Real Madrid - FC Bayern - Wie soll der Mia-san-Egal-FCB im Champions-League-Halbfinale bestehen? Ein Kommentar
Update 06/05/2024 um 15:16 GMT+2 Uhr
Der FC Bayern München hat am Wochenende nicht nur die Generalprobe in Stuttgart für das Halbfinal-Rückspiel in der Champions League bei Real Madrid in den Sand gesetzt, sondern auch nach der Partie verwundert. Es fielen merkwürdige Sätze, Trainer Thomas Tuchel erließ sogar eine Art Denkverbot. Das wirft ein schlechtes Licht auf Deutschlands größten Klub. Ein Kommentar von Thilo Komma-Pöllath.
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Quelle: Perform
Liebe FußballfreundInnen,
es gibt ja so Tage, da hat man keinen Bock, auf nix, da ist einem alles egal. Scheißegal sogar. Also früher gab es auch bei mir solche Tage, da war ich noch jung, die Freundin nervte, auf Durchzug gestellt. Boah, ey!
Heute kann man nicht selten den Eindruck bekommen, eine ganze Gesellschaft macht auf Durchzug. Vielleicht ist damit zu erklären, was der Fußballklub Bayern München am Wochenende aufführte, die Fans sich seitdem verwundert Augen und Ohren reiben.
Hat man so noch nicht gesehen vom Rekordmeister, Welturaufführung quasi. Die Bayern hatten keinen Bock.
Dabei war Samstagnachmittag, also ein ganz gewöhnlicher Bundesliga-Spieltag, sogar Spitzenspiel in Stuttgart. Schon klar, klingt anstrengend. Stuttgart, Tabellendritter, spielt man heute nicht mehr aus der Hüfte einfach so her.
Da müssen elf Mann wollen, oder 14, eine ganze Mannschaft eben. Wenigstens kämpfen, so tun als ob, wir haben alles gegeben, der Satz müsste danach doch mindestens fallen. Sie haben das Spiel ja gesehen und danach gehört, was die Verantwortlichen nach dem 1:3 gesagt haben. Von Mia san Mia zu Mia san Scheißegal innerhalb von 32 Spieltagen - das hat es so beim FCB noch nicht gegeben.
Bayerischer Fall von Arroganz
Erinnern wir uns an Ex-Bayern-Coach Pep Guardiola, der selbst dann noch jedes Spiel zweistellig gewinnen wollte, als zu Ostern das Titelrennen längst entschieden war. Oder Leverkusen am Sonntag in Frankfurt, Meisterschaft ist ja schon unter Dach und Fach und statt Schonwaschgang, weil es um nichts mehr geht, diese 5:1-Galavorstellung.
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Bayern-Stürmer Eric Maxim Choupo-Moting (li.) und Harry Kane (re.)
Fotocredit: Getty Images
Er erlaube keinem Spieler mehr im Bus auf der Heimfahrt über das Spiel nachzudenken, erklärte Trainer Thomas Tuchel hinterher. Vielleicht hätte er seinen Profis raten sollen, wenigstens vorher mal über die Partie nachdenken zu sollen. Aber warum eigentlich? Denken ist so wahnsinnig anstrengend, das lassen wir mal lieber.
Tuchel, Eberl - der Schmarrn der Bosse
Und überhaupt: Wer gehört gleich nochmal zu den größten Denkern der Münchner? Richtig, Thomas Müller. Von Müller ist erst gar kein Gedanke zum Spiel überliefert. Ganz im Sinne auch des neuen Sport-Vorstandes Max Eberl, der sich froh darüber zeigte, dass das Match schnell abgehakt sei und "der ganze Fokus" jetzt auf die Begegnung am Mittwoch in Madrid gehe. Dass der Kampf um den zweiten Tabellenplatz nun wieder offen ist, interessiert die Bayern nicht. Zweiter oder Dritter? Wurscht!
Unter unserer Würde! Der nächste Arroganzanfall: Selbst in der größten Klubkrise seit über zehn Jahren benehmen sich die Bayern wie Yuppiesöhnchen auf Klassenausfahrt im 911er.
Bayern: Einfach nur den Kippschalter drücken?
"Der ganze Fokus" also auf das Rückspiel im Champions-League-Halbfinale am Mittwoch gegen Real (ab 21:00 Uhr im Liveticker). Das wird interessant zu beobachten sein, bei so viel Gedankenlosigkeit drei Tage zuvor. Wie geht das eigentlich, mechanisch?
Drückt man dann am Mittwoch kurz vor neun Uhr abends einfach den Kippschalter nach oben, unter dem in Versalien geschrieben steht: "GEDANKEN". Und alles ist wieder da als wäre es nie weggewesen: Fokus, Leistungsbereitschaft, Wille, die 105 %, die die Bayern irgendwann mal ausgezeichnet haben?
Bayern haben keinen Titel verdient
Übrigens: Real Madrid hat sich am Wochenende nicht geschont, die sind just am gleichen Samstag spanischer Meister geworden. Von Fokus hat da niemand gesprochen, obwohl natürlich auch für die Königlichen das Spiel am Mittwoch viel wichtiger wird als das 3:0 gegen Abstiegskandidat Cádiz.
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Quelle: Perform
So gehen Toni Kroos & Co. jetzt mit dem nächsten Titel im Rücken in den Showdown gegen die Bayern. Und wenn man genau darüber nachdenkt, also mit ganzem Fokus, dann fallen einem genug Argumente dafür ein, warum diese gedankenlosen Bayern es nicht anders verdient haben, als in diesem Jahr titellos zu bleiben.
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ZUR PERSON: THILO KOMMA-PÖLLATH
Der Sportjournalist und Buchautor ("Die Akte Hoeneß") beleuchtet in seinem wöchentlichen Blog als LIGAstheniker das Geschehen in der Fußball-Bundesliga für Eurosport.de. Oft skeptisch, ironisch, kritisch - aber einer muss schließlich den Ball flach halten.
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