Kai Havertz macht sich für den FC Chelsea und Thomas Tuchel unverzichtbar - "Der Beste der Welt!"
VonThomas Gaber
Publiziert 23/02/2022 um 01:06 GMT+1 Uhr
Kai Havertz hat Chelsea mit seinem Führungstor gegen OSC Lille auf dem Weg ins Champions-League-Viertelfinale auf Kurs gebracht. Eigentlich soll Romelu Lukaku die Tore für den Titelverteidiger der Königsklasse schießen, doch der Belgier ist ein Schatten seiner selbst - im Gegensatz zu Havertz. Der deutsche Nationalspieler tut gegen Lille das, was er in wichtigen Spielen immer tut: Er liefert ab.
"Wird immer besser": Tuchel adelt Chelseas Matchwinner Havertz
Quelle: Perform
Seit seinem Siegtor im Champions-League-Finale 2021 gegen Manchester City wird Kai Havertz von den Fans des FC Chelsea verehrt.
Der Refrain von Belinda Carlisles 80er-Jahre-Brett "Heaven is a place on earth" wurde auserwählt, um dem "silky German", dem seidenweichen Deutschen, zu huldigen.
"Oh Roman do you know what that's worth, Kai Havertz is the best on earth", schmettern die Anhänger der Blues bei jeder sich bietenden Gelegenheit.
Mit Roman ist Klub-Besitzer Roman Abramowitsch gemeint, dessen 80-Millionen-Euro-Investition in Havertz im Sommer 2020 sich in den Augen der Fans de facto rentiert hat.
Romelu Lukaku stellt Negativrekord in der Premier League auf
Siegtor im CL-Finale 2021, Siegtor im Finale der Klub-WM 2022, als Havertz in der Verlängerung einen Handelfmeter verwandelte - der 22-Jährige ist der Mann für die wichtigen Tore, der Mann, der Chelsea die Titel bringt.
Dabei ist Havertz nicht der klassische Goalgetter. Dafür hat Abramowitsch die Schatulle vor der Saison noch einmal so richtig aufgemacht und 115 Millionen Euro für Romelu Lukaku bereitgestellt. Doch der Belgier ist auch ein halbes Jahr später immer noch nicht angekommen in London.
Nach seiner unterirdischen Vorstellung im Ligaspiel gegen Crystal Palace vergangenes Wochenende mit lächerlichen sieben Ballkontakten in 90 Minuten (Negativrekord in der Premier League!), musste Lukaku gegen Lille auf die Bank und blieb dort auch die gesamte Spielzeit.
Chelsea-Trainer Thomas Tuchel setzt in den wirklich wichtigen Spielen auf einen anderen Angreifer - auf Kai Havertz. Der Nationalspieler ist kein Brecher wie Lukaku, der stark über die Physis kommt und im Strafraum auf verwertbare Bälle wartet.
Kai Havertz gegen Lille als "falsche Neun"
Havertz agiert in Chelseas 3-4-3 eher als "falsche Neun", der deutlich mehr am Spiel teilnimmt, sich auch immer wieder fallen lässt und so Lücken reißt für die schnellen Außenstürmer Christian Pulisic und Hakim Zyiech.
Gegen Lille war Havertz sofort auf Betriebstemperatur. In der vierten Minute hatte er seine erste Torchance nach einer scharfen Hereingabe des aufgerückten César Azpilicueta, schoss den Ball aber aus vier Metern über das Tor.
Drei Minuten nahm Havertz im Lille-Sechzehner einen Pass von N'Golo Kanté auf engem Raum perfekt an, ließ seinen Gegenspieler mit einer eleganten Drehung ins Leere laufen und schoss den Ball mit links Richtung langes Eck. Lille-Torhüter Léo musste sich mächtig strecken, um den frühen Gegentreffer zu verhindern.
Mario Gomez lobt Instinkt von Kai Havertz
Der fiel nach der anschließenden Ecke von links. Havertz lauert am Elfmeterpunkt, läuft im richtigen Moment und köpft aus sechs Metern Torentfernung das Führungstor für die Blues.
"Er macht das in der Szene ganz hervorragend. Er wählt den perfekten Moment, um sich vom Gegenspieler zu lösen und köpft dann den Ball unhaltbar rein", analysierte "Amazon"-Experte Mario Gomez nach dem Spiel.
Nach seiner bemerkenswert starken Anfangsphase war von Havertz bis zur Halbzeitpause nicht mehr allzu viel zu sehen, da Chelsea Lille das Feld überließ, um die Franzosen aus einer gesicherten Defensive heraus auszukontern.
Diesen Aspekt des Spiels beherrscht in Europa kaum ein Team so gut die der Titelverteidiger in der Champions League, doch gegen Lille spielte Chelsea die Konter durch schlampige Abspiele oft nicht vernünftig zu Ende.
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Kai Havertz köpft in der 8. Minute den Führungstreffer für Chelsea
Fotocredit: Getty Images
Bundestrainer Hansi Flick motiviert Havertz zusätzlich
Kurz nach der Pause verschaffte sich Havertz im Alleingang seine nächste Torchance. Auf Höhe der Mittellinie antizipierte er einen Querpass, setzte sich dann im Zweikampf und im Laufduell gegen zwei Franzosen durch und schoss den Ball nach einem 50-Meter-Sprint knapp drüber.
"Ich hebe Spieler nicht so gerne raus, die ganze Mannschaft hat das gut gemacht. Wir haben sehr wenig zugelassen, zwei Tore geschossen und keins kassiert. Und Kai hat seinen Teil dazu beigetragen", resümierte Tuchel.
Havertz hat kein Feuerwerk abgebrannt gegen Lille, das entspricht auch nicht seinem Naturell. "Er macht das wie immer: total unaufgeregt", stellte Gomez fest. Unaufgeregt und - mal wieder - sehr effizient.
Und das unter den Augen des Bundestrainers. Hansi Flick war an der Stamford Bridge zugegen. Zusätzliche Motivation für Havertz? "Der Kontakt mit dem Bundestrainer ist ständig da. Ich habe gewusst, dass er im Stadion ist. Es freut mich natürlich, mich zu beweisen", sagte Havertz.
Hinsichtlich der Stürmer-Hierarchie beim FC Chelsea hat sein Einsatz gegen Lille laut Havertz keinen Einfluss. "Wir haben viele gute Stürmer, da ist es gut, wenn wir mal wechseln und es dem Gegner nicht leicht machen", sagte er in bester Kai-Havertz-Manier - unaufgeregt.
Oder wie die Fans des FC Chelsea ihren Kai charakterisieren - seidenweich.
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Tuchel verteidigt Lukaku: "Nicht die Zeit, um zu lachen"
Quelle: Perform
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