Eurosport
Romelu Lukaku beim FC Chelsea in der Krise - Trainer Thomas Tuchel vor Rätsel mit Rekordtransfer
Von
Publiziert 22/02/2022 um 16:06 GMT+1 Uhr
Im Sommer wechselte Romelu Lukaku zum FC Chelsea. Doch an der Stamford Bridge sorgte der Belgier zuletzt vor allem für Negativschlagzeilen. Gegen Crystal Palace stellte der 28-Jährige mit nur sieben Ballaktionen in 90 Minuten einen Premier-League-Negativrekord auf. Thomas Tuchel gelingt es nicht, den Rekordtransfer in sein System zu integrieren. Nun steht der Chelsea-Coach vor dem Lukaku-Rätsel.
Tuchel verteidigt Lukaku: "Nicht die Zeit, um zu lachen"
Quelle: Perform
Es war die Erlösung im Selhurst Park: In der 89. Minute spielte Marcos Alonso eine herrliche Flanke von der linken Seite in den Strafraum, der Ball segelte über Romelu Lukaku und zwei Verteidiger hinweg und fand am zweiten Pfosten Hakim Ziyech, der zum befreienden 1:0 für den FC Chelsea bei Crystal Palace traf.
Doch nicht der marokkanische Matchwinner war am Samstagabend Gesprächsthema Nummer eins in London. Wieder einmal fiel das Scheinwerferlicht nach dem Spiel auf Angreifer Lukaku. Denn nicht nur bei der entscheidenden Szene des Abends war der Belgier lediglich Beobachter. Magere sieben Ballkontakte sammelte der 28-Jährige in 90 Minuten.
Ein Negativrekord: Nie zuvor hatte ein Spieler, der über die gesamte Spielzeit auf dem Feld stand, seit Beginn der Datenerfassung vor 19 Jahren in der Premier League so selten den Ball berührt. "Die Daten sprechen eine bestimmte Sprache. Er war nicht in unser Spiel eingebunden", sagte Chelsea-Trainer Thomas Tuchel nach dem Auswärtssieg beim Tabellen-13. der Liga.
Bei der Klub-Weltmeisterschaft vor zwei Wochen hatte der wuchtige Mittelstürmer die Blues noch mit zwei Treffern gegen Al-Hilal und Palmeiras zum Titel geschossen. Doch in England ist der Linksfuß weiterhin nicht angekommen. Erst fünf Tore erzielte Lukaku in 17 Premier-League-Spielen für Chelsea.
Zu wenig für einen Spieler, der im Sommer für eine Rekordsumme von rund 115 Millionen Euro an die Stamford Bridge gewechselt war.
/origin-imgresizer.eurosport.com/2022/01/02/3279459.jpg)
Chelsea-Coach Thomas Tuchel mit Stürmerstar Romelu Lukaku
Fotocredit: Getty Images
Lukaku im Sommer Wunschspieler
Damals galt der Belgier als Wunschtransfer von Tuchel, der in der Vorsaison ohne einen klassischen Mittelstürmer die Champions League gewann. "Wir könnten einen Spieler brauchen, der mit dem Rücken zum Tor spielt und dessen Stärke darin besteht, den Ball bei langen Bällen zu halten, damit wir diese direkte Spielweise zu unserem Portfolio hinzufügen können", hatte der 48-Jährige während der Transferperiode erklärt.
Mit Lukaku wechselte der Vize-Torschützenkönig der Serie A, der Inter Mailand in der Vorsaison mit 24 Treffern zum ersten Scudetto seit elf Jahren geschossen hatte, zurück an die Themse. Schon von 2011 bis 2014 hatte er bei Chelsea gespielt, war aber nie glücklich geworden. "Ich kam zunächst als Kind und musste noch lernen. Nun kehre ich mit viel Erfahrungen und als Mann zurück", sagte der belgische Nationalspieler bei seiner Vorstellung im Sommer.
Doch ein halbes Jahr nach Lukakus Rückkehr in die englische Hauptstadt hat der frühere Dortmund-Trainer seinen Wunschspieler weiterhin nicht in sein Spiel bei den Blues integrieren können. "Was kann ich tun? Ich weiß es nicht", rätselte Tuchel nach der Begegnung bei Crystal Palace.
Es scheint, als lägen die Probleme zwischen Chelsea und Lukaku tiefer. "Der Funke ist nicht übergesprungen", analysierte der frühere Everton-Verteidiger Ashley Williams bei "Sky" und mutmaßte, es gebe eine "größere Geschichte" hinter dieser Negativstatistik.
/origin-imgresizer.eurosport.com/2022/02/22/3325483.jpg)
Romelu Lukaku
Fotocredit: Getty Images
Probleme schon im Winter
Schon im Dezember hatte Lukaku mit einem Interview bei "Sky Sport Italia" für dunkle Schlagzeilen gesorgt. Damals hatte er seinen Cheftrainer öffentlich kritisiert und erklärt, dass er mit seiner Situation bei den Blues "nicht zufrieden" sei. "Tuchel hat sich für ein anderes Spielsystem entschieden. Ich werde weiterhin professionell bleiben, aber ich bin nicht glücklich", erklärte der Belgier, entschuldigte sich danach für die Kritik.
Schon damals zeigte sich, dass Lukaku für Tuchel mehr zum Problem als zum Titelgaranten werden könnte. Seit der Posse im Dezember blieb er im englischen Oberhaus ohne Treffer, seit nunmehr 412 Ligaminuten wartet er auf ein Tor. "Das ist nicht, was wir wollen und was Romelu will", erklärte Tuchel, sagte aber auch: "Ich bin mir nicht sicher, ob es so viel über uns allgemein aussagt."
Dabei wäre der Chelsea-Coach auf einen zuverlässigen Torjäger dringend angewiesen. Den Anschluss an die Spitzenteams aus Liverpool und Manchester verloren die Blues allen voran, weil sie deutlich weniger Tore erzielten als die Mannschaften von Jürgen Klopp und Pep Guardiola.
In sechs der vergangenen sieben Pflichtspiele trafen die Blues in 90 Minuten immer höchstens ein Mal. Bester Torschütze in der Premier League für den FC Chelsea ist Mittelfeldspieler Mason Mount mit sieben Toren.
Kein zweiter Fall Torres
Lukaku ist derweil nicht der erste Angreifer, der bei den Blues Probleme hat. "Es ist offensichtlich nicht der einfachste Ort in der Welt für Stürmer", sagte Tuchel, der auf die "Geschichte von Angreifern" in der englischen Hauptstadt verwies. In der Tat: Der letzte Chelsea-Stürmer, der mehr als 20 Ligatore in einer Saison erzielte, war Didier Drogba in der Saison 2009/2010.
Auch Fernando Torres, der vor elf Jahren für knapp 60 Millionen Euro nach London wechselte, wurde seinen Erwartungen selten gerecht und ging schließlich zum AC Milan.
Derweil stellt sich die Frage, warum auch Tuchel es nicht gelingt, seinen Mittelstürmer in das Chelsea-Spiel zu integrieren. "Sie müssen einen Weg finden, um Lukakus Stärken zu nutzen", forderte der ehemalige englische Nationalspieler Rio Ferdinand und schob die Verantwortung in Richtung Mannschaft und Trainer.
Tuchel schützt Lukaku, auch um einen zweiten Fall Torres in London zu verhindern.
/origin-imgresizer.eurosport.com/2022/02/20/3324188-67964028-2560-1440.jpg)
Tuchel genervt von Reporter-Frage: "Muss jetzt ruhig bleiben"
Quelle: Perform
Tuchel muss Lukaku-Rätsel lösen
"Es ist nicht an der Zeit, über ihn zu lachen oder sich lustig zu machen", stellte Tuchel nach dem Negativrekord von sieben Ballkontakten im London-Derby klar und erklärte: "Manchmal ist das bei Stürmern so. Wenn sie ein bisschen Probleme mit dem Selbstbewusstsein haben, wenn sie Probleme haben, Räume zu finden, und eingebunden zu werden gegen starke defensive Mannschaften, kann das so kommen".
Doch es ist auch an Tuchel, das Lukaku-Rätsel zu lösen und den 115-Millionen-Euro-Mann zu alter Stärke zurückzuführen. "Wir müssen damit nun umgehen", erkannte der Chelsea-Coach nach dem Auswärtssieg bei Crystal Palace.
In der Premier League ist der Titelzug trotz des Last-Minute-Tores von Ziyech im Selhurst Park für die Blues längst abgefahren; dafür sind Manchester City und der FC Liverpool schon zu weit weg. Im FA-Cup und in der Champions League kämpft die Tuchel-Mannschaft dagegen noch um Trophäen.
Doch um den Champions-League-Titel zu verteidigen, braucht der Trainer in dieser Saison einen verlässlichen Lukaku. Schon am Dienstag im Achtelfinale gegen den französischen Meister OSC Lille (21:00 Uhr im Liveticker) kann und möchte sich der Belgier wieder ins Rampenlicht spielen.
Diesmal aber mit positiven Schlagzeilen.
Das könnte Dich ebenfalls interessieren: Wundertüte BVB: In Glasgow braucht's das Feiertagsgesicht
/origin-imgresizer.eurosport.com/2022/02/17/3320613-67892528-2560-1440.jpg)
Spurs-Coach Conte adelt Angreifer nach Coup gegen City: "Weltklasse"
Quelle: Perform
Ähnliche Themen
Werbung
Werbung