FC Bayern - FC Villarreal: Von wegen Lampenfieber - Unai Emery drängt auf die große Bühne

Unai Emery haftet das Narrativ an, kein Mann für die große Bühne zu sein. Vier Titel in der Europa League und komplizierte Amtszeiten bei PSG und dem FC Arsenal haben ihn als Trainer für die kleine Bühne gebrandmarkt. Mit dem FC Villarreal ist er aufgrund seines analytischen und akribischen Stils aktuell jedoch dabei, seine Kritiker vom Gegenteil zu überzeugen.

Unai Emery dirigiendo al Villarreal.

Fotocredit: Getty Images

Unai Emery hat in seiner Karriere schon den einen oder anderen Titel gewonnen. Zum Beispiel vier Mal die Europa League, drei Mal mit dem FC Sevilla (2014, 2015, 2016) und einmal mit dem FC Villarreal (2021).
Als Trainer bei PSG (2016-2018) heimste er in zwei Jahren zudem stolze sieben nationale Titel ein. Emery wurde französischer Meister 2018, gewann in beiden Jahren seiner Amtszeit den Coupe de France, den französischen Ligapokal und den französischen Superpokal.
In der Champions League, der Königsklasse des europäischen Fußballs, konnte er seine Fußstapfen bislang aber noch nicht nachhaltig hinterlassen. Mit dem FC Arsenal (2018-2019) qualifizierte er sich gar nicht erst für den prestigeträchtigsten Klubwettbewerb des Kontinents, mit PSG ging er zwei Mal sang- und klanglos im Achtelfinale baden und musste sich anschließend einen neuen Job suchen.
Kritiker warfen Emery bisweilen vor, kein Mann für die große Bühne zu sein. Das ganz grelle Scheinwerferlicht, es bereite ihm Unbehagen, so der Tenor. Doch in diesem Jahr beweist der 50-Jährige , dass er sein "Lampenfieber", wenn es ein solches den überhaupt gab, abgelegt hat.
Emery und der FC Villarreal greifen am Dienstag in der Allianz Arena (ab 21:00 Uhr im Liveticker) nach dem Halbfinale in der Königsklasse - und das ist kein Zufall.

Unai Emery?: "Ein taktisches Mastermind"

"Ich kann Ihnen versichern, dass Unai ein taktisches Mastermind ist. Seine Strategie scheint für uns immer zu funktionieren. Wir haben Vertrauen in unseren Trainer und unser Trainer hat Vertrauen in uns. Und das geht Hand in Hand", sagte Arnaut Danjuma, der Torschütze des einziges Treffers beim 1:0-Hinspielerfolg am vergangenen Mittwoch gegen den FC Bayern.
"Villarreal kann zocken, die haben viele gute Fußballer. Und sie haben die Qualität, sich rauszukombinieren. Das ist keine Mannschaft, die rumholzt", bestätigte Bayern-Coach Julian Nagelsmann nach der Pleite im Hinspiel, Thomas Müller pflichtete seinem Trainer bei: "Villarreal hat eine gute Mischung gefunden. Man muss dem Gegner Respekt zollen."
Komplimente, die in erster Linie an Emery gerichtet sind. In den vergangenen zwei Jahren hat der Spanier sich nach und nach einen Kader gebastelt, der ganz ohne Superstars extrem ausgeglichen daherkommt und eingespielt ist.

Unai Emery: Einer wie José Mourinho

Neun Akteure aus der Elf gegen den FC Bayern waren auch schon beim Europa-League-Triumph des vergangenen Sommers gegen Manchester United dabei.
Emery muss also nicht wie in Paris oder London Rücksicht auf einzelne, sündhaft teuere Individualisten nehmen, sondern seine Spielidee einem Kollektiv vermitteln, das ihm folgt. Ein großer Vorteil.
"Seine große Stärke ist es, Spiele vorzubereiten. Er analysiert alles, er studiert den Fußball bis ins kleinste Detail. Er findet bei jedem Gegner eine Schwäche", beschreibt David Orenes, La-Liga-Experte von Eurosport Spanien in Madrid den Coach und vergleicht ihn mit einem der ganz Großen: "Seine Mannschaften kämpfen für ihn. Er legt großen Wert auf die Defensive, auf Taktik und Strategie. Man kann ihn mit José Mourinho vergleichen."

FC Villarreal: In der Liga etwas abgeschlagen

Die 50.000-Einwohner-Stadt Villarreal und der akribisch denkende, detailversessene Analytiker Emery - das passt. "Villarreal ist etwas Besonderes", sagte der Spanier kürzlich im Gespräch mit der UEFA und bezeichnete das "Gelbe U-Boot" als "konstantes Projekt mit einer gewissen Finanzkraft, die Stabilität und Langlebigkeit bietet".
Konstanz trifft es ganz gut. Seit dem Wiederaufstieg im Jahr 2013 belegte Villarreal mit Ausnahme der Saison 2018/19 (Platz 14) ausschließlich einstellige Tabellenplätze und war dabei nie schlechter als Rang sieben.
Auch aktuell rangiert Villarreal wieder auf eben diesem Tabellenplatz - allerdings schon weit abgeschlagen von den internationalen Plätzen. Acht Punkte beträgt der Rückstand auf den Tabellensechsten Real Sociedad bereits.
Keine besonders guten Voraussetzungen hinsichtlich einer erneuten Qualifikation für den europäischen Wettbewerb in der kommenden Saison.

Emery hält nichts von Favoritenrolle

Deutlich besser stehen die Chancen auf das erste Champions-League-Halbfinale des FC Villarreal - auch wenn Emery auf der Pressekonferenz vor dem Duell am Dienstag bewusst tief stapelte.
Die Bayern seien trotz des Hinspiels der Favorit, es werde "unheimlich schwer", sagte der Spanier auf der Pressekonferenz.
Es werde "ein ganz anderes Spiel" werden, sagte Emery, der von seiner Mannschaft "Gelassenheit" forderte. Der spanische Europa-League-Sieger hatte es im Hinspiel verpasst, sich einen noch komfortableren Vorsprung herauszuspielen.
"Der Respekt ist enorm, aber wir nehmen die Herausforderung an", so Emery, dessen Team in München effizienter auftreten will und "die Konter nutzen" möchte.
Sollte es Emery gelingen, nach Juventus Turin das nächste europäische Schwergewicht aus dem Wettbewerb zu kegeln, dürften die Scheinwerfer schon bald noch eine Stufe größer und das Licht greller werden. Von "Lampenfieber" oder "kleiner Bühne" kann ohnehin längst keine Rede mehr sein.
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Quelle: Perform

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