Leon Goretzka überzeugt beim FC Bayern München: Wie aus einem Aussortierten ein unverzichtbarer Spieler wurde

In der letztjährigen Sommerpause wurde Leon Goretzka von der sportlichen Leitung des FC Bayern nahegelegt, sich einen neuen Verein zu suchen. Der Mittelfeldmann spielte in den Planungen des neuen Trainers Vincent Kompany überhaupt keine Rolle. Doch Goretzka hat zum wiederholten Mal Widerstände in München überwunden - auch dank seiner im Profifußball außergewöhnlichen Herangehensweise.

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Quelle: Perform

Begleitet von einem lauten Jubelschrei schlug sich Leon Goretzka mehrfach mit der rechten Hand auf die linke Brusthälfte. Gerade hatte er den FC Bayern in Stuttgart mit 2:1 in Führung geschossen und den Münchnern damit den Weg geebnet zum wichtigen Auswärtsdreier.
Eine Szene mit Symbolcharakter. Dort, wo die Hand die Brust traf, ist das Wappen des FC Bayern auf dem Trikot angebracht. Allen Widerständen zum Trotz hat sich Goretzka in dieser Saison in München durchgeboxt - nicht zum ersten Mal.
Schon unter Julian Nagelsmann und Thomas Tuchel wurde der Mittelfeldspieler bisweilen aufs Abstellgleis gestellt, kämpfte sich aber jeweils zurück und kam auf jede Menge Spielzeit.
Die war für ihn in der laufenden Saison gar nicht mehr vorgesehen. Kaum hatte Vincent Kompany seinen Dienst in München angetreten, offenbarte er Goretzka, Feldspieler jenseits der Nummer 15 zu sein. Sportvorstand Max Eberl biss sich auf die Zunge, wenn er auf die Zukunft Goretzkas angesprochen wurde. Doch zwischen den Zeilen ließ sich die öffentliche Zurückhaltung entschlüsseln: Bayern wollte Goretzka loswerden.

15 Startelfeinsätze für den Aussortierten

Doch der Verein hatte die Rechnung ohne den Spieler gemacht. Goretzka ergriff nicht etwa die Flucht, sondern stürzte sich in die Arbeit. Das einzige, was in dieser Zeit von ihm zu hören war, war der Wunsch, in München zu bleiben.
In den ersten zehn Pflichtspielen pendelte Goretzka zwischen Bank und Tribüne und kam auf lediglich 22 Minuten Spielzeit. Doch sukzessive wurde daraus mehr. Zum einen, weil Goretzkas Mittelfeldkonkurrenten João Palhinha und Aleksandar Pavlovic mit Verletzungen zu kämpfen hatten, zum anderen, weil sich Goretzka auch in einer scheinbar ausweglosen Situation treu blieb: Statt zu jammern, hängte er sich im Training rein.
"Im Sommer war es eine schwierige Situation für Leon. Aber er hat immer weitergearbeitet und sich das jetzt auch verdient. Ihn einzusetzen, war keine schwierige, sondern eine logische Entscheidung", sagte Kompany Mitte November.
Seitdem stand Goretzka 15 Mal in der Startelf und war an sechs Toren beteiligt. Mittlerweile hat er sich festgespielt an der Seite von Joshua Kimmich und in dessen Abwesenheit in der zweiten Halbzeit gegen Frankfurt und in Stuttgart die Leaderrolle im Mittelfeld gewinnbringend eingenommen.
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Quelle: SID

Neuzugang Tom Bischof soll Goretzka-Rolle einnehmen

Auch in "unserem bislang wichtigsten Saisonspiel" (Kompany) im Achtelfinale der Champions League gegen Bayer Leverkusen (3:0) lieferte Goretzka ab.
Heimlich still und leise hat sich der 30-Jährige aktuell unverzichtbar gemacht für den FC Bayern. Rein sportlich verwundert es daher, dass der Name Leon Goretzka nicht auftaucht, wenn es um neue Verträge bei Bayern geht.
Sein Arbeitspapier läuft noch bis 2026, insofern ist auch keine Eile geboten. Aus dem Umfeld des Klubs ist aber zu hören, dass die Bayern (noch) kein Interesse an einer Verlängerung haben. Im Gegenteil: Nach derzeitigem Stand soll Goretzka im Sommer verkauft werden, um die kolportierten 17 Millionen Euro Gehalt einzusparen.
Zudem wurde mit Tom Bischof aus Hoffenheim ein hoch veranlagter 19-Jähriger für ab Juli 2025 verpflichtet, der langfristig eine tragende Rolle im zentralen Mittelfeld spielen soll.

Matthäus bricht Lanze für Goretzka

Doch die Zahl der Fürsprecher Goretzkas wächst stetig. Zuletzt machte sich Lothar Matthäus in der Sendung "Sky90" für ihn stark.
Betrachte man als Beispiel Goretzkas Leistung und Galligkeit in Stuttgart, "würde ich mir als Bayern München mal überlegen, ob ich Goretzka vielleicht auch verlängern würde", so Matthäus und ergänzte: "Er erlebt trotz all der Geschichten um ihn herum seinen zweiten Sommer. Eine Mannschaft braucht nicht nur Künstler wie Florian Wirtz und Jamal Musiala, sondern eben auch die, die da hinten aufräumen und Zweikämpfe gewinnen. Außerdem ist er ein Spieler, der auch einen gewissen Einfluss in der Kabine hat."
Zum wiederholten Mal ist es Goretzka gelungen, sich beim FC Bayern trotz für ihn ungünstiger Strömungen durchzusetzen. Jens Keller, der Trainer, der Goretzka einst auf Schalke zum Bundesligadebüt verhalf, nennt dafür als Grund die Bodenständigkeit des gebürtigen Bochumers.
"Leon stellt nie sein Ego in den Vordergrund, sondern die Gemeinschaft. Er weiß, was für eine funktionierende Gemeinschaft wichtig ist. Er ist immer auf dem Boden geblieben und kennt seine Wurzeln", sagte Keller dem "kicker".

Selbstlos zurück in die Nationalmannschaft?

Mit seiner selbstlosen Herangehensweise hat Goretzka in den letzten Jahren Rückschläge in positive Energie umgewandelt. In der aktuellen Verfassung ist er nicht nur ein wichtiger Baustein der Bayern auf dem Weg zu zwei möglichen Titeln (Meisterschaft und Champions League), sondern könnte auch bald wieder Nationalmannschaftsluft schnuppern.
Bundestrainer Julian Nagelsmann erklärte im Zuge seines Verzichts auf Goretzka im EM-Kader, dass für einen der "besten Box-to-Box-Spieler weltweit" (Ralf Rangnick) die Tür zum DFB-Team nicht verschlossen sei.
Im Sommer 2026 steht mit der WM in den USA, Mexiko und Kanada das nächste große Turnier an. Eine Teilnahme des ewigen Leon wäre nicht verwunderlich.
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Quelle: SID

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