FC Bayern München nach Frankfurt-Debakel bei Manchester United zu Gast - Charaktertest im Theater der Träume

Eigentlich bedeutungslos, wird der Trip zu Manchester United für den angeschlagenen FC Bayern München plötzlich wichtig. Thomas Tuchel nimmt seine Stars nach der peinlichen 1:5-Pleite gegen Eintracht Frankfurt in der Bundesliga in die Pflicht. Auch Thomas Müller fordert eine Reaktion von der Mannschaft. Gleichzeitig muss aber auch Manchester eine bittere Niederlage verarbeiten.

Kingsley Coman

Fotocredit: Getty Images

Vor dem Charaktertest im "Theater der Träume" sprach Thomas Müller mahnend eine Warnung aus. "Am Fall ManUnited sieht man", betonte der Routinier, "wie schwierig es im Profisport ist, dauerhaft an der Spitze zu stehen und Erfolge quasi zu garantieren."
Auch der großes FC Bayern, sollte das heißen, dürfe sich nie zu sicher fühlen - erst recht nicht nach einem Debakel wie jenem am vergangenen Samstag in Frankfurt.
Mit Mahner Müller an der Spitze stieg am Montagmittag eine verunsicherte Münchner Delegation in den rot und weiß gestreiften Charter-Flieger DE9150 auf die Insel.
Dort steht am Dienstag (21:00 Uhr im Liveticker) das aus Sicht des deutschen Rekordmeisters sportlich eigentlich bedeutungslose letzte Gruppenspiel in der Champions League an - doch dem Duell mit dem tief gefallenen Manchester United kommt plötzlich große Bedeutung zu.

Tuchel fordert Reaktion

"Old Trafford. Da brauchen wir eine Reaktion", sagte Thomas Tuchel nach der Blamage bei der Eintracht (1:5), die den FC Ruhmreich in seinen Grundfesten erschütterte.
Sportdirektor Christoph Freund ergänzte direkt vor dem leicht verspäteten Abflug: "Wir reisen mit dem Gefühl nach Manchester, dass wir etwas gutzumachen haben."
Die Bayern, warnte das britische Boulevardblatt "Sun", kämen als "wounded animal", also verwundetes Tier, nach Manchester.
Die Frage aber ist: Sind sie dadurch wirklich gefährlicher und werfen, wie von Müller gefordert, den "Wutmotor" an? Oder hat das Desaster vom Main bleibende Spuren hinterlassen?

Müller kündigt "saubere Leistung" an

"Ich habe Vertrauen in meine Mannschaft", sagte Trainer Tuchel und ergänzte beschwörend: "Es bringt nichts, jetzt alles schlechtzureden."
Müller versprach in seinem persönlichen Newsletter: "Wir werden das Champions-League-Jahr mit einer sauberen Leistung abschließen. Die Heldentaten finden dann im Frühjahr statt."
Der große Traum vom Finale am 1. Juni im Londoner Wembley-Stadion ist in dieser Form jedoch Utopie.
Müller tut gut daran, die Bayern auf "ein ganz besonderes Auswärtsspiel" einzuschwören. Im Old Trafford "heißt es", schrieb er, "aufs Neue an seine Grenzen zu gehen und eine klasse Leistung abzurufen". Und das "Einstellungsthema" (Sportdirektor Christoph Freund) mit dem zweiten Sieg bei United seit April 2001 (1:0) schnell wieder abzuhaken.

Kaum Änderung zu erwarten

Die Bayern sind als Gruppensieger längst für das Achtelfinale qualifiziert, Tuchel aber dürfte die Stars an der Ehre packen - auch, weil Manchester noch ums Weiterkommen ringt. Viele personelle Veränderungen sind nicht zu erwarten.
Jamal Musiala dürfte in die Startelf rücken, Konrad Laimer und Raphael Guerreiro drängen für die wackligen Außenverteidiger Noussair Mazraoui und Alphonso Davies ins Team.
Für das fehleranfällige Innen-Duo Dayot Upamecano und Min-Jae Kim gibt es keine echten Alternativen.
Um die Münchner Sorgen richtig einzuordnen, lohnt allerdings ein zweiter Blick auf den Gegner.

United in der Krise

"Für mich", sagte "Fußball-Romantiker" Müller über die bayerische Nemesis aus dem legendären Finale von 1999 (1:2), "haben sie schon immer zu den ganz großen Klubs in Europa gehört. Aber seit geraumer Zeit laufen sie diesem Anspruch nur hinterher."
Das ernüchternde 0:3 von ManUnited am Samstag gegen AFC Bournemouth war schon die elfte Niederlage bei 23 Saisonspielen, zum neunten Mal kassierten die Red Devils mindestens drei Gegentore.
In der Liga treffen sie mit nur 7,4 Prozent ihrer Schüsse ins Tor - Negativrekord. United, schrieben die "Manchester Evening News", sei "seine eigene Parodie".
Teammanager Erik ten Hag, der einst die Münchner Reserve trainierte, ist gewarnt. "Wir wissen, was auf uns zukommt", sagte er und forderte: "Wir müssen uns als Gruppe verbessern, härter sein, bereit sein." Das gilt auch für Tuchels Bayern.

Die voraussichtlichen Mannschaftsaufstellungen:

Manchester: Onana - Wan-Bissaka, Maguire, Varane, Shaw - Mainoo, McTominay - Antony, Fernandes, Rashford - Höjlund
München: Neuer - Laimer, Upamecano, Kim, Davies - Kimmich, Goretzka - Coman, Musiala, Sane - Kane
Schiedsrichter: Espen Eskas (Norwegen)
(SID)
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