Drei Dinge, die bei Villarreal gegen Liverpool auffielen: Reds erst wie Bayern, dann wie echte Champions

Der FC Liverpool steht erneut im Champions-League-Finale, hatte aber mit dem FC Villlarreal beim 3:2-Sieg im Rückspiel zunächst viel Mühe, weil die Reds ähnlich naiv agierten wie der FC Bayern. Aus welchem Holz die Mannschaft von Jürgen Klopp gestrickt ist, zeigte sie dann nach der Pause gnadenlos. Villarreals Torhüter half eifrig mit und versenkte das gelbe U-Boot. Drei Dinge, die auffielen.

Fabinho, Mo Salah und Trent Alexander-Arnold beim Sieg von Liverpool in Villarreal

Fotocredit: Getty Images

Villarreal bastelte am nächsten Coup und war zur Halbzeit nah dran. Durch die Tore von Boluaye Dia (3.) und Francis Coquelin (41.) egalisierten die Spanier das Ergebnis aus dem Hinspiel.
Liverpool brachte kaum etwas zu Stande und Villarreal machte das von Trainer Unai Emery geforderte "perfekte Spiel": Zwei Schüsse aufs Tor, zwei Treffer, dazu keine einzige Liverpooler Torchance zugelassen.
Doch die Reds drehten nach der Pause auf, gewann das Spiel noch durch die Treffer von Fabinho (62.), Luiz Díaz (67.) und Sadio Mané (74.) und stehen seit 2018 zum dritten Mal im Champions-League-Finale.
Drei Dinge, die im Halbfinal-Rückspiel auffielen:

1.) Liverpool erst schlecht wie Bayern - dann wie ein echter Champion

Im Halbfinale gegen den FC Bayern München benötigte Villarreal sieben Minuten für das Führungstor, gegen Liverpool ging es nochmal deutlich schneller. Obwohl die Reds durch das Bayern-Spiel gewarnt waren, machten sie zu Beginn die gleichen Fehler: halbherziges Zweikampfverhalten und ungewöhnlich viele einfache Ballverluste.
Liverpool schien ähnlich wie die Bayern überrascht zu sein von der Wucht der Gastgeber.
"Es hat alles so angefangen, wie du es nicht haben willst. Das war nicht im Plan, wir sind nicht cool geblieben. Das kleine Stadion war on fire, die haben Dampf gemacht und richtig Risiko genommen, indem sie Mann gegen Mann gespielt haben", sagte Trainer Jürgen Klopp bei "Amazon Prime".
"Wir dagegen sind nicht ins Spiel gekommen. Defensiv haben wir Löcher aufgemacht, das war verrückt. Coquelin ist einfach in die Mitte gekommen und konnte den Ball einnicken. Wir hatten keinen Rhythmus", so Klopp.
Im Gegensatz zu den Bayern war Liverpool wenigstens im Pressing aktiv und eroberte so auch ein paar frühe Bälle. Doch das Passspiel in der Offensive war für Liverpooler Verhältnisse unterirdisch schlecht. "Wir haben nur stumpf die Bälle hinter die letzte Linie geknallt", analysierte Klopp.
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Klopp schwärmt nach Finaleinzug: "Als wäre es das erste Mal"

Quelle: Perform

Zudem offenbarten die Außenverteidiger Trent Alexander-Arnold und Andrew Robertson erneut Schwächen in der Verteidigung. Villarreal schlug einige Diagonalbälle auf die Außenpositionen und besetzten diese bisweilen doppelt. Vor dem 2:0 musste sich Robertson im Laufduell zwischen zwei Spaniern entscheiden und stand folglich dann bei Capoues Flanke zu weit weg.
In der Premier League hatte der FC Everton (0:2) zuletzt eine ähnliche Taktik mit langen Diagonalbällen gewählt und Liverpools Außenverteidiger so vor Probleme gestellt.
Nach der Pause wurde alles anders und aus Liverpooler Sicht alles besser. "In der Halbzeit haben wir gedacht: Probieren wir es doch einfach mal, wenn wir schon mal hier sind. Dann haben wir angefangen zu kicken. Wir waren in der ersten Halbzeit nicht wir selbst, in der zweiten waren wir wieder wir", sagte Klopp.
Liverpool legte sich einen müde werdenden Gegner zurecht, wartete geduldig auf seine Chance und schlug dann innerhalb von 14 Minuten dreimal gnadenlos zu. "So wie Liverpool nach der Pause gespielt hat, spielen nur echte Champions", sagte TV-Experte Rio Ferdinand bei "BT Sports".
"Amazon Prime"-Experte Patrick Owomoyela war vor allem von der Abgeklärtheit der Gäste beeindruckt: "Das war nie Hektik dabei. Sie haben das in aller Ruhe runtergespielt, weil sie wissen, dass sie jederzeit ein Tor machen können."
Das funktioniert in dieser Saison insbesondere auswärts überragend. Liverpool hat auf dem Weg ins Finale nach Paris am 28. Mai alle sechs Auswärtsspiele gewonnen und dabei 18 Tore erzielt.
Und am Selbstvertrauen mangelt es den Reds ohnehin nicht. "Wir sind ein Topteam auf einem Toplevel. Wir können immer nach einem 0:2 zurückkommen. Stand heute sage ich, dass wir in dieser Saison die Champions League gewinnen", prophezeite Mohamad Salah bei "BT Sport".

2. Joker Luis Díaz sticht

Viele Experten sehen im 45-Millionen-Euro-Winterneuzugang das bis dato fehlende Puzzleteil für den perfekten Kader. Um den Kolumbianer nicht gleich zu verheizen, gewährt ihm sein Trainer immer wieder schöpferische Pausen - so auch in Villarreal.
Am Dienstag bekam Diogo Jota den Vorzug und versuchte sich in der Sturmmitte, während Mané über den linken Flügel kam. Da Liverpools Offensivspiel vor der Pause quasi nicht stattfand, entschied sich Klopp für den Wechsel in der Halbzeit: Jota raus, Díaz rein.
"Jota war kein Problem, nicht einmal ansatzweise. Wir hatten elf Probleme. Und dann brauchst du frische Impulse", erklärte Klopp. Mané rückte ins Sturmzentrum, während Díaz wie gewohnt links spielte - und sofort drin war im Spiel.
Díaz verschaffte sich immer wieder Platz für vielversprechende Dribblings oder Flanken und war im Strafraum präsent, wenn die Angriffe über die rechte Seite aufgebaut wurden, so wie bei seinem Kopfballtor zum 2:2 nach der Hereingabe von Alexander-Arnold.
"Wir haben uns viel besser bewegt, dadurch war es für Luis auch einfacher. Aber er dann schon ein tolles Spiel gemacht", sagte Klopp.
38 Ballaktionen, 91 Prozent angekommene Pässe, vier Torschüsse, ein Tor - Klopp hatte mit der Einwechslung von Luis Díaz ein goldenes Händchen.

3.) Rulli hat kein Champions-League-Halbfinal-Niveau

Wie wichtig auch gute Torhüter in der Crunchtime der Champions League sind, weiß der FC Liverpool ganz genau. 2018 unterlagen die Reds im Finale Real Madrid mit 1:3, weil Loris Karius zweimal verheerend patzte.
Diesmal profitiert Liverpool von einem schwachen Keeper. Gerónimo Rulli war an allen drei Gegentoren irgendwie beteiligt.
Der Reihe nach: Fabinhos Schuss zum 2:1 war hart, aber aus relativ spitzem Winkel und keineswegs platziert. Im Grunde hielt der Brasilianer einfach mal drauf, weil er in der Mitte keinen Mitspieler fand. Rulli bekam den Ball durch die Beine - kein echter Torwartfehler, aber das Ding war haltbar.
Beim zweiten Gegentor ist Rulli kein Vorwurf zu machen, Diaz kommt aus sehr kurzer Distanz zum Kopfball. Der Ball prallte letztlich von Rullis Wade ins Netz - ein bisschen unglücklich für den Torhüter.
Gegentor Nummer drei war dann Slapstick pur. Völlig unnötig rannte Rulli einem tiefen Ball auf Mané entgegen und kam 35 Meter vor dem eigenen Tor den entscheidenden Schritt zu spät. Weil dann noch Verteidiger Juan Foyth ins Leere grätschte, musste Mané den Ball nur noch ins leere Tor schieben.
Es ist müßig zu spekulieren, ob Villarreal mit einem besseren Torhüter ins Finale eingezogen wäre, aber sie hätten definitiv eine echte Chance gehabt. Rulli hat die ganze Mannschaft aus dem Spiel genommen.
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Quelle: SNTV

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