam wieder in die Spur zu finden.

Dan-Axel Zagadou (l.) und Michy Batshuayi

Fotocredit: Getty Images

Die Offensive der Türken machte keinerlei Anstalten, Druck aufs Dortmunder Tor auszuüben. Dennoch verdeutlichte Zagadou, dass er sich durchaus als Akanji-Ersatz eignet. Der 22-Jährige verbuchte die meisten Ballaktionen aufseiten der Hausherren (98), gewann 80 Prozent seiner Zweikämpfe und glänzte als Passmaschine (86 von 92 kamen an, 93,5 Prozent).
"Wenn Manuel Akanji ausfällt, hinterlässt das natürlich eine sehr, sehr große Lücke", sagte Rose auf der Pressekonferenz nach dem Spiel. Er schob nach: "Aber: Ich finde, dass Dan-Axel Zagadou seine Sache heute sehr gut gemacht hat. Er hat gezeigt, dass er wieder da ist." Dem war nichts hinzuzufügen.
Das könnte Dich auch interessieren: Fünfmal Rot! Atlético übersteht Keilerei in Porto - Ajax mit perfekter Gruppenphase

Rangnick erklärt Entscheidung für United: "Ein No-Brainer”

Bundesliga
Tedesco offenbar Favorit auf Marsch-Nachfolge in Leipzig
07/12/2021 AM 19:12
Bundesliga
Zwayer reagiert auf Bellingham-Vorwurf - Watzke lehnt Gespräch ab
07/12/2021 AM 18:04