Henrikh Mkhitaryan spielt mit Inter Mailand gegen PSG um die Krone der Champions League: Armenier kann Geschichte schreiben

Unterschätzt und belächelt - Henrikh Mkhitaryan musste in seiner 18 Jahre andauernden Profikarriere gegen zahlreiche Widerstände ankämpfen. Mit 36 steht der Armenier vor der Krönung: Am Samstag spielt Mkhitaryan mit Inter Mailand im Champions-League-Finale in München gegen Paris Saint-Germain um den Henkelpott und könnte seine ganz persönliche, bis dato unerreichte Geschichte schreiben.

Ciao, Nerazzurri! Inter in München angekommen

Quelle: Eurosport

Henrikh Mkhitaryan war am Boden zerstört. Eine Schnürsenkelbreite hinderte den Inter-Spieler am Siegtreffer im Hinspiel des Champions-League-Halbfinals beim FC Barcelona (3:3).
Der Armenier hatte in der 75. Minute zum vermeintlichen 4:3 für die Nerazzurri getroffen, doch der VAR kassierte das Tor wieder. Es dauerte eine halbe Ewigkeit, ehe die kalibrierte Linie richtig gezogen und Mkhitaryan des Abseits überführt wurde.
"Ich werde den Rest meines Lebens wohl daran denken. Eine Abseitsstellung um zwei oder drei Zentimeter ... Wir hätten im entscheidenden Moment in Führung gehen können. Das ist unglaublich bitter", sagte Mkhitaryan anschließend.
Zwei, drei Zentimeter waren noch großzügig ausgedrückt, der Screenshot vermittelte maximal zwei, drei Millimeter.

Henrikh Mkhitaryan: Die Lust am Quälen

Mkhitaryan hätte zum umjubelten Helden einer Inter-Mannschaft avancieren können, die dem übermächtig erscheinenden Barça einen legendären Fight bot.
Als zentral-defensiver Mittelfeldspieler im Dreieck mit Hakan Çalhanoğlu und Nicolò Barella ist Mkhitaryan per se nicht fürs Toreschießen zuständig. Seine Aufgabe besteht in erster Linie darin, die Gegenspieler in Zweikämpfe zu verwickeln, verbunden mit enormer Hingabe und der Lust, sich 90 Minuten lang zu quälen.
"Es gibt im europäischen Spitzenfußball kaum einen Spieler, der sich so in den Dienst der Mannschaft stellt wie Mkhitaryan", urteilte die "Gazzetta dello Sport" nach Teil eins des historischen Duells mit Barcelona.
Der Clou: Mkhitaryans aberkannter Treffer fiel nicht ins Gewicht, weil Inter im Rückspiel noch einen drauf- und sich 4:3 nach Verlängerung durchsetzte.
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Unerbittlicher Arbeiter: Henrikh Mkhitaryan (r.) im Duell mit Bayerns Josip Stanisic

Fotocredit: Getty Images

Mkhitaryan kann Historisches schaffen

Für die meisten Inter-Spieler könnte das Finale gegen PSG (Sa., 21:00 Uhr im Liveticker) die Karriere-Krönung werden. Kapitän Lautaro Martinez wurde 2022 mit Argentinien Weltmeister, der Rest wartet noch auf den ganz großen Coup.
2023 verloren die Nerazzurri im Endspiel der Königsklasse 0:1 gegen Manchester City - der zweite Schuss soll jetzt sitzen. "Man bekommt so eine Chance normalerweise nur einmal im Leben. Wir jetzt ein zweites Mal. Das muss einfach klappen", sagte Federico Dimarco.
Ein Teamkollege würde sich bei einem Sieg in den Geschichtsbüchern verewigen: Mkhitaryan wäre der erste Spieler, der Champions League, Europa League und Conference League gewinnt. 2017 holte er mit Manchester United den Titel in der Europa League, 2022 mit der AS Rom die Conference League.

Titelpech in Dortmund, Probleme mit Mourinho

Dabei war die Karriere des 36-Jährigen geprägt von Rückschlägen. 2013 zahlte Borussia Dortmund für Mkhitaryan 27,5 Millionen Euro an Shaktar Donezk - die bis dato höchste Ablösesumme in der Vereinshistorie.
Der Armenier wurde beim BVB jedoch nie glücklich, verlor drei DFB-Pokafinals in Folge und hatte bei den Fans einen schweren Stand. Nach seinem Wechsel 2016 zu Manchester United lief es nicht viel besser. Trainer Jose Mourinho ließ Mkhitaryan aus sportlichen Gründen bisweilen wochenlang auf der Tribüne schmoren.
Auch die "Flucht" nach London zum FC Arsenal zwei Jahre später war nicht von nachhaltigem Erfolg gekrönt. Erst in Italien fand Mkhitaryan sein Glück. In Rom war er endlich wieder Stammspieler und sammelte in der Saison 2020/21 in 34 Serie-A-Spielen 24 Scorerpunkte.
"Ich halte Henrikh für den unterschätztesten Spieler in Europa. Er wird oft belächelt, musst aber nicht immer die Sterne vom Himmel spielen, um für uns wichtig zu sein. Sein Wert für die Mannschaft ist unschätzbar", sagte sein damaliger Coach Paulo Fonseca.

Bayern, Barcelona, Paris - je härter, desto besser für Inter

Nach guten Jahren in Rom schloss sich Mkhitaryan 2022 Inter Mailand an und drehte fortan die Zeit zurück. Im System von Trainer Simone Inzaghi mit einem Fünfer-Mittelfeld und zwei echten Spitzen hat sich Mkhitaryan unverzichtbar gemacht. Bei Inter ist er mehr Arbeiter als Feingeist, verhindert eher Tore als welche zu schießen.
Der Weg ins Finale von München war ein steiniger, aber die Brust von Mkhitaryan und seinen Inter-Kollegen wurden mit jedem Spiel in der K.o.-Phase gegen den FC Bayern und Barça breiter.
"Je härter der Gegner, desto besser für uns", sagte Mkhitaryan im Gespräch mit "TNT Sports". "Das sind die Spiele, auf die man sich mental gut vorbereiten und das ganze Spiel über konzentriert sein muss. Das war gegen Bayern und Barcelona der Fall, und ich hoffe, dass das auch gegen PSG der Fall sein wird", ergänzte er.
Am Samstag könnte Mkhitaryan zur Legende aufsteigen.
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Traumhafte Entwicklung: Chelsea-Titel "kann Anfang sein"

Quelle: Eurosport


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