RB Leipzig - Krise verschärft sich weiter: Mega-Bock von Gulasci leitet Klatsche gegen Shakhtar Donezk ein
Publiziert 06/09/2022 um 22:53 GMT+2 Uhr
Die Krise von RB Leipzig verschärft sich weiter. Zum Auftakt in die Champions League kassierte die Mannschaft von Domenico Tedesco gegen Shakhtar Donezk eine 1:4 (0:1)-Klatsche. Ein Bock von Peter Gulacsi ermöglichte die Führung durch Marian Shved (16.). Mohamed Simakan (57.) erzielte den zwischenzeitlichen Ausgleich, doch im direkten Gegenzug traf Donezk erneut (60.). Danach brachen alle Dämme.
Unfassbarer Bock von Gulacsi: Leipzig schenkt Donezk Führung
Fotocredit: Getty Images
Gegen gut organisierte Gäste aus der Ukraine tat sich Leipzig schwer, überhaupt in Abschlusssituationen zu kommen. Nach verhaltener Anfangsphase verbuchte Christopher Nkunku in Folge einer gelungenen Kombination über Timo Werner und André Silva die erste gute Torchance. Fünf Meter vor dem Tor geriet sein Abschluss aber zu zentral, so konnte Shakhtars Schlussmann Anatoliy Trubin parieren (12.).
Nur vier Minuten später folgte dann der Schock für Domenico Tedesco und seine Mannschaft: Peter Gulácsi vertändelte nach einem harmlosen Rückpass von Xaver Schlager weit vor dem eigenen Strafraum den Ball. Marian Shved reagierte blitzschnell und schob den Ball aus 28 Metern ins verwaiste Tor - ein Riesenbock des Leipziger Schlussmanns (16.).
RB wirkte in der Folge wie gelähmt. Die Offensivreihe um Timo Werner, Silva und Nkunku wirkte viel zu statisch, es mangelte an Tempo und Präzision im Passspiel. Donezk hingegen verteidigte die knappe Führung leidenschaftlich und zog sich immer tiefer zurück. So sprang nicht ein einziger gefährlicher Abschluss mehr für die Hausherren im ersten Durchgang heraus.
In der zweiten Halbzeit brachte Domenico Tedesco David Raum für Marcel Halstenberg. Leipzig war nun sichtlich bemüht, ein Freistoß aus 26 Metern Torentfernung von Dominik Szoboszlai verfehlte das Tor allerdings noch (54.).
Wenig später machte es Leipzig dann besser. Szoboszlai sah rechts im Strafraum den mitgelaufenen Mohamed Simakan freistehen, der neun Meter halbrechts vor dem Tor cool blieb und ins rechte obere Eck einschoss – der Ausgleich (57.).
Die Freude bei RB hielt allerdings nicht lange an. Mit dem nächsten Angriff ging Shakhtar erneut in Führung: Mykhaylo Mudryk setzte sich links gegen Torschütze Simakan durch und bediente im Zentrum Shved. Der hielt aus 14 Metern drauf – von Willi Orbán noch abgefälscht schlug der Ball unhaltbar für Gulácsi im rechten unteren Eck ein (58.).
Ähnlich wie in der ersten Halbzeit wirkte Leipzig geschockt – und es kam noch dicker für RB. Nach einer Leipziger Ecke konterte Donezk mustergültig über Georgiy Sudakov, der im Zentrum den mitgelaufenen Mykhaylo Mudryk fand. Der wiederum schloss aus 14 Metern eiskalt ins rechte untere Eck ab (76.).
Die Hausherren zeigten nun Auflösungserscheinungen in der Defensive. Beim nächsten Angriff der Gäste ließ Simakan links Mudryk laufen, der links im Strafraum querspielte. In der Mitte stand Joker Lassina Traoré goldrichtig und schob aus fünf Metern zum 4:1 für Donezk ein (85.).
RB hingegen gelang auch in den vier Minuten Nachspielzeit nichts mehr. So blieb es bei der bitteren Auftaktniederlage in der Champions League, die die Diskussionen in Leipzig noch einmal verschärfen dürfte.
Die Stimmen:
Xaver Schlager (RB Leipzig): "Eine Erklärung ist schwierig zu finden. Die machen aus keinem Torschuss ein Tor und aus einem halben Torschuss das zweite Tor. Wie wollen Sie das erklären? Sonst haben wir glaube ich ordentlich nach vorne gespielt. Wir haben zwar nicht so viele Chancen herausgespielt, aber wir spielen ja nicht in irgendeiner Gurkenliga, wir spielen hier Champions League. Und wenn die mit elf Mann verteidigen, wird es für jedes Team schwer. Ich erinnere mich an Jahre, da hat auch Real Madrid gegen Shakhtar Donezk veloren. Der Spielverlauf war einfach Wahnsinn heute. Man muss auch sagen, dass sie sehr gut verteidigt haben. Wir haben viel versucht, es hat aber alles nicht funktioniert. Was heißt Krise? Jedes Spiel, das man nicht gewinnt, ist schlecht."
Igor Jovicevic (Trainer Shakhtar Donezk): "Das ist Fußball. Es war ein großartiges Spiel für uns, sehr emotional. Ich denke, wir haben den Sieg auch verdient, weil wir genau das umgesetzt haben, was wir uns vorgenommen haben. Wir haben heute die Zeit und den Raum dominiert. Wir haben eine sehr junge Mannschaft, viele Spieler haben heute zum ersten Mal Champions League gespielt. Ich auch. Aber es war ein sehr reifer Auftritt. Dieser Sieg ist für die ukrainischen Menschen, für die Soldaten, die kämpfen. Ich weiß, dass dieser Sieg ganz viel bedeutet, weil sie für 90 Minuten lang alles vergessen konnten."
Die Stimmen zum Spiel:
Domenico Tedesco (Trainer RB Leipzig): "Schwierig, die passenden Worte zu finden. Der Spielverlauf ist Wahnsinn. Ich finde, es spiegelt in Stück weit schon vieles wieder, was wir in den letzten Wochen erleben müssen. Ich glaube, die Jungs wollten. Wir sind angesprintet, sind vorne angelaufen. Die haben keinen Torschuss und führen 1:0. Dann laufen wir an, sind super aus der Halbzeit gekommen. Und dann fliegt das Ding wieder rein. Das ist echt brutal. Ich glaube, dass uns das 2:1 wirklich den Stecker gezogen hat."
Zu den Reaktionen der Fans: "Wenn die Fans unzufrieden sind, dann können sie das zum Ausdruck bringen, das ist doch klar."
Zur möglichen Trainer-Diskussion: "Darüber mache ich mir überhaupt keine Gedanken. Vor allem der Spielverlauf, da muss ich echt schlucken. Morgen sieht die Welt wieder anders aus."
Peter Gulácsi (RB Leipzig): "Ich glaube jeder, der das Spiel heute gesehen hat, das ist Wahnsinn. Ich mache einen Riesen-Fehler vor dem 0:1. Dann machen wir das 1:1 und im Gegenzug kriegen wir mit einem abgefälschten Schuss das 1:2. Das hat uns heute mental kaputt gemacht. Das ist aber natürlich keine Ausrede. Wir wollen nichts schönreden. Wir wollten unbedingt das Spiel gewinnen. Wir haben jetzt eine Phase, wo vieles gegen uns läuft. Wir müssen was ändern, das können wir nur zusammen. Der Saisonstart ist schlecht, jetzt müssen wir zusammen was ändern. Wenn man die Gegentore sieht, kann der Trainer da nichts dafür."
Der Tweet zum Spiel:
Die gute Tat des Abends
Das fiel auf: Der Aussetzer von Peter Gulácsi
Es war die Szene des Abends: Peter Gulácsis Aussetzer vor dem 0:1 dürfte in die Annalen eingehen. Völlig unbedrängt schenkte er das Spielgerät an Torschützen Marian Shved her. Die Folge war das 1:0 für Shakhtar Donezk, das wie ein dunkler Vorbote für den restlichen Abend wirkte. Gulácsis Bock stand stellvertretend für einen rabenschwarzen Abend der gesamten Leipziger Mannschaft, die in der offensive harmlos und in der Defensive völlig körperlos agierte. So fiel auch das zweite Gegentor nach Slapstick-Manier, Willi Orbán hatte den Schuss unhaltbar abgefälscht. Nach dem Fehlstart in der Liga mit gerade einmal fünf Punkten aus fünf Spielen und nur zwei Pflichtspielsiegen überhaupt verschärft sich die Krise in Leipzig noch einmal mehr.
Die Statistik: 1
Für Shakhtar Donezk war es der erste Sieg nach acht sieglosen Champions-League-Spielen in Folge.
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