Drei Dinge, die beim FC Bayern in Istanbul auffielen: Die schlechteste Halbzeit der Saison - Musiala macht die Musik
Der FC Bayern wankt, fällt aber nicht: Beim 3:1 (1:1)-Sieg der Münchner in der Champions League bei Galatasaray muss der Rekordmeister heikle 70 Minuten überstehen, ehe er die Fitnessnachteile der Hausherren clever ausnutzt. Die erste Halbzeit verkommt derweil zur schlechtesten der Saison. Nach der Pause überzeugt vor allem Youngster Jamal Musiala. Drei Dinge, die uns auffielen.
Bayern-Sieg: Tuchel spricht von "außergewöhnlicher Leistung"
Quelle: Perform
Lange Zeit bangte der FC Bayern bei Galatasaray Istanbul um den dritten Dreier im dritten Gruppenspiel der Champions-League-Saison, am Ende steht auf dem Papier jedoch ein souverän anmutender 3:1 (1:1)-Sieg.
Die Münchner mussten ein hartes Stück Arbeit verrichten, hatten vor allem in der ersten Halbzeit enormes Glück, nicht in Rückstand zu geraten. Nachdem Kingsley Coman mit dem ersten Torschuss der Bayern die Führung besorgte (8.), spielten nur noch die Gastgeber und glichen verdient durch Mauro Icardi (30./Foulelfmeter) aus.
Als Galatasaray Mitte der zweiten Hälfte komplett der Saft ausging, spielten die Bayern ihren Frischevorteil dann aber im Stile einer Spitzenmannschaft aus und bauten die unglaubliche Serie in der Königsklasse auf 37 Gruppenspiele ohne Niederlage aus.
Drei Dinge, die in Istanbul auffielen.
1.) Die schlechteste Halbzeit der Saison
In der ersten 45 Minuten dürften sich Fans und Verantwortliche des FC Bayern im falschen Film gewähnt haben. Dass es auswärts im Hexenkessel von Istanbul nicht einfach werden würde, war klar. Dass die Münchner jedoch derart unter Beschuss gerieten, war keineswegs abzusehen.
3:16 Torschüsse standen aus Sicht des Bundesligisten am Ende der ersten 45 Minuten in den Büchern - Rekord. Nie zuvor zählten die Statistiker derart viele Abschlüsse in Richtung des bayrischen Gehäuses.
Dass einzig allein Mauro Icardis verwandelter Foulelfmeter (30.) den Weg ins Tor fand und die Münchner mit einem schmeichelhaften 1:1 in die Halbzeit gehen durften, hatten sie der fehlenden Kaltschnäuzigkeit der Türken und Keeper Sven Ulreich zu verdanken.
Der Vertreter von Manuel Neuer rettete kurz nach der 1:0-Führung durch Coman mit einem starken Reflex gegen einen Seitfallzieher von Kerem Aktürkoglu (10.) und auch in der 40. Minute rettete Ulreich im Privatduell mit Galatasarays Nummer 7 im Eins-gegen-Eins.
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Starker Rückhalt in Istanbul: Sven Ulreich
Fotocredit: Getty Images
Trainer Thomas Tuchel sprach nach der Partie bei "Prime Video" von einer "komplizierten ersten Halbzeit", die ihm "überhaupt nicht gefallen" habe. Seine Mannschaft habe es zu keinem Zeitpunkt geschafft, Ballbesitz in der gegnerischen Hälfte zu erlangen und das Spiel zu beruhigen.
"Wir hatten wahnsinnig schnelle Ballverluste, waren zu hektisch, haben gar keine Zweikämpfe gewonnen", monierte Tuchel. Stellvertretend für die schlechteste Hälfte der bisherigen Bayern-Saison stand die Schaltzentrale um Joshua Kimmich.
Die Werte des Nationalspielers nach 45 Minuten sprachen Bände: 33 Prozent gewonnene Zweikämpfe, neun Ballverluste. Ein Durchgang zum vergessen.
Gott sei Dank, aus Sicht des FC Bayern, änderte sich die Gemengelage Mitte des zweiten Durchgangs gänzlich.
2.) Galatasaray geht der Sprit aus
Wird im Auto der Sprit knapp, meldet sich für gewöhnlich der Boardcomputer mit einem dezenten Hinweis in Form eines leuchtenden Tankstellensymbols beim Fahrzeugführer. Neuere Modelle berechnen sogar die verbleibende Reichweite des Fahrzeugs in Kilometern.
Die metaphorische Tankleuchte von Galatasaray blinkte am Dienstagabend Mitte der zweiten Halbzeit auf. Exakte Reichweite des Mannschaftstanks: 69 Minuten.
Dann zollten die bis dahin überragend aufgelegten Türken dem eigenen Tempo Tribut. Bayern schaffte es immer häufiger, in die Hälfte der Hausherren zu kombinieren und den Ball dort über längere Phasen zu behaupten.
Griff Galatasaray vor allem in der ersten Halbzeit phasenweise mit fünf Offensiven auf Höhe des gegnerischen Strafraums an und strotzte nur so vor Energie, schleppten sich die Hausherren in der letzten 20 Minuten der regulären Spielzeit merklich ausgelaugt über den Platz und kamen ständig einen Schritt zu spät. Tödlich gegen einen Topgegner wie den FC Bayern, der die Müdigkeit der Gastgeber durch Tore von Harry Kane (73.) und Jamal Musiala (79.) eiskalt ausnutze.
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Harry Kane trifft zum 2:1 für Bayern in Istanbul
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"Es war sehr anstrengend. Sie haben viel Druck gemacht, aber in der zweiten Halbzeit hatten wir mehr Räume”, befand "UEFA Man of the Match" und Torschütze zum 1:0 Kingsley Coman. "Amazon"-Experte Matthias Sammer erkannte: "Sie waren physisch an ihren Grenzen."
Tuchel erklärte, man habe sich nach dem Seitenwechsel darauf fokussiert "gegen den Ball ein bisschen tiefer, ein bisschen kompakter zu spielen, um mit engeren Abständen einfacher umschalten zu können."
Das klappte im Stile einer Spitzenmannschaft. Und dennoch gebührt Galatasaray für die ersten 69 Minuten Hochachtung.
3.) Musiala macht die Musik
Längst gehört Jamal Musiala zu den absoluten Topstars des FC Bayern, längst entscheidet er Spiele, gar Meisterschaften. Dass der Youngster mit der herausragenden Technik auch in der Champions League den Unterschied ausmacht, bewies er in Istanbul einmal mehr.
79 Minuten waren gespielt, da steckte Konrad Laimer halblinks auf den startenden Kane durch, der den Kopf hob und Musiala im Rückraum sah. Der 20-Jährige nahm die Kugel perfekt an und beförderte sie mit der Innenseite aus 13 Metern zentraler Position vorbei an Verteidiger Abdülkerim Bardakci in die Maschen. Die Entscheidung.
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Machte bei Galatasaray den Deckel drauf: Jamal Musiala
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"Cleveres Tor, sehr reif", befand der ehemalige Bayern-Stürmer Nils Pedersen in neuer Funktion als Experte bei "Prime Video". Musiala stach in Bayerns teilweise statischer Offensivreihe auch vor seinem Treffer heraus, behauptete Bälle und leitete fast jeden gefährlichen Angriff der Bayern ein. Besonders seine Ruhe in Bedrängnis ist beeindruckend - so brachte der gebürtige Engländer knapp 91 Prozent seiner Pässe im Angriffsdrittel an den Mann - herausragend.
"Sie hatten gute Phasen, haben dominiert, vor allem am Anfang", analysierte Musiala im Anschluss. Am Ende sei man in einer "coolen Atmosphäre" aber cool geblieben.
Die Coolness in Person war an diesem Abend Bayerns Super-Talent höchstpersönlich.
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Casillas beeindruckt: "Bellingham hat gezeigt, wozu er fähig ist"
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