FC Bayern verliert 1:4 beim FC Barcelona: Münchner rennen naiv ins Verderben - Warnsignale für Trainer Vincent Kompany
VonThomas Gaber
Update 24/10/2024 um 22:01 GMT+2 Uhr
Nach drei Spielen steht der FC Bayern in der Champions League mit dem Rücken zur Wand. Dem 0:1 bei Aston Villa ließen die Münchner ein 1:4 in Barcelona folgen, das Erreichen der K.o.-Phase ist für den Moment in Gefahr. Trainer Vincent Kompany wich bei Barça nicht von seiner offensiven Spielweise ab - was der Gegner gnadenlos bestrafte. Sein Ansatz passt zu Bayern, doch es gibt erste Warnsignale.
Kompany ordnet Pleite gegen Barça ein: "Keine Ausrede suchen"
Quelle: Perform
Wenn zwei Topteams wie der FC Barcelona und der FC Bayern in der Champions League aufeinandertreffen, läuft die Anfangsphase eines Spiels meistens so ab: Ein bisschen beschnuppern und schauen, was der Gegner taktisch vorhat.
Nicht so am Mittwochabend im Stadion Lluís Companys. Barça und Bayern gingen vom Anpfiff weg "all in". Die beiden Abwehrketten begegneten sich quasi auf Augenhöhe in der Nähe der Mittellinie. Dazwischen wuselten die Offensivspieler auf engem Raum mit der Aussicht, den Ball jederzeit scharfmachen zu können.
Bei einer derart riskanten Ausrichtung sind Fehler tunlichst zu vermeiden, so ganz ohne Absicherung nach hinten. Es dauerte jedoch nur 50 Sekunden, ehe Raphinha freie Bahn hatte. Einen 40-Meter-Sprint schloss er mit dem Führungstor ab.
Die Bayern bekamen für ihre Naivität, was das Abwehrverhalten angeht, umgehend die Rechnung. Der Warnschuss änderte aber nichts an ihrer Herangehensweise. Beim Stand von 4:1 war die Partie bereits nach 56 Minuten entschieden.
Barcelona reagiert, Bayern nicht
Bei drei der vier Gegentore halfen die Münchner mit. Ob Joshua Kimmich, Min-Jae Kim, Raphael Guerreiro oder Dayot Upamecano - die individuelle Fehlerquote war hoch. Zu hoch für eine Barça-Mannschaft, die sich unter Hansi Flick im Flow befindet.
Flick hat seinen Spielern eine ähnlich riskante Spielweise übergestülpt wie Kompany bei Bayern. Das funktioniert bei beiden Teams in der Liga gut, weil schwächere Gegner qualitativ unterlegen sind und dem Druck nicht standhalten können.
Doch am Mittwoch gab es einen entscheidenden Unterschied. Während Barcelona peu à peu auf die Bayern reagierte und mehr Wert auf defensive Stabilität legte, hielten die Münchner stoisch an ihrem Plan fest.
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Barças Nadelstiche: Kimmich hadert mit Zeitpunkt der Gegentore
Quelle: Perform
Kimmich spricht von "Harakiri" - Eberl genervt
"Es war teilweise Harakiri, was wir gemacht haben", gab Kimmich bei "DAZN" zu. Schon Aston Villa und Eintracht Frankfurt (3:3) legten Bayerns Schwachstellen offen, mit Barcelona vollendete es nun ein Team mit aller Konsequenz.
"Barcelona war besser in den Zweikämpfen und im Positionsspiel. Sie standen auch in der Verteidigung besser und haben eiskalt ihre Chancen verwertet. Individuell war das bei den Bayern einfach zu wenig", analysierte "DAZN"-Experte Michael Ballack.
Kompany ist bislang von Kritik verschont geblieben. Es mieft nicht mehr in München, Spieler und Trainer können gut miteinander und Kompany bekommt die volle Rückendeckung der Bosse, wie Aufsichtsratsmitglied Karl-Heinz Rummenigge noch einmal verdeutlichte.
Auch Sportvorstand Max Eberl verteidigt Kompanys System vehement. Auf eine kritische Frage reagierte er in Barcelona ob der positiven Grundstimmung im Verein gereizt. "Mach' den Trainerschein, dann kannst du es besser machen", schnauzte Eberl einen Reporter an.
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Eberl maßregelt Reporter: "Mach den Trainerschein"
Quelle: SID
Dreesens Wink mit dem Zaunpfahl
Kompanys offensive Philosophie tut dem Verein gut, der Coach hat auch die passenden Spieler dafür. 38 Tore in elf Pflichtspielen sind herausragend und man sieht der Mannschaft an, dass sie wieder gierig nach Erfolg ist.
Doch das System kommt gegen starke Gegner an seine Grenzen. Jan-Christian Dreesen winkte auf seiner Bankettrede in Barcelona mit dem Zaunpfahl. "Ich bin sicher, Vincent und sein Team werden die richtigen Schlüsse ziehen", sagte der Vorstandsvorsitzende.
Die Bayern liefen gegen Barça mit Hurra ins Verderben. Fußball mit offenem Visier funktioniert auf höchstem internationalen Niveau auf Dauer nicht. Offensivspektakel kann nicht auf Kosten der Defensive bedingungslos durchgezogen werden.
Kompany ist nun angehalten, seinen Ansatz zu überdenken und Veränderungen vorzunehmen. Es bedarf einer deutlich verbesserten Balance zwischen Attacke und Absicherung. Ein "Safety first" kann gerade gegen große Gegner in der Königsklasse nicht schaden, bei aller offensiven Qualität, die die Bayern haben und auch weiter nutzen sollten.
Kompany in Burnley über eigene Sturheit gestolpert
Für Kompany ist diese Herausforderung in seiner noch jungen Trainerkarriere nicht neu. Auch in Burnley ließ er stürmen und führte den Klub in seiner ersten Saison in die Premier League.
Doch es ging direkt wieder runter, da sich der Belgier lange weigerte, eine Taktik hin zu mehr defensiver Beständigkeit zu adaptieren. In England wurde ihm seine Sturheit zum Verhängnis. Den gleichen Fehler sollte er in München vermeiden.
Der Auftritt Barcelona ist jedenfalls ein deutliches Warnsignal, dass der FC Bayern so - zumindest in der Champions League - nicht erfolgreich sein kann.
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"Wir mussten leiden": Flick sieht Überzeugung als Erfolgsfaktor
Quelle: Perform
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