Die Champions League hat etwas an sich, was man nicht beschreiben kann.
Sie ist mystisch, aufregend und im Falle des FC Liverpool häufig hochdramatisch. Nicht immer mit einem Happy-End für die Reds.
Da wäre zum Beispiel das Drama im Achtelfinale 2019/20 gegen Diego Simeones Atlético Madrid. Nach einem 0:1 im Hinspiel in Spanien rettete sich die Mannschaft von Jürgen Klopp in Anfield in die Verlängerung, wo Roberto Firmino das 2:0 nachlegte und die Weichen auf Viertelfinale stellte. Doch zwei Mal Marcos Llorente und einmal Álvaro Morata ließen die Träume der rund 50.000 Liverpool-Fans zerplatzen.
Champions League
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Gegen den AC Mailand jedoch nutzten Klopp und seine Spieler das Drama, anstatt sich darin zu verlieren. Mit einem atemberaubenden Fünf-Tore-Thriller (3:2) gegen das altehrwürdige Milan startete der LFC die Saison 2021/22 in der Königsklasse mit einem Knall. Liverpool, so wie es sein soll - und wie es seine Fans am meisten lieben.

Liverpool findet zu eigener Identität zurück

Tatsächlich helfen Dramen wie dieses dabei, dass die Reds nach einer Art Identitätskrise in der vergangenen Spielzeit ihre Persönlichkeit als Team zurückerlangen. Liverpool macht wieder Spaß und nutzt seinen inhärenten Chaosfaktor wieder zu seinem Vorteil.
Gründe für die Renaissance gibt es viele, gegen Milan war jedoch einiges auf die wiedererstarkten Trent Alexander-Arnold und Andy Robertson zurückzuführen. Beide waren vor allem in der ersten Halbzeit sehr umtriebig - Alexander-Arnold schlug 14 Flanken, Robertson deren zehn.

Ante Rebic und Trent Alexander-Arnold

Fotocredit: Getty Images

Mit so viel Drive und Kreativität auf den Flügeln war es Liverpool ein Leichtes, gegen den Ball hoch zu pressen und die Mailänder im Spielaufbau permanent unter Stress zu setzen. Die Energie, mit der Liverpool spielte, erinnerte an jene, die das Spiel der Reds in den Saisons 2018/19 und 2019/20 prägte.
Zu seinen besten Zeiten war Klopps Team für keinen Gegner der Welt zu bändigen. Wenn der FC Liverpool auf dem Feld stand, wurde 90 Minuten - und wenn nötig auch länger - alles rausgeblasen. Vollgasveranstaltungen eben, wie sie ihr Erfinder Klopp selbst verkörpert. Dieser Art des Spiels zollte man in der vergangenen Saison Tribut, mental und physisch - jetzt aber wirkt Liverpool frisch aufgetankt und bereit zu neuen Glanzleistungen.

Liverpool gegen Milan: Nicht alles Gold, was glänzt

Und doch waren gegen Milan phasenweise noch die Problemzonen der vergangenen Saison ersichtlich. Mit Virgil van Dijk auf der Bank war Liverpool defensiv verwundbar, was die Italiener zu nutzen wussten und zur Halbzeit trotz hoffnungsloser Unterlegenheit mit 2:1 führten. Eine Zeit lang schien der Chaosfaktor, der die Reds gegen Atlético das Weiterkommen kostete, wieder gegen sie zu wirken.
Tore von Mohamed Salah und Jordan Henderson brachten nach der Pause jedoch das Momentum zurück auf Liverpooler Seite, wobei besonders der Treffer zum 2:2-Ausgleich Erinnerungen an einen der Größten der Klubgeschichte hervorrief. Als Liverpool einen großen Moment brauchte, lieferte Kapitän Henderson genau so ab, wie es Klubikone Steven Gerrard so oft im Scheinwerferlicht der Champions League tat.

Liverpool-Kapitän Jordan Henderson (Mitte) bejubelt seinen 3:2-Treffer gegen den AC Mailand

Fotocredit: Getty Images

"Es ist eines dieser besonderen Tore", freute sich Robertson hinterher über seinen sehenswerten Dropkick ins Glück. "Der neutrale Zuschauer wird es genossen haben und ich bin sicher, die Fans hier haben es geliebt. In der ersten halben Stunde haben wir sie weggeblasen. Dann wurden wir schlampig und haben aufgehört, die Dinge zu tun, die wir gut machten. Wir lassen sie wieder ins Spiel kommen und müssen uns zur Halbzeit fragen: 'Wie haben wir das bloß zugelassen?'"

Liverpool braucht das Drama

Doch es sind eben genau diese Spielverläufe, bei denen sich Spieler und Fans am lebendigsten fühlen - und Liverpool hatte es nach der vergangenen Saison bitter nötig, sich wieder zu spüren. Der pumpenden Herzschlag in großen, wichtigen Momenten - die Anspannung, die positiven und negativen Emotionen, all das fehlte zuletzt. Anfield wurde gebaut, um an Champions-League-Abenden zu zittern - und The Kop schwankte, als der Schlusspfiff ertönte.
Natürlich bedurfte es auch einiger taktischer Optimierungen, um den Sieg einzutüten. Die Mailänder hatten es vor allem im ersten Durchgang geschafft, große Lücken im Liverpooler Mittelfeld zu reißen. Klopp reagierte nach der Pause mit den Einwechslungen von Thiago Alcantara und Curtis Jones und schloss diese. Zudem beruhigte der erfahrene James Milner das Geschehen in den letzten zehn Minuten merklich.
Fünf Spiele ist die neue Saison nun alt und Liverpool hat bis jetzt nur einmal Punkte liegen gelassen: beim Zuhause gegen den FC Chelsea. Eine zufriedenstellende Bilanz, der Saisonstart ist geglückt. Der FC Liverpool hat den Turnaround geschafft und gewinnt endlich wieder die Spiele, die ihn in seiner Hochphase zwischen 20218 und 2020 zum besten Team der Welt machten.
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