Borussia Dortmund: Verharren statt Entlassen - Warum Trainer Nuri Sahin beim BVB noch nicht Geschichte ist

Die Situation bei Borussia Dortmund ist angespannt. Sportlich legen die Westfalen aktuell eine Talfahrt hin, in der Führungsriege gibt es wohl Uneinigkeiten ob der Zukunft von Nuri Sahin als BVB-Trainer. Obwohl der 36-Jährige womöglich vor seinem Endspiel steht, hat der Dortmunder Coach noch Chancen auf einen Verbleib beim Champions-League-Finalisten von 2024. Mehrere Faktoren kommen ihm zugute.

Sahin über Krise: "Mit mir persönlich macht es natürlich was"

Quelle: Perform

"Ich möchte Euch um einige Sachen bitten, die es im Fußball eigentlich nicht gibt. Zeit, Geduld, und 'Trust the Process‘."
Mit diesen Worten richtete sich Nuri Sahin vor Saisonbeginn im Signal Iduna Park an die Fans von Borussia Dortmund. Nur fünf Monate später könnte die Situation für den BVB-Coach kaum komplizierter sein.
Laut "Sky" steht Sahin am Dienstagabend beim Spiel gegen den FC Bologna (21:00 Uhr im Liveticker) zum womöglich letzten Mal als BVB-Trainer an der Seitenlinie. Auch Geschäftsführer Sport Lars Ricken erhöhte in den vergangenen Tagen öffentlich den Druck auf den Jungtrainer.
Und dennoch: Ein Endspiel muss nicht immer das Ende bedeuten. Gewinnt Sahin in der Emilia-Romagna, könnte das Spiel auch eine Art Wendepunkt für die Borussia markieren.

Sahin: Uneinigkeit in der Führungsetage

Stand jetzt hängt die Personalie Sahin beim BVB am seidenen Faden. "Ich spüre keinen Druck", sagte Sahin am Montagabend auf der Pressekonferenz in Bologna. Die Krise mache "ein bisschen was" mit ihm, gab er zu, "aber ich lege mich nicht in die Ecke." Von seinen Spielern fühle er sich "nicht im Stich gelassen", betonte Sahin, "dafür bin ich viel zu viel Mensch."
"Wir gewinnen die Spiele nicht", sagte Kapitän Emre Can in einer perfekten Kurzanalyse, "eine Top-Mannschaft macht das aber."
Auch deshalb stellt sich Fußball-Deutschland derzeit die Frage, warum Sahin trotz dreier empfindlicher Bundesliga-Niederlagen in Serie und eines alarmierenden zehnten Tabellenplatzes nach 18 Spieltagen (sieben Punkte Rückstand auf Rang 4) noch immer an der Seitenlinie stehen darf und die Bosse nicht längst die Notbremse gezogen haben. Drei Faktoren spielen dem gebürtigen Lüdenscheider zumindest bislang in die Karten.
Da wäre zum einen die Uneinigkeit in der Chefetage. Einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" zufolge wollen Hans-Joachim Watzke und Lars Ricken das Projekt Sahin noch nicht aufgeben, während Berater Matthias Sammer und Kaderplaner Sven Mislintat für eine Entlassung des Trainers und auch Sportdirektor Sebastian Kehl seien.

BVB in der Krise: Alarmierend aber nicht aussichtslos

Zum anderen wäre da das rein Sportliche. Ohne Zweifel ist Platz zehn und der große Rückstand auf das Minimalziel Champions-League-Qualifikation schlicht ungenügend. Der BVB muss in die Königsklasse - das ist seit Jahren nicht diskutierbar.
Warum also zögern die Verantwortlichen trotz des drohenden Verlusts von mindestens 50 Millionen Euro Antrittsgeld in der Champions League also noch in Sachen Sahin-Rauswurf?
Bei den Bossen sieht man eine Aufholjagd auf Platz vier noch nicht gänzlich außer Reichweite.
picture

Nuri Sahin ist beim BVB in die Kritik geraten

Fotocredit: Getty Images

Zudem kann der BVB dank der Teilnahme an der Klub-Weltmeisterschaft im kommenden Sommer mit weiteren gesicherten Einnahmen rechnen, mit der ein Verpassen der Champions League zumindest teilweise abgefedert werden könnte.
Auch hat man mit den zahlreichen Trainer-Entlassungen in der Vergangenheit nicht immer nur gute Erfahrungen gemacht. In den vergangenen zehn Jahren, seit dem Abschied von Jürgen Klopp im Jahr 2015, standen beim BVB Thomas Tuchel, Peter Bosz, Peter Stöger, Lucien Favre, zweimal Edin Terzic, Marco Rose und eben nun Sahin an der Seitenlinie.
Die Probleme, mit denen der Traditionsklub aus dem Ruhrpott seit geraumer Zeit kämpft, sind stets geblieben.

CL als Retter für Sahin?

Immerhin: In der Champions League steht man nach sechs von acht Spieltagen auf Rang neun und hätte mit zwei Siegen - es wartet neben Bologna mit Schachtar Donezk ein weiterer machbarer Gegner - gute Chancen auf einen Platz unter den besten Acht und die daraus resultierende direkte Qualifikation für das Achtelfinale. "Die Sterne stehen hier besser für uns", sagte Sahin auf der Spieltags-PK.
Gelingt der Sprung in die Runde der letzten 16, kann sich Schwarzgelb über weitere Millionen freuen - und Sahin hätte ein weiteres Argument für seine Weiterbeschäftigung gesammelt. Viel wichtiger wird für den ehemaligen Mittelfeldstar jedoch sein, die Hausaufgaben in der Bundesliga zu machen.
picture

Nuri Sahin und der BVB stecken in der Krise

Fotocredit: SID

Mit Werder Bremen wartet am kommenden Spieltag zwar eine schwierige Aufgabe - alles andere als ein Heimsieg, am besten in überzeugender Manier, wäre aber zu wenig.
Fakt ist: Sahin ist angezählt und jeder weitere Tropfen ins randvolle Fass könnte selbiges zum Überlaufen bringen.

Sahin-Nachfolge unklar - Ten Hag wohl mit besten Chancen

Alleine die Tatsache, dass sowohl Mislintat als auch Sammer dem BVB-Coach nicht mehr voll vertrauen, stellt für Sahin kein unwesentliches Problem dar. "Sky" berichtete bereits, dass Erik ten Hag gegen Bayer Leverkusen vor Ort gewesen sein soll. Dortmunds Berater Sammer soll sich intern für den Niederländer starkmachen.
Der Ex-United-Trainer steht für offensiven Fußball, arbeitete in seiner Karriere erfolgreich mit jungen Spielern zusammen und konnte insbesondere bei Ajax Amsterdam mit einem klaren Spielkonzept punkten.
Ob der 54-Jährige nach seinem Scheitern beim englischen Rekordmeister die kriselnde Borussia wiederbeleben könnte, steht jedoch auf einem anderen Blatt. Nach Informationen der "Ruhr Nachrichten" hat der BVB kein Interesse am Niederländer, dessen Anwesenheit im Spiel gegen Meister Leverkusen andere Gründe gehabt habe. Mit Ex-Bayer-Coach Roger Schmidt habe es hingegen bereits Kontakt gegeben.
Es liegt ganz sicher auch an der Verfügbarkeit geeigneter Nachfolgekandidaten, dass Sahin noch Trainer seines Herzensvereins sein darf. Und wer weiß: vielleicht reißt er das Ruder ja sogar noch einmal herum.
So aussichtslos die BVB-Situation auch erscheint - zwei Siege, sowie die eine oder andere Verstärkung vor der Transfer-Deadline am 3. Februar könnten die aufgeheizte Stimmung rund um den Borsigplatz durchaus noch einmal abkühlen und dafür sorgen, dass Watzke und Ricken am Ende die Oberhand behalten.
picture

Ancelotti kontert Kritik an Real: "Sind Tabellenführer"

Quelle: Perform


Mehr als 3 Mio. Sportfans nutzen bereits die App
Bleiben Sie auf dem Laufenden mit den aktuellsten News und Live-Ergebnissen
Download
Diesen Artikel teilen
Werbung
Werbung