FC Bayern muss den nächsten Titel abhaken: Thomas Tuchels Hände heilen (noch) nicht
Nach dem Aus im DFB-Pokal-Viertelfinale muss der FC Bayern auch in der Runde der letzten Acht in der Champions League die Segel streichen. Gegen Manchester City blieb das Münchner Wunder am Mittwochabend beim 1:1 im Rückspiel aus. Dass nun binnen kürzester Zeit der zweite von einst drei möglichen Titeln futsch ist, ließ die Erkenntnis reifen, dass Thomas Tuchels Hände noch nicht heilen.
"Note 6!" Tuchel ätzt gegen Schiri - die PK in voller Länge
Quelle: Eurosport
Thomas Tuchel fuchtelte mit den Händen, lamentierte, brüllte, redete unentwegt auf das Schiedsrichtergespann ein, machte Meter um Meter in seiner Coaching Zone. Doch der Funke, den der neue Coach des FC Bayern mit seinem Gebaren auf die Mannschaft übertragen wollte, sprang nur bedingt über.
Während Tuchel an der Seitenlinie zum Krumbacher HB-Männchen avancierte und kurz vor Schluss für seine verbalen Schiri-Schelten von Referee Clément Turpin mit einer Gelb-Roten Karte sanktioniert wurde, beraubten sich die Münchner Protagonisten auf dem Rasen mit etlichen ausgelassenen Chancen der Option, das Unmögliche doch noch möglich zu machen.
Das 1:1 gegen Manchester City reichte nach dem enttäuschenden 0:3 im Hinspiel nicht mal ansatzweise, um ins Halbfinale der Champions League einzuziehen. Zwar präsentierte sich der deutsche Rekordmeister deutlich besser als vor einer Woche auf der Insel oder zuletzt beim 1:1 gegen die TSG Hoffenheim, wirklich Formen nahm das obligatorische Wunder aber eigentlich nie an.
Stattdessen stand das zweite Aus in einem prestigeträchtigen Wettbewerb binnen kürzester Zeit zu Buche, nachdem an Ort und Stelle bereits gegen Freiburg im DFB-Pokal vorzeitig Endstation war. Beide Rückschläge fielen somit in Tuchels knapp vierwöchige Amtszeit. Dabei sollte ebenjener Tuchel mit seinen außergewöhnlichen Fähigkeiten ja eigentlich dazu beitragen, dass der prall gefüllte Bayern-Trophäenschrank am Ende der Saison dreifachen Zuwachs erhält.
Sechs Spiele, nur zwei Siege
Das war die Idee hinter seiner Verpflichtung, immerhin sahen die Bayern-Bosse die ambitionierten Ziele unter Tuchels Vorgänger Julian Nagelsmann gefährdet. Dürfte die Klubführung sich bei Tuchels Debüt (ein überzeugendes 4:2 gegen den damaligen Tabellenführer Borussia Dortmund) noch in ihrer Entscheidung bestätigt gefühlt haben, müssen sich Oliver Kahn, Hasan Salihamidzic und Co. mittlerweile mit kritischen Fragen auseinandersetzen.
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Thomas Tuchel - FC Bayern München vs. Manchester City
Fotocredit: Getty Images
Seit sechs Spielen leitet Tuchel die Geschicke, nur zwei davon wurden gewonnen (zwei Unentschieden, zwei Niederlagen, Torverhältnis 8:9). Eine mäßige Bilanz. Der zahlengewordene Elefant im Raum. Offensichtlich, aber als Thema aus Sicht der Verantwortlichen unerfreulich. Doch beim FC Bayern wird der mediale Finger traditionell noch einmal tiefer in die Wunde gelegt als bei anderen Vereinen.
Salihamidzic lobt Tuchel
Dementsprechend wurde im Nachgang an das City-Spiel am späten Mittwochabend in den Stadionkatakomben das Naheliegende diskutiert. War der Rauswurf Nagelsmanns rückblickend ein Fehler? "Auf gar keinen Fall. Wir stehen alle dahinter, wir haben das mit bestem Wissen und Gewissen getan - und würden es wieder tun", erklärte Salihamidzic, der Tuchel prompt den Rücken stärkte: "Wir haben einen Schritt nach vorne gemacht. Der Trainer macht einen guten Job."
Kahn bekräftigte: "Wir hätten uns gewünscht, dass wir gegen Freiburg und ManCity weiterkommen. Man hat gesehen, dass es Stellschrauben gibt – wir sind total überzeugt, dass wir mit Thomas Tuchel früher oder später wieder da sind, wo wir hinwollen: ganz oben."
Dass Tuchel, der akribische Arbeiter, der Fußball-Aficionado, seinen Job gewissenhaft macht, steht außer Frage. Er hatte bislang kaum Zeit, seine Philosophie zu implementieren, muss sich weitestgehend auf das stützen, was Nagelsmann ihm hinterlassen hat. Und das ist, so zumindest der Eindruck, ein verunsichertes, inkonstantes Team mit etlichen Leistungsträgern auf Formsuche.
"Tuchel kann nicht Hand auflegen und alles ist besser"
Entsprechend nahm auch Präsident Herbert Hainer den neuen Übungsleiter in Schutz. "Wir haben in der Rückrunde gesehen, dass viele Spieler nicht in Topform waren", sagte er in der Mixed Zone. Er schob nach: "Thomas Tuchel kann nicht Hand auflegen und alles ist besser. Auch in der letzten Saison hatten wir diese Inkonstanz, das Potenzial wurde nicht voll ausgeschöpft, deshalb haben wir diesen Schritt gemacht."
Keine heilenden Hände, aber immerhin mit ausreichend Optimismus ausgestattet. "Ich glaube, dass wir mit Vertrauen und Ruhe zu mehr Konstanz gelangen. Natürlich wollen wir das alle sofort haben. Ich bin der Erste, der das sofort haben will", sagte Tuchel auf der Pressekonferenz und ergänzte: "Ich muss aber einsehen, dass alles seine Zeit braucht."
Zunächst ist der Messias-Effekt, den man sich erhofft hatte, verpufft. Ob Tuchel das Feuer, das er am Spielfeldrand gegen City entzündet hat, schon bald in seinen Spielern entfachen kann, werden die nächsten Wochen zeigen.
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Tuchel missfällt Tonfall bei Frage - "ManCity zweimal am Haken"
Quelle: Perform
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