Drei Dinge, die bei Villarreal gegen den FC Bayern auffielen: Lewandowski und Co. nur auf Schleichfahrt

Der FC Bayern München verliert mit dem 0:1 beim FC Villarreal im Viertelfinal-Hinspiel der Champions League den Nimbus der Unbesiegbarkeit in Europa. Die Offensive um Robert Lewandowski kommt zu keiner Zeit ins Spiel, defensiv macht eine Verkettung von Fehlern beim Gegentor den Unterschied. Julian Nagelsmann gibt derweil zu, bei Alphonso Davies ein Risiko eingegangen zu sein. Was uns auffiel.

Alphonso Davies (l.) und Robert Lewandowski gucken bedröppelt drein - FC Villarreal vs. FC Bayern München

Fotocredit: Getty Images

Der FC Villarreal ist in Europa gemeinhin als "submarino amarillo" bekannt. Zu Deutsch: gelbes U-Boot.
Im Viertelfinal-Hinspiel der Champions League am Mittwochabend befand sich jedoch die Offensive des FC Bayern München auf Schleichfahrt, arbeitete sich in 90 Minuten nur zwei Chancen heraus. Unerklärlich und doch passiert - in einem K.o.-Spiel.
Fehlende Spritzigkeit, mangelnde Laufbereitschaft, eine zu lasche Einstellung - so die Selbstdiagnose der Münchner. "Wenn's blöd läuft, kann es höher ausgehen", stellte Thomas Müller mit Unbehagen fest. Allein es bleibt: ein Rückspiel, kommenden Dienstag.
Was uns in Villarreal auffiel.

1.) Bayerns Offensive nicht existent

Verlor der FC Bayern in den letzten Jahren in der K.o.-Phase der Champions League, was ohnehin nur selten vorkam, dann meist dramatisch bis fast schon unverdient. Das lässt sich über den Mittwochabend definitiv nicht sagen.
Die Niederlage der Bayern ging völlig in Ordnung, Villarreal hätte angesichts des Chancenverhältnisses von 6:2 sogar noch höher gewinnen können, vielleicht sogar müssen. Sinnbildlich dafür: Der Blackout von Manuel Neuer, den Gerard Moreno beinahe für ein 60-Meter-Tor genutzt hätte (62.).
Die bayrische Offensive war im Gegensatz dazu abgemeldet. Robert Lewandowski kam nicht einmal in aussichtsreicher Position an den Ball und stand damit ebenso Pate für eine äußerst blasse Abteilung Attacke der Münchner. 29 Ballaktionen und nur ein Schuss aufs Tor sieht man beim FIFA-Weltfußballer jedenfalls nur selten.
"Für uns war das außerplanmäßig. Wir haben nicht das Spiel abliefern können, das wir wollten. Wir hatten offensiv nicht die Power", kritisierte Müller die eigene Leistung.
Gefährlich wurde es offensiv bei den Bayern nur zweimal, zweimal über links: Einmal, als Müller am Fünfmeterraum eigentlich nur den Fuß in einen Schuss von Serge Gnabry hätte halten müssen (50.) und ein zweites Mal, als Pau Torres einen Abschuss von Kingsley Coman gerade so übers eigene Tor köpfte (69.).
Ansonsten blieb Vieles nur Stückwerk; eine zwischenzeitliche Umstellung auf Dreierkette Ende der ersten Halbzeit und auch Nagelsmanns Doppelwechsel (Leroy Sané und Leon Goretzka für Gnabry und Thomas Müller, 61.) brachte die Offensive nicht in Schwung.
"Die Idee war schon, dass wir deutlich mehr Ballbesitz haben und das Spiel besser verlagern können", sagte Nagelsmann. So wurden die Außen der Münchner aber immer wieder isoliert und fanden dann keine Zielspieler. "Wir wollten, aber wir konnten nicht so richtig", sagte Müller: "Es hat ein bisschen so gewirkt, als hätte die Spritzigkeit gefehlt."
Die müssen die Bayern nun bis nächsten Dienstag wiederfinden.

2.) Strategen-Duell: Parejo stellt Kimmich in den Schatten

Dass der FC Villarreal kein Kanonenfutter ist, hatte das Team von Unai Emery bereits in der Vorrunde und vor allem im Achtelfinale gegen Juventus Turin (1:1, 3:0) unter Beweis gestellt. Gegen Bayern liefen die elf Gelben erneut wie angestachelt über den Rasen.
In Sachen Eifer und Laufbereitschaft war so jeder Spieler des Heimteams den Akteuren der Bayern um einiges voraus. Besonders auffällig waren die Mittelfeldspieler Giovani Lo Celso und Daniel "Dani" Parejo - die nicht zufällig auch ihre Füße beim Tor (Arnaut Danjuma Groeneveld, 8.) im Spiel hatten.
Wunderschön spielte Villarreal da beginnend bei Pau Torres schnörkellos von hinten raus; über acht Stationen lief der Ball, sechs davon direkt. Lo Celso hatte dabei den größten Geistesblitz, spielte Doppelpass mit Gerard Moreno. Parejo war der dankbare Abnehmer im Rücken. Torschütze Danjuma hielt letztlich nur noch den Fuß rein.
Eine Szene, in der Bayerns Defensive so richtig auseinandergespielt wurde. Jamal Musiala folgte dabei dem Laufweg Lo Celsos nicht, Joshua Kimmich ließ Parejo im Rücken frei. "Bei dem tiefen Ball sind wir nicht dran, beim Ball in den Rückraum sind wir nicht dran", meinte Kimmich prompt selbstkritisch: "Diese Pässe müssen wir auf jeden Fall besser verteidigen."
Überhaupt verlor der Nationalspieler am Mittwoch das Duell der Strategen. Während Kimmich oft den berühmten einen Schritt zu langsam zu sein schien, hatte Parejo das Spiel der Hausherren als Verteilstation jederzeit im Griff. Mit Eleganz wusste der 32-Jährige immer wieder richtig am Gashebel zu ziehen. Lo Celso war dabei als kongenialer Partner der Duracellhase neben ihm, die Läufe des Argentiniers brachten Bayern oft in Bedrängnis.
"Villarreal kann zocken, die haben viele gute Fußballer und die Qualität, sich rauszukombinieren", lobte Nagelsmann: "Das ist keine Mannschaft, die rumholzt." Und damit eine, die man auch im Rückspiel sehr ernst nehmen muss.

3.) Bayerns Monsterserie jetzt raus aus dem Kopf

Seit dem 27. September 2017 und dem 0:3 bei Paris Saint-Germain, was damals das Ende für Carlo Ancelotti beim FC Bayern bedeutete, hatten die Münchner kein Auswärtsspiel in der Champions League mehr verloren. Diese Serie riss am Mittwochabend in Villarreal.
Nach 25 Gastspielen ohne Niederlage in der Königsklasse hatten sich die Münchner vielleicht ein bisschen zu sicher gefühlt, das eher "unattraktive" Los Villarreal mag sein Übriges dazu beigetragen haben.
So waren es oft nur Kleinigkeiten, in denen Bayern nicht auf der Höhe war: schlampige Abspiele, mangelnde Laufbereitschaft im Spiel ohne Ball - mangelhafte Details, die sich zu einem Ganzen fügten. Und in der Niederlage mündeten.
"Es lag vor allem an unserer Herangehensweise", schimpfte Kimmich: "In der ersten Halbzeit waren wir überhaupt nicht da. Am Ende muss man sagen, dass wir mit dem 0:1 noch gut bedient sind."
Vielleicht sandte Nagelsmann aber auch ein falsches Signal, in dem Alphonso Davies nach dreieinhalb Monaten ohne Pflichtspieleinsatz gleich von Beginn an in einem so wichtigen Spiel auflaufen ließ - obwohl dieser laut Bayern-Trainer noch gar nicht auf der Höhe des Geschehens sein konnte.
"Er braucht noch Zeit, um seinen Rhythmus zu finden", erklärte Nagelsmann nachher auf der Pressekonferenz ehrlich: "Das wird noch dauern, bis er wieder ganz der Alte ist, auch wenn er körperlich topfit ist." Davies war in Villarreal gewiss nicht der schlechteste Bayer auf dem Platz; das Gegentor fiel jedoch über seine Seite. Und die Offensive brachte der Kanadier auch nicht in Schwung.
So bleibt den Bayern nur die Hoffnung, im Rückspiel kommende Woche einen besseren Tag zu erwischen - im Wissen des Müssens.
"Das einzig Gute ist, dass wir noch ein Spiel haben. Und ich bin mir sicher, dass wir da ein anderes Gesicht zeigen werden", sagte Kimmich. "Wir wissen schon, was nächsten Dienstag zu tun ist", stimmte Müller ihm zu.
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Fan-Aufreger: Dieser Elfmeter ist voll für den A...

Quelle: Perform

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