Der FC Bayern München hat mit einer Machtdemonstration seine Champions-League-Saison eröffnet.
Beim 3:0-Sieg beim FC Barcelona war die Überlegenheit vermutlich noch größer als beim legendären 8:2 vor einem Jahr. Die Katalanen sind nur noch ein Abklatsch früherer Tage.
Der souveräne Auftritt der Münchner hatte auch mit klugen Entscheidungen des Trainers Julian Nagelsmann zu tun.
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VOR 8 STUNDEN
Drei Dinge, die uns auffielen.
Spielbericht: Machtdemonstration: FC Bayern fertigt desolates Barça ab

1. Die Kräfteverhältnisse haben sich verschoben

Ehrenpräsident Uli Hoeneß hatte den Ton in seiner forschen Art am Montag schon vorgegeben. Der FC Barcelona sei "kein Vorbild mehr" sagte er im Radiotalk bei "Bayern1". Er hatte das in erster Linie auf finanzielle Dinge bezogen. Aber auch sportlich war vor dem Duell des FC Bayern mit Barça viel die Rede davon, ob die Münchner jetzt wirklich Favorit seien beim Auswärtsspiel im mystischen Camp Nou.
Und was soll man sagen, das Spiel bestätigte die Vorahnungen auf ganzer Linie. Der FC Barcelona ist ohne Lionel Messi und nach dem personellen Aderlass in den vergangenen Jahren nicht mehr in der ersten Reihe der europäischen Spitzenteams anzusiedeln. Ganz anders als der FC Bayern.
Die Münchner lieferten zwar kein bombastisches Ergebnis wie vor einem Jahr beim viel thematisierten 8:2, die Überlegenheit war aber eklatant - individuell wie als Mannschaft. Vor allem in den Bereichen Physis, Dynamik und Intensität konnte Barça nie mithalten.
Barça-Trainer Ronald Koeman hatte das in seiner Analyse vor der Partie offenbar ebenfalls erkannt und schickte seine Mannschaft in einem defensiv ausgerichteten 5-3-2 auf den Platz. Nur half das in dieser Ausführung alles nichts. Es war schon fast erschreckend zu sehen, wie wenig Barça den Bayern im eigenen Stadion entgegensetzen konnte. Die Katalanen standen sehr tief, verteidigten aber nicht wirklich aggressiv und kamen im Umschaltspiel nur träge nach vorne.

"Diese Gier": Nagelsmann feiert Müller und Lewandowski

Die Münchner schienen teilweise selbst überrascht, ob ihrer klaren Überlegenheit und der Räume, die sich ihnen fast überall auf dem Feld boten. So überrascht, dass sie ihre Vorteile in nicht noch mehr Tore ummünzen konnten. "Ein, zwei Tore mehr" hätten sie machen müssen, sagte Thomas Müller. Julian Nagelsmann bemängelte zu wenige Abschlüsse, obwohl seine Mannschaft eigentlich genug Bälle in den vorher besprochenen, gefährlichen Räumen hatte. Am Ende waren aber alle mit dem klaren Sieg zufrieden, der laut Müller schon "ein wichtiges Signal" war.
Es ist ja noch nicht allzu lange her, als Barça seine Gegner im Camp Nou im klassischen 4-3-3 mit dem besten Mittelfeld der Welt (Xavi, Iniesta, Busquets) und den gefährlichsten Stürmern der Welt (Eto’o, Henry, Messi, Neymar, Suarez) reihenweise auseinander spielte.
Die Bayern mussten das beim desaströsen 0:4 im April 2009 selbst am eigenen Leib erfahren. Und in vielen Phasen erinnerte die Partie am Dienstagabend an diese Begegnung – mit vertauschten Rollen. Damals weinte Trainerlegende Udo Lattek. An diesem Abend hat wohl Barça-Übervater Johan Cruyff im Himmel eine Träne verdrückt.

2. Nagelsmann findet die richtigen Lösungen

Bei all der Dominanz brauchten die Bayern ein paar Minuten, um sich auf die Grundordnung und das Aufbauspiel der Katalanen einzustellen. Barça baute mit einer Dreierkette auf und da sich auch Memphis Depay ins Fünfer-Mittelfeld fallen ließ, hatte Barça hier anfangs immer wieder Überzahlsituationen, um sich zu befreien.
Allerdings fanden die Katalanen dann kaum einen Weg nach vorne, weil Luuk de Jong überhaupt keine Anstalten machte, vernünftig am Spiel teilzunehmen und weil der Weg für die Außenverteidiger nach vorne viel zu weit war.
So hatte Barça zwar auch quantitativ ansprechenden Ballbesitz, aber qualitativ in ungefährlichen Räumen. Für Bayern ergab sich nur das Problem, dass sie kaum zu Ballgewinnen für schnelle Umschaltaktionen.
Die Innenverteidiger wussten zu Beginn nicht, ob sie Depay ins Mittelfeld verfolgen sollten und die Außenverteidiger sowie Mittelfeldspieler nicht, ob sie mehr im Raum oder direkter am Mann spielen sollen. Trainer Julian Nagelsmann fand hier die richtigen Lösungen, schickte Süle und Upamecano weiter nach vorne und forderte insgesamt mehr Eins-gegen-eins-Verteidigung auf dem gesamten Platz. Das wirkte.
"Wir haben ein bisschen was angepasst", wollte sich Nagelsmann nicht zu sehr in die Karten schauen lassen. Thomas Müller wurde da konkreter: "Wir haben einen Fehler in der Statik gemacht. Wir wollten rechts eigentlich höher stehen. Benji (Benjamin Pavard, Anm. d. Red.) war sich nicht sicher, ob er voll durchschieben soll. Das haben wir in der Halbzeit angepasst."
Das sogenannte In-Game-Coaching und die Reaktion auf unerwartete Situationen auf dem Platz gehören zu den Dingen, bei denen sich die Münchner mit Nagelsmann auf der Bank eine Weiterentwicklung gegenüber Hansi Flick erhoffen. Im Camp Nou gab es einen kleinen Vorgeschmack.

Nagelsmann analysiert Bayern-Sieg: "In der Halbzeit umgestellt"

3. Bayerns defensive Entwicklung schreitet voran

Für Jupp Heynckes war Balance der Schlüssel zum Erfolg, für Pep Guardiola war Kontrolle ein Mantra. Unter Hansi Flick wurden diese beiden Vorgaben nicht mehr ganz so klar verfolgt. Da hieß es eher: Wir schießen vorne eins mehr, als wir hinten kriegen.
Unter Nagelsmann soll die defensive Stabilität wieder mehr Bedeutung gewinnen. Kein einfaches Unterfangen, immerhin haben mit Jérôme Boateng und David Alaba zwei erfahrene Innenverteidiger den Klub verlassen, die auch innerhalb der Mannschaft eine wichtige Position eingenommen haben.
Und so waren in den ersten Wochen "schon ein paar wilde Spiele dabei", wie Joshua Kimmich im Anschluss analysierte. "Aber die Tendenz geht in die richtige Richtung."
Das liegt zum einen daran, dass Neuzugang Dayot Upamecano immer besser in seine Rolle hineinfindet und sein Spiel an die neuen Anforderungen in München anpasst. Das liegt auch daran, dass Niklas Süle offenbar gewillt ist, den nächsten Schritt in seiner Entwicklung zu gehen und sich nach seiner kurzen Sommerpause als äußerst stabil erweist. Und das liegt auch daran, dass mit Lucas Hernández der wohl beste Innenverteidiger im Kader zurück in die Mannschaft drängt und mit seiner Körperlichkeit und Resolutheit ein ganz neues Element ins Team bringt.
Ebenfalls entscheidend für mehr Balance und eine bessere Konterabsicherung ist auch die leicht angepasste Rolle von Kimmich. Ihn hat Nagelsmann in seinem Offensivdrang etwas eingebremst. Kimmich rückt in Ballbesitz nicht mehr ganz so weit nach vorne und auch seltener in den Strafraum nach. Er soll im Wechselspiel mit Leon Goretzka eher als "holding midfielder" agieren, wie die Engländer sagen, und so gegnerische Konteraktionen unterbinden. Das gelang in Barcelona sehr gut.
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