Drei Dinge, die bei Newcastle gegen den BVB auffielen: Starkes Kollektiv, starker Kobel - schwacher Füllkrug
VonThomas Gaber
Publiziert 26/10/2023 um 00:52 GMT+2 Uhr
Borussia Dortmund lebt noch in der Champions League. Der 1:0-Sieg bei Newcastle United am dritten Spieltag war der Sieg eines leidensfähigen Kollektivs, das an diesem Abend sehr viel richtig machte. Wenn Newcastle doch mal durch kam, stand den Magpies die Latte oder der überragende BVB-Keeper Gregor Kobel im Weg. Allerdings bekam Nationalstürmer Niclas Füllkrug seine Grenzen aufgezeigt.
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Quelle: Perform
Nach dem 0:2 in Paris und dem 0:0 gegen Milan stand der BVB nach zwei Spielen in der Hammergruppe F mit dem Rücken zur Wand. Der Auftritt bei Newcastle United war schon so etwas wie die letzte Chance.
Die Dortmunder haben diese genutzt, weil sie in der ersten Halbzeit offensiv überzeugen konnten und nach der Pause herausragend verteidigten. Für die drei Punkte sorgte Felix Nmecha mit seinem ersten Tor in der Champions League (45.).
"Nach den ersten beiden Partien hatten wir nur einen Punkt, von daher war es ein Must-Win-Spiel. Das ist uns mit einer guten Leistung gelungen", sagte Gregor Kobel bei "DAZN".
Drei Dinge, die bei Newcastle gegen Dortmund auffielen.
1.) Es lebe das schwarz-gelbe Kollektiv!
Was dem FC Bayern am Dienstag in Istanbul widerfuhr, erlebte der BVB in Newcastle: frenetische Fans der Gastgeber, die den St. James' Park schon vor dem Anpfiff in einen ohrenbetäubenden Hexenkessel verwandelten. Zur ungünstigen Tabellenkonstellation eine zusätzliche Herausforderung für die Dortmunder, die auch noch kurzfristig auf den angeschlagenen Julian Brandt verzichten mussten.
Doch Schwarz-Gelb war sofort drin im Spiel und hatte durch Donyell Malen nach 90 Sekunden die erste gute Torchance. Bei eigenem Ballbesitz ging es immer wieder schnörkellos mit wenigen Kontakten ins letzte Drittel, wobei sich Brandt-Vertreter Marcel Sabitzer auf halblinks als Antreiber und Ballverteiler verdient machte. "Wir wussten, dass Marcel extrem ballsicher ist. Wir wollten genau diese Ballsicherheit, diese Intensität haben. Er hat das herausragend gemacht", lobte BVB-Coach Edin Terzic bei "DAZN".
Einziges Manko in der BVB-Offensive: die schlechte Chancenverwertung, die sich durch die gesamte Gruppenphase zieht. Kurz vor der Pause brach Nmecha nach genialer Vorarbeit von Nico Schlotterbeck den Bann. "Wir haben eine fantastische erste Halbzeit gespielt", resümierte Terzic.
Mit zunehmender Spieldauer geriet Dortmund immer stärker unter Druck, verteidigte aber klug, diszipliniert und leidenschaftlich - und brachte den Sieg am Ende auch mit dem nötigen Spielglück (Newcastle traf zweimal die Latte) über die Zeit. "Am Ende mussten wir viel verteidigen und Leidenschaft investieren. Wir haben uns heute wieder zurückgemeldet in dieser Gruppe", so Terzic.
Nach dem jüngsten 1:0-Sieg gegen Werder Bremen in der Bundesliga hatte der Coach eine Änderung in der Herangehensweise seiner Arbeit dargelegt. "Wir haben lange genug in den letzten zehn Jahren schönen und sexy Fußball gezeigt, der am Ende aber nicht dazu geführt hat, unsere maximalen Ziele zu erreichen. Wir haben versucht, im Sommer unsere Schlüsse zu ziehen. Weniger sexy, mehr Erfolg", erklärte Terzic.
In Newcastle war wenig schön, aber ein leidensfähiger Kampf kann auch sexy sein - und erfolgreich, wenn alle mitmachen. Das war in Newcastle der Fall, der Sieg bei den Magpies war ein Sieg des Kollektivs.
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Dortmund marschiert: Terzic "sehr zufrieden"
Quelle: Perform
2.) Gregor Kobel einmal mehr überragend
Weil es dem BVB über weite Strecken gelang, Newcastle vom eigenen Tor wegzuhalten, stand Gregor Kobel selten im Mittelpunkt. Die Mannschaft mit den meisten Treffern in der Premier League (24) kam aber hin und wieder doch mal durch.
In diesen seltenen Fällen konnten sich die Gäste auf ihre Nummer eins verlassen. Überragend, wie sich Kobel vor Anthony Gordon aufbaute (11.) und auch gegen Callum Wilson im Eins-gegen-eins Sieger blieb (57.). "Ich will dem Team immer helfen, da sein, wenn ich gebraucht werde", sagte der Schweizer und heimste ein Sonderlob von seinem Trainer ein. "Wir hatten ein bisschen Glück, aber auch einen herausragenden Keeper", sagte Terzic.
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Gregor Kobel war von Newcastle nicht zu überwinden
Fotocredit: Getty Images
Kobel liefert seit geraumer Zeit konstant starke Leistungen ab und hat sich in ganz Europa einen Namen gemacht als ein Torhüter, der Meister ist im Vereiteln von Großchancen. Im Duell Mann gegen Mann gibt es kontinentweit derzeit keinen besseren Keeper als Kobel.
Der BVB machte Anfang Oktober mit der Vertragsverlängerung bis 2028 alles richtig. Je länger der Vertrag, desto mehr Ablöse kann von interessierten Vereinen - und davon soll es nicht wenige geben - verlangt werden.
3.) Füllkrug bekommt Grenzen aufgezeigt
Champions-League-Auswärtsspiele bei dominant auftretenden Gegnern sind für Stürmer per se nicht vergnügungssteuerpflichtig. Man bekommt wenige verwertbare Bälle und nutzt sich mit jeder Menge Defensivarbeit ab.
Niclas Füllkrug erging es im St. James' Park nicht anders. Da bei ihm vorne kaum ein Ball ankam, ließ er sich immer wieder tief ins Mittelfeld fallen, um die BVB-Angriffe aktiv mitzugestalten. Doch stattdessen spielte er einen grässlichen Fehlpass, der einen gefährlichen Konter der Magpies zur Folge hatte (13.).
Füllkrug hatte von allen Startelfspielern des BVB die mit Abstand schlechteste Passquote (62 Prozent). Die wenigen Zuspiele auf ihn in der letzten Linie konnte er selten festmachen und bei seiner einzigen echten Torchance schoss er Newcastle-Torhüter Nick Pope aus sechs Metern mittig an.
Gegen die zweikampfstarken, groß gewachsenen Verteidiger der Magpies hatte der flinke, wendige Malen deutlich mehr Spaß als Füllkrug, dem in seinem ersten Champions-League-Spiel von Beginn an die Grenzen aufgezeigt wurden.
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