FC Bayern München mit Chaos-Sieg gegen Manchester United in der Champions League: Anarchie-Zone Strafraum
Wilder Auftakt in die neue Champions-League-Saison: Der FC Bayern blieb letztlich seinem Ruf als Gruppenphasen-Riese treu, bezwang Manchester United 4:3. Obwohl die Münchner alles im Griff hatten, in der Offensive bisweilen sehenswert kombinierten, wurde es am Ende gegen biedere Red Devils noch einmal eng. Weil Thomas Tuchels Team in einer wichtigen Zone partout keine Herrschaft erlangt.
Müller: "Haben uns von der Trägheit anstecken lassen"
Quelle: SID
Wäre der FC Bayern ein Autor für Ratgeber-Bücher, würde er aktuell an einem ganz besonderen Werk arbeiten. Der Titel: "Wie mache ich mir das Leben selbst schwer?"
Bereits am vergangenen Freitag hatten die Münchner mit dem 2:2 in der Nachspielzeit gegen Bayer Leverkusen ein eindrucksvolles Kapitel hinzugefügt, fünf Tage später, im Duell mit Manchester United, wurde eine weitere Passage geschrieben. Obwohl der deutsche Rekordmeister gegen sein englisches Pendant alles im Griff hatte, ließ er sich hintenraus auf ein chaotisches Spielchen ein.
Mit einer komfortablen 3:1-Führung im Rücken gaben sich die Hausherren zunächst gastfreundlich, indem sie Casemiro zum Anschluss verhalfen (88.). Nach Mathys Tels vermeintlicher Entscheidung in der Nachspielzeit (90.+2) durften die Gäste - erneut in Person von Casemiro - ein weiteres Mal für Spannung sorgen (90.+5).
Zwar blieb den Bayern diesmal ein ähnliches Schicksal wie am Freitag erspart, vollumfänglich souverän las sich der 4:3-Sieg über ein derzeit kriselndes ManUnited am Ende aber dennoch nicht. Unnötigerweise. In der Offensive, das lassen die vier erzielten Tore vermuten, gab es letztlich nicht allzu viel auszusetzen. Ein bisschen mehr Effizienz hätte zugegebenermaßen früher für mehr Ruhe gesorgt. United-Torwart André Onana sowie doppeltes Aluminium-Pech (Leroy Sané, 56. / Thomas Müller, 90.+2) verhinderten aber eine womöglich vorzeitige Abwicklung.
Anarchie im Bayern-Strafraum
Womöglich, weil es den Bayern seit geraumer Zeit nicht gelingen mag, einen Vorsprung Bayern-like über die Zeit zu bringen.
Im modernen Fußball beginnt die erste Verteidigungslinie bekanntlich schon in der eigenen Sturmreihe, auch gelernte Angreifer sind demnach gegen den Ball Abwehrspieler. Im Falle der späten FCB-Schwimmeinlage gegen United durfte aber explizit die nominelle Hintermannschaft als Achillesferse ausgemacht werden.
Dass die von den Sex Pistols besungene "Anarchy in the UK" sich an diesem Mittwochabend nicht im Vereinigten Königreich, sondern im Bayern-Strafraum Bahn brach, war nämlich allen voran der fehlenden Konsequenz im eigenen Sechzehner geschuldet.
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Rasmus Hojlund stand vor dem 2:1 sträflich frei
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So ließ Minjae Kim beispielsweise Torschütze Rasmus Hojlund vor dem 2:1 zu viel Platz, Dayot Upamecano seinen Gegenspieler Casemiro beim 3:2 gewähren, im Vorfeld des 4:3 verloren alle gemeinsam den Brasilianer aus den Augen.
Kurz gesagt: Im Bayern-Strafraum war mal wieder der Teufel, in dem Fall der Red Devil los. Satte acht Abschlüsse durften die Gäste innerhalb der Box abgeben. Herrschaftslosigkeit in einer Zone, die eigentlich Hoheitsgebiet sein sollte.
Ulreich: "Zwei späten Gegentore verdient"
"Wir sind mit einem Sicherheitsabstand rangegangen und haben so verteidigt, dass wir uns die zwei späten Gegentore verdient haben", monierte Torhüter Sven Ulreich, der zu Beginn der Partie mit einer starken Parade gegen Christian Eriksen (4.) das Chaos noch geordnet hatte, später aber auch nicht immer sattelfest wirkte.
Grundsätzlich habe die Defensive laut Ulreich unter Thomas Tuchel "einen Schritt nach vorne gemacht". Der Vertreter von Manuel Neuer gab aber auch zu bedenken, dass noch reichlich Luft nach oben ist: "Wir müssen in unseren Abwehraktionen noch konsequenter werden. Das ist manchmal noch zu nachlässig. Es darf nicht sein, dass die Gegner so einfach in unseren Strafraum kommen."
Bezüglich möglicher Lösungsansätze blieb Ulreich allerdings vage: "Wir arbeiten daran, wir müssen daran arbeiten und weitere Schritte gehen." Nicht sonderlich erhellend - und ein Stück weit das Zeichen zunehmender Ratlosigkeit.
Upamecano gab sich in der Mixed-Zone zwar selbstkritisch, ging in puncto Problembewältigung aber ebenfalls nicht ins Detail. "Wir haben heute drei Gegentore bekommen. Für uns als Verteidiger ist das nicht gut, damit können wir nicht zufrieden sein", sagte der Franzose: "Aber wir müssen arbeiten, am Samstag steht schon das nächste Spiel an das wir gewinnen wollen."
Der ständige Kontrollverlust
Arbeiten, um das zu vermeiden, was in den Katakomben der Allianz Arena mittlerweile zum geflügelten Wort geworden ist: "Kontrollverlust".
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Chaos im Strafraum des FC Bayern
Fotocredit: Getty Images
"Wenn ich das so leicht beantworten könnte ...", grübelte Konrad Laimer bei "DAZN" auf die Nachfrage, warum den Bayern regelmäßig Spiele aus den Fingern gleiten. Er schob nach: "Wir wissen, dass wir ab und zu diese Harakiri-Pässe spielen und zu leichte Ballverluste haben. Das ist nicht notwendig. Dadurch wird der Gegner wieder stark."
Der Österreicher ist neu in der bayrischen Landeshauptstadt, das Phänomen, trotz enormer Dominanz die Zügel schleifen zu lassen, ist in München hingegen mittlerweile altbekannt. Schon in der vergangenen Saison gab es immer wieder derartige Phasen. Immerhin hatte Tuchel trotz aller Alarmzeichen im Vergleich zur Spielzeit 2022/23 eine entscheidende Verbesserung ausgemacht.
Tuchel sieht Fortschritte
"Es ist ein Unterschied zur vergangenen Saison. Wir hatten auch in dieser Saison schon Momente wie zuletzt gegen Leverkusen oder generell in der Bundesliga, die nicht so gut sind. Aber wir fallen nicht zusammen oder geben ganze Spiele aus der Hand, die wir dann verlieren", sagte er bei "DAZN".
Er ergänzte: "Die Reaktionen waren heute sehr gut. Plötzlich stand es 2:1 und 3:2 - da jedes Mal ein Tor nachzulegen, war sehr wichtig."
Am Ende gab seiner Mannschaft der Ausbau einer grotesk anmutenden Statistik recht: Die Bayern sind mittlerweile 35 Gruppenspiele auf europäischem Parkett ungeschlagen, die vergangenen 14 Gruppenspiele wurden allesamt siegreich gestaltet. Gegen Manchester wäre zumindest diese Serie um ein Haar gerissen. Weil die Münchner aktuell meisterlich darin sind, sich selbst das Leben schwer zu machen.
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Tel vor Durchbruch bei Bayern - Sonderlob von Tuchel
Quelle: SID
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