FC Bayern München rollt Joshua Kimmich den roten Teppich aus und will ihn zum Kapitän machen - doch der vergisst nicht

Joshua Kimmich hat großen Anteil daran, dass der FC Bayern in dieser Saison wieder zum FC Bayern geworden ist. Doch die Zukunft des Co-Kapitäns der Münchner ist nach wie vor ungeklärt. Sportvorstand Max Eberl treibt die angestrebte Vertragsverlängerung daher mit einer Charmeoffensive in mehreren Akten voran. Kimmich soll eine Klub-Legende werden - und die Zukunft der Bayern spricht für ein "Ja".

PSG-Coach Enrique: "Bayern hat verdient gewonnen"

Quelle: Perform

Hinten raus wurde es nochmal eng für den FC Bayern. Die Münchner mussten reihenweise Eckbälle und Flanken verteidigen, Paris Saint-Germain schickte zudem Torhüter Matvey Safonov als zwölften Feldspieler ins Getümmel.
Während der nervenaufreibenden letzten drei Minuten fingen die Fernsehkameras mehrfach Joshua Kimmich ein, der seine Bayern-Kollegen lautstark und gestenreich aufforderte, jetzt gefälligst den wichtigen Dreier über die Zeit zu retten.
Auf dem Platz ging Kimmich einmal mehr voran. Er ordnete das Bayernspiel als Chef im Mittelfeld und bestimmte den Rhythmus, spielte nach sechs Minuten den ersten genialen Pass auf Jamal Musiala und leitete Min-Jae Kims Tor (38.) mit seinem Eckball ein.
Im Anschluss an den 1:0-Sieg gegen PSG verschwand er dagegen ungewöhnlich schnell. Keine Interviews diesmal vom Co-Kapitän, Versuche der Reporter wurden mit einem Lächeln dankend abgelehnt.

Bayern-Gesicht, Kapitän, Legende: Eberls Charmeoffensive

Kimmich verließ die Allianz Arena schnellen Schrittes, war aber dennoch omnipräsent. Seine nach wie vor ungeklärte Zukunft wurde zum zentralen Gesprächsthema am Dienstagabend.
Als erstes war Max Eberl dran - und der Sportvorstand kam schnell auf den Punkt: "Joshua weiß, dass wir es wollen. Wir sind bereit, es final über den Tisch zu bringen, wenn er 'Ja' sagt. Er kann entscheiden: Möchte er ein großes Abenteuer erleben, was völlig legitim wäre, oder möchte er eine weitere Legende bei Bayern München werden."
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Zeigte gegen PSG eine starke Leistung: Joshua Kimmich (M.) im Duell mit Fabian Ruiz und Ousmane Démbélé

Fotocredit: Getty Images

Und Eberl legte nach: Kimmich soll neben Jamal Musiala "das künftige Gesicht des FC Bayern werden", wenn Thomas Müller und Manuel Neuer "ihre Karriere irgendwann beenden". Ein Faustpfand. Denn: "Mehr können wir ihm auch nicht anbieten. Aber er verdient sich das auch jeden Tag mit seinen Leistungen."
An anderer Stelle hatte Eberl Kimmich für den Fall einer Vertragsverlängerung bereits das Amt des Kapitäns als Neuer-Nachfolger in Aussicht gestellt, was er auch am Dienstagabend eine logische Konsequenz nannte.
Auch Ex-Bayern-Profi Stefan Effenberg sieht in Kimmich den kommenden Kapitän. "Sein Auftreten in Interviews zeigt, dass er dafür wie geschaffen wäre, ein würdiger Nachfolger zu sein. Wenn Neuer aufhört, sehe ich die Rolle bei Kimmich", sagte der dreimalige Deutsche Meister bei "Sport1".
Bayern-Gesicht, Kapitän, Legende - Eberl geht bei seiner Charmeoffensive in die Vollen. Er legt Kimmich den roten Teppich aus, der Spieler muss nur noch drüberlaufen. Aber will er das auch?

Wann ist der Kimmich endlich weg?

Schließlich klang das vor nicht allzu langer Zeit alles noch anders. Kimmich hat nicht vergessen, wie es um ihn und sein Standing in München Ende der letzten Saison und auch zu Beginn der laufenden Spielzeit bestellt war.
"Wir wissen alle, wie meine Situation vor acht bis zehn Wochen noch war", sagte er während der jüngsten Länderspielpause auf einem DFB-Pressetermin: "Da hatte man das Gefühl: Wann ist der Kimmich endlich weg? Jetzt sieht es wieder anders aus."
Doch Effenberg mahnte an: "Er sollte nicht vergessen, was er am FC Bayern hat. Das ist ein ganz entscheidender Punkt." Bayern habe ihn "wieder ins Mittelfeld versetzt, dorthin, wo er sich selbst auch sieht. Er ist dort wieder zu einem zentralen Spieler geworden, der die Mannschaft prägt."
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Bundesliga: Joshua Kimmich spielt seit 2015 für den FC Bayern München

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Von Ex-Trainer Thomas Tuchel war er noch aus dem Mittelfeld verbannt und auf die Rechtsverteidigerposition gezogen worden. Tuchel sprach Kimmich zudem öffentlich - wie allen anderen Spielern im Bayernkader - die Fähigkeit ab, eine "Holding Six" zu sein.
Ob Impf- oder Holding-Six-Debatte - Kimmich hatte in der Vergangenheit desöfteren fehlende Wertschätzung seitens der Bayern-Verantwortlichen beklagt.
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Kompany gibt zu: "Ich verstehe die Tabelle nicht"

Quelle: Perform

Eberl gibt Fehler zu - Kimmich lässt die Bayern zappeln

Eberl gab nun sogar Fehler im Umgang mit Kimmich zu. "Wir brauchen keinen Hehl draus machen, dass es eine Zeit gab, in der alle sich nicht ganz wohlgefühlt und sich nicht so verhalten haben, wie es sein muss. Das gebe ich ganz offen zu. Aber das ist vergessen", betonte er.
Kimmich habe gezeigt, "was für eine Qualität er hat. Er kommt wieder auf das Level, auf dem er mal war, als er einer der besten Mittelfeldspieler der Welt war."
Was natürlich auch andere Klubs wissen. Manchester City, Barcelona, Real Madrid - Kimmich wird mit den Allerbesten in Verbindung gebracht. Mit 29 ist er auf dem Peak seiner Leistungsfähigkeit, der folgende Vertrag wird vermutlich sein letzter ganz großer. Abenteurer oder Bayern-Legende - er entscheidet und lässt die Bayern-Bosse aktuell noch zappeln.

Neuer und Müller adeln Kimmich

Andererseits: Als vierfacher Familienvater schätzt er das Lebensgefühl in München. Mit Vincent Kompany hat er wieder einen Trainer, der ihm blind vertraut. Und die Bayern sind in der Post-Kahn-/Salihamidzic-/Nagelsmann-/Tuchel-Ära auf einem guten Weg, wieder die Bayern zu werden. Das alles spricht für einen Verbleib.
"Die Vergangenheit spielt schon eine Rolle bei meiner Entscheidung, aber noch viel mehr die Zukunft", sagte er kürzlich. Von seinen Kollegen bekommt er die volle Rückendeckung. "Ich würde mich freuen, wenn es weitergeht beim FC Bayern für den Jo. Ich glaube, dass es sehr gut 'matcht'. Für mich wäre das Formsache", sagte Neuer, der Kimmich als "logischen" Erben seiner Kapitänsrolle sieht.
Auch Müller hält Kimmich dafür perfekt geeignet: "Wenn du Josh anschaust, was er verkörpert, wie er die Spiele angeht, wie viel er selbst opfert und wie er vorweg geht, da ist er prädestiniert."
Eberl wäre indes sehr recht, wenn Kimmich in den nächsten fünf Wochen "Ja" sagen würde. Denn ab Januar darf der Spieler offiziell mit anderen Klubs verhandeln.
Gesicht, Kapitän und Legende in einem zu verlieren, ohne dafür eine Entschädigung zu bekommen, käme für den FC Bayern einem Desaster gleich.
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Müller blickt auf Klassiker: "BVB war mein größter Rivale"

Quelle: Perform


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