Drei Dinge, die bei VfB Stuttgart gegen FC Bayern auffielen: Hoeneß ist einer, den die Münchner gut gebrauchen könnten

Der VfB Stuttgart hat sich für das 0:3 aus dem Hinspiel revanchiert und den FC Bayern München vor heimischer Kulisse 3:1 geschlagen. Mit der Qualifikation für die Champions League hat sich Trainer Sebastian Hoeneß, der für die emotionalste Szene des Nachmittags sorgte, ein Denkmal gebaut. Währenddessen waren Bayern und Thomas Tuchel mit dem Kopf bereits bei Real Madrid. Drei Dinge, die auffielen.

Hoeneß klettert in die Kurve: "Kam nicht mehr raus aus der Nummer"

Quelle: Perform

"Nach all der Sch... geht's auf die Reise!“, prangte nach Abpfiff auf den rot-weißen Shirts der Stuttgart-Profis.
Was bereits seit dem Sieg von Borussia Dortmund am vergangenen Mittwoch gegen PSG feststand, konnte jetzt auch offiziell auf dem Rasen gefeiert werden: Der VfB wird in der kommenden Saison in der Champions League spielen.
Zum ersten Mal seit 2010. Nur ein Jahr, nachdem sich die Schwaben mit Ach und Krach über die Relegation in der Bundesliga gehalten hatten.
"Ich möchte mich im Namen der Mannschaft bedanken für das, was wir erleben durften in dieser Saison, das ist unbeschreiblich", sagte Trainer Sebastian Hoeneß.
Dass man sich diesen Erfolg am Samstagnachmittag mit einem 3:1-Heimsieg gegen den FC Bayern, dem ersten gegen den Rekordmeister seit 17 Jahren, vergolden konnte, machte den Moment noch süßer.
Drei Dinge, die uns bei Stuttgart gegen Bayern auffielen.

1.) Dieser Hoeneß würde auch Bayern gut stehen

Die emotionalste Szene des Nachmittags ereignete sich nicht während der 90 Minuten auf dem Platz, sondern kurz danach.
Vom späten Sieg gegen die Bayern völlig euphorisiert, stürmte VfB-Coach Hoeneß mit Mikro in der Hand auf den Zaun vor der Cannstatter Kurve und wurde von den Fans frenetisch gefeiert.
Wenige Minuten zuvor hatte er mit den Einwechslungen der Siegtorschützen Woo-yeong Jeong (83.) und Silas Katompa Mvumpa (90.+3) ein goldenes Händchen bewiesen.
Auf dem Zaun folgte Hoeneß einem Impuls. "Ich weiß gar nicht genau, was ich tun soll", gab er zu, ließ dann aber sein Herz sprechen: "Ich möchte gar nicht so lange hier oben bleiben, denn der wirkliche Applaus gebührt den Jungs da unten, die sind so überragend."
Die standen vor dem Zaun und genossen die Worte des Trainers, der einmal mehr bewies, dass er nicht nur sportlich, sondern auch menschlich sein Fach versteht. "Er holt alles aus uns heraus und nimmt alle Spieler so, wie sie sind", schwärmte Mittelfeldspieler Angelo Stiller bei "Sky" vom Erfolgsgaranten an der Stuttgarter Seitenlinie. Die Spieler würden nicht nur für sich, sondern auch für das Trainerteam "alles geben".
"Sky"-Experte Dietmar Hamann ging sogar noch einen Schritt weiter. "Vom Typ ist das einer, den die Bayern gut brauchen könnten", meinte der 50-Jährige im Hinblick auf die Trainersuche des Deutschen Rekordmeisters, die mittlerweile zur Farce verkommt: "Sie brauchen einen Menschen, der auf die Spieler zugeht. Der sie behandelt wie ein Familienvater seine Söhne."
Den Bayern hatte nach Xabi Alonso und Julian Nagelsmann jüngst auch Ralf Rangnick als Coach für die kommende Saison abgesagt.
Die Option Hoeneß dürfte jedoch spätestens seit dessen Vertragsverlängerung mit Stuttgart im März vorerst vom Tisch sein.

2.) Bayern setzt die Scheuklappen auf: Ein Spiel zum Abhaken

Bereits vor Anpfiff war klar: Der Fokus des FC Bayern liegt nicht mehr auf der Bundesliga, alles wird dem entscheidenden Halbfinal-Rückspiel in der Champions League bei Real Madrid (Mittwoch ab 21:00 Uhr im Liveticker) untergeordnet.
Und genau so präsentierten sich die Münchner zu Beginn auch. Das 1:1 zur Halbzeit war mehr als schmeichelhaft. 13:5 Schüsse und 38:13 Pässe ins Angriffsdrittel standen nach 45 Minuten zu Buche. Stuttgart dominierte die Partie nach Belieben. Dass ein fragwürdiger Elfmeter zum zwischenzeitlichen Ausgleich durch Harry Kane (37.) führte, passte ins Bild. Waldemar Anton hatte Serge Gnabry leicht mit der Hand im Gesicht erwischt. "Nie im Leben ein Elfmeter", schimpfte der vermeintliche Übeltäter.
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Serge Gnabry (r.) holt in Stuttgart einen Elfmeter raus

Fotocredit: Getty Images

Auch wenn sich Bayern nach der Pause steigerten und in Person von Eric Maxim Choupo-Moting (48.) und Kane (69./78.) sogar gute Konter-Chancen zur Führung hatte, war der späte Stuttgarter Sieg verdient.
Der VfB rückte damit zwei Spieltage vor Schluss noch einmal bis auf zwei Punkte an den FCB heran, der Kampf um die Vizemeisterschaft ist plötzlich wieder offen.
Dennoch nahm der Rekordmeister die Geschehnisse in der MHP Arena ziemlich gelassen hin.
"Ganz ehrlich: Wenn es ein Spiel gab, das ich so schnell wie möglich abhake, dann dieses", meinte Bayern-Coach Thomas Tuchel achselzuckend bei "Sat. 1". Die Scheuklappen waren da bereits wieder aufgesetzt. "Ich verschwende nach den Interviews keine Minute mehr an dieses Spiel", so Tuchel.

3. Tuchels Sorgenfalten vor Real werden größer

Dass Tuchels Gedanken bereits um Real Madrid kreisten, war auch am Personal klar erkennbar.
Der 50-Jährige baute seine Startelf im Vergleich zum Halbfinal-Hinspiel auf insgesamt sechs Positionen um, Jamal Musiala stand nicht einmal im Kader.
Eine Vorsichtsmaßnahme, die Tuchel jedoch nicht vor neuen personellen Sorgenfalten bewahrte. Pechvogel Raphaël Guerreiro musste bereits in der 17. Minute runter. Offenbar wieder eine Muskelverletzung, seine vierte seit Sommer 2023 im Bayern-Trikot.
"Dem geht's gar nicht gut, er läuft auf Krücken rum und fällt wahrscheinlich aus", bestätigte Tuchel die Befürchtungen. Nicht nur für Guerreiro persönlich ein bitterer Rückschlag. Der Portugiese hatte beim 2:2 gegen Real zwar nicht in der Startelf gestanden, war aber zur Halbzeit für Leon Goretzka eingewechselt worden und hatte das Spiel sichtlich belebt.
"Es ist wie verhext", meinte Tuchel geknickt angesichts der anhaltenden Verletzungsmisere, "das ist bitter, bitter, bitter für uns. Wir haben mittlerweile mehr Mediziner-Sitzungen, das zieht sich wie ein roter Faden durch die Saison."
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Tuchel klagt über Bayerns Verletzungsmisere: "Mit Krücken raus"

Quelle: Perform

Doch damit nicht genug. Auch Abwehrchef Eric Dier blieb zur Pause in der Kabine. Der Engländer war in der 13. Minute mit Serhou Guirassy zusammengerauscht, wurde minutenlang an einer Platzwunde über dem Auge behandelt. Getackert ging es zunächst weiter. In der 28. Minute musste dann jedoch der Turban her, weil Dier bei einer sensationellen Rettungstat mit dem Kopf ebenjene Wunde wieder aufriss. "Er hatte auch ein bisschen ein Ziehen im Oberschenkel. Da wollten wir kein Risiko eingehen", erklärte Tuchel die Auswechslung zur Halbzeit.
Immerhin: Matthijs de Ligt soll laut Tuchel nach seiner Innenbandverletzung am Sonntag wieder mit der Mannschaft trainieren. "Dann werden wir sehen, wie die Reaktion ist."
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Vorsicht, FC Bayern: Bellingham wieder komplett fit

Quelle: Perform


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