Drei Dinge, die bei FC Bayern gegen Manchester City auffielen: In memoriam Robert Lewandowski
Der FC Bayern München scheitert im Viertelfinale der Champions League an Manchester City. Nach dem 0:3 im Hinspiel reicht es in München nur zu einem 1:1. Im Angriff wurde Robert Lewandowski diese Saison nie schmerzlicher vermisst, in der Abwehr gibt Dayot Upamecano einmal mehr eine tragische Figur ab. Thomas Tuchel bringt derweil seine Emotionalität nicht richtig rüber und fliegt. Was uns auffiel.
Tuchel missfällt Tonfall bei Frage - "ManCity zweimal am Haken"
Quelle: Perform
Der FC Bayern München glaubte an ein Wunder - dann kam Erling Haaland und zerstörte alle Träume.
Beim 1:1 (0:0) im Viertelfinal-Rückspiel der Champions League präsentierte sich der deutsche Rekordmeister jedoch auch offensiv viel zu harmlos, um die Hypothek aus dem Hinspiel (0:3) wettzumachen und schied so zum dritten Mal in Folge in der Königsklasse in der Runde der letzten Acht aus.
Erst ein schmeichelhafter Elfmeter von Joshua Kimmich bescherte den Bayern einen Torerfolg (83.), Haaland hatte zuvor mit seinem Führungstreffer bereits alles für die Engländer klar gemacht (57.).
17:6 Torschüsse häuften die Bayern im Rückspiel an, zwingend wurde es jedoch nur selten. "Wir hatten sie wieder am Haken, mehr noch als in Manchester. Aber wir haben in 180 Minuten wirklich gar nichts bekommen als Verstärker und Mutmacher, nichts an Spielglück", haderte Bayern-Trainer Thomas Tuchel bei "DAZN".
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"Note 6!" Tuchel ätzt gegen Schiri - die PK in voller Länge
Quelle: Eurosport
"Zum dritten Mal in Folge im Halbfinale zu stehen - das ist wirklich gut", freute sich dagegen auf der anderen Seite Ex-Bayern-Coach Pep Guardiola, der aber auch zugeben musste: "Es waren zwei sehr enge Spiele."
Drei Dinge, die uns in der Allianz Arena auffielen.
1. In memoriam Lewandowski
Der FC Bayern München zeigte weiß Gott kein schlechtes Champions-League-Spiel. Das sogenannte "Wunder" lag bis zur 57. Minute zumindest als olfaktorische Nuance in der Luft, so ein Hauch von: Wenn der Ball jetzt reingeht, dann wird's vielleicht noch …
Es wurde nicht. Was vor allen an einem Umstand lag: Den Münchnern fehlte es vor dem Tor an Qualität im Abschluss. Der ein oder andere Bayern-Fan mag wehmütig an Robert Lewandowski zurückgedacht haben.
Das mit Eric Maxim Choupo-Moting ein 34 Jahre alter und sein über einem Monat torloser Rekonvaleszent die Antwort auf Manchester City sein soll, wird den großen Ansprüchen des FC Bayern München nicht gerecht.
Einmal mehr machte sich die Fehleinschätzung bemerkbar, Sadio Mané, der in der 64. Minute eingewechselt wurde, könnte den Lewandowski-Abgang kompensieren.
Immer wieder zeigte die offensive Dreierreihe Kingsley Coman (vier Torschüsse), Jamal Musiala (3 Torschussvorlagen) und Leroy Sané (5 Torschussvorlagen) starke Ansätze, doch immer wieder fehlte der Zielspieler - und auch das nötige Selbstvertrauen, wenn sie selbst abschlossen.
Eine sinnbildliche Szene für den FC Bayern im Jahr 2023 trug sich in der 24. Spielminute zu, als Musiala den Ball klug links in den freien Raum auf Coman passte. In Überzahl gab es statt einem Torerfolg erst ein ungenaues Zuspiel auf Sané, von diesem eine halbherzige Ablage auf Leon Goretzka - der wiederum den Ball hilflos in den Nachthimmel drosch.
Dass Thomas Tuchel wie im Hinspiel erneut auf Thomas Müller in der Startelf verzichtete, wurde vom Trainer zwar wortreich erklärt, sorgte aber dennoch für Verwunderung. Ein Viertelfinal-Rückspiel gegen Manchester City soll "kein Thomas-Müller-Spiel" (Tuchel) sein? Merkwürdige Zeiten …
So dauerte es addierte 173 Minuten, bis Joshua Kimmich mit einem schmeichelhaften Elfmeter die Bayern gegen die Citizens auf die Anzeigetafel brachte. Da war die Messe aber schon längst gelesen.
"Es ist sehr ärgerlich, dass wir das 1:0 nicht machen. Ich hätte die zweite Halbzeit gerne mit einer Führung erlebt", sagte der Torschütze nach dem Spiel bei "DAZN".
Und zum Aus: "Es lag nicht am Willen. Wenn man die zwei Spiele nimmt, haben wir 25 bis 30 Minuten nicht gut gespielt, in denen ManCity zwei Tore macht. Da haben wir es im Hinspiel absolut verbockt. Wir waren über 180 Minuten nicht die schlechtere Mannschaft."
2. Kniefall vor dem Earl
Die diesjährigen Duelle mit Manchester City werden aus Bayern-Sicht in der Rückschau vor allem mit zwei Namen verbunden bleiben: Erling Haaland und Dayot Upamecano. Haaland, weil der Ex-Dortmunder Bayern mit zwei Treffern und einem Assist fast im Alleingang aus dem Wettbewerb schoss - daran änderte auch ein verballerter Elfmeter im Rückspiel (37.) nichts.
Und Upamecano, weil der Innenverteidiger in beiden Spielen in entscheidenden Szenen eine extrem unglückliche Figur machte. Am Mittwochabend nahm das Unheil in der 18. Minute schon mal Anlauf, als Upamecano nach einer Notbremse gegen eben jenen Haaland vom insgesamt fürchterlich unsicheren Schiedsrichter Clément Turpin (Frankreich) die Rote Karte gezeigt bekam - der VAR erkannte jedoch eine vorausgegangene Abseitsposition und rettete Upamecano so.
Nach 36 Minuten verschuldete der Franzose dann besagten Haaland-Elfmeter, weil er bei einem Gündogan-Schuss seine erste Idee, die Arme auf dem Rücken zu verschränken, zu früh aufgab, dann den linken Arm beim Wegdrehen in die Schussbahn hielt und so den Ball hauchzart touchierte - ein kleinlicher, aber faktisch korrekt verhängter Strafstoß.
Beim 0:1 durch Haaland (57.) war das Maß an Upamecano-Unglücken dann voll; erst versäumte es der 24-Jährige beim Konter der Gäste, Haaland abseits zu stellen, dann rutschte er im Laufduell aus und musste hilflos auf den Knien den Gnadenstoß des Norwegers mitansehen - ein Kniefall vor dem Earl.
"Er ist immer noch ein Unsicherheitsfaktor, der immer einen Bock drin hat", sagte "DAZN"-Experte Michael Ballack über Upamecano: "Er hat noch nicht den Schritt gemacht, den man sich erhofft hat. Das hat man auf dem Niveau gnadenlos spüren müssen."
3. Tuchels Emotionalität springt nicht über
Agierte Thomas Tuchel bei seinem ersten Bayern-Spiel gegen Borussia Dortmund neulich (4:2) noch betont passiv an der Seitenlinie, hielt ihn am Mittwochabend gegen ManCity von der ersten Minute an nichts auf der Trainerbank.
Der FCB-Coach versuchte von Beginn an, aus der Coaching Zone heraus die Aktivität und Emotionalität zu verkörpern, die er sich von seinen Mannen gewünscht hatte. Wie ein Derwisch rannte der 49-Jährige die Begrenzung auf und ab, so dass man durchaus eine veritable Laufleistung ermitteln hätte können.
Allein das Tuchel'sche Ansinnen misslang; sein Funke sprang nicht auf die Spieler über. Im Gegenteil: Tuchel schlug an der Seitenlinie derart über die Strenge, dass er kurz vor Schluss von Schiedsrichter Turpin mit der Gelb-Roten Karte aus dem Innenraum verwiesen wurde.
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Thomas Tuchel muss gegen Manchester City mit Gelb-Rot auf die Tribüne
Fotocredit: Eurosport
"Ich bin sehr zufrieden, wie wir aufgetreten sind, wie wir gespielt haben", sagte Tuchel danach: "Nur Zwei konnten das Niveau nicht halten - das waren Platz und Schiedsrichter. Ansonsten war es top."
Tuchel muss sich aber auch an die eigene Nase fassen: In der 83. und 86. Minute wurde der Bayern-Trainer jeweils wegen Meckerns verwarnt, als das Spiel eigentlich schon gelaufen war.
Der Platzverweis wird ein Spiel Sperre nach sich ziehen, Tuchel wird also den Start der neuen Champions-League-Saison mit den Bayern von der Tribüne aus verfolgen müssen - so er denn dann noch Trainer in München ist.
Der Start ist für den Coach mit nur zwei Siegen aus sechs Pflichtspielen und dem Aus in DFB-Pokal und Champions League jedenfalls total misslungen - der Gewinn der Deutschen Meisterschaft ist für Tuchel am Mittwochabend zur Pflichtaufgabe geworden.
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