Champions League: Bodö/Glimt kommt aus der zugefrorenen Hölle - Norwegens "Zwerg" aus der Arktis schreibt Geschichte
Update 25/02/2026 um 13:43 GMT+1 Uhr
Der FK Bodö/Glimt hat für eine Sensation auf dem höchsten europäischem Parkett gesorgt: Der norwegische "Fußballzwerg" warf Inter Mailand aus der Champions League, in den Play-offs entzauberte der krasse Außenseiter den italienischen Vorjahresfinalisten mit zwei verdienten Siegen. Das Fußball-Wunder ist aber mehr als nur eine Eintagsfliege - und es findet mitten im Urlaub der Norweger statt.
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Quelle: Perform
Schlägt man den norwegischen Ausdruck Glimt im Wörterbuch nach, spuckt dieses Schimmer, Aufblitzen, Blitzlicht oder kurzer Eindruck aus. Es beschreibt also etwas Flüchtiges. Ein Zustand, über den wir im Fall vom Fotballklubben Bodö/Glimt längst hinaus sind.
Am Dienstagabend setzte der Klub aus dem hohen Norden sein Märchen in der Champions League fort und besiegelte das sensationelle Play-off-Aus von Vorjahresfinalist Inter Mailand mit einem verdienten 2:1-Sieg im San Siro.
Selbstverständlich schrieb Bodö damit Geschichte: Zwar stand mit Rosenborg BK in der Saison 1996/97 bereits ein norwegischer Klub im Viertelfinale der Königsklasse, ein Sieg in der K.o.-Phase des Wettbewerbs war aber noch keinem Verein aus dem skandinavischen Land gelungen.
Bodö marschiert - und das trotz eines kuriosen Umstandes: Ihr letztes Meisterschaftsspiel bestritt die Mannschaft Ende November 2025.
Bodö/Glimt: Vizemeister - und dann Europa zerpflücken
Die Eliteserien, das norwegische Pendant zur Bundesliga, wird zwischen März und November ausgespielt. In Norwegens Fußball herrscht also zurzeit eine dreieinhalbmonatige Pause. Eine Situation, welche die Kicker von Bodö nicht zu stören, sondern sogar zu beflügeln scheint.
Im November lieferte sich Bodö/Glimt, das 22 Spieltage lang auf Platz eins der Eliteserien lag, einen nervenaufreibenden Titelkampf mit Viking aus Stavanger. Eine Niederlage gegen Hauptstadtverein Valerenga vier Partien vor Schluss kostete den Titel.
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Die Helden von San Siro: Bodö feiert in Mailand
Fotocredit: SID
Trübsal blasen stand aber nicht auf dem Plan: Immerhin galt es in der Champions League noch drei Spiele zu bestreiten. Mit drei Punkten auf dem Konto und Borussia Dortmund, Manchester City und Atlético Madrid vor der Brust waren die Aussichten des Tabellen-32. alles andere als rosig. Dann folgte nichts weniger als ein Wunder.
Ohne den Rhythmus einer regulären Saison punktete Bodö zunächst in Dortmund (2:2) und schlug sowohl ManCity (3:1) zuhause als auch Atlético Madrid (2:1) auswärts. In den Play-offs wurde mit Inter schließlich der Tabellenführer der Serie A eiskalt abserviert - und das alles im Urlaub.
Bodö: Harte Vergangenheit in der Arktis
Bemerkenswert: Durch diese Erfolgsserie avancierte Bodö/Glimt zum ersten Klub außerhalb der Top-5-Ligen seit Ajax Amsterdam im Jahre 1972, der vier Siege in Folge gegen Vereine aus den Top-5-Ligen feierte.
"Das ist komplett verrückt. Wir haben etwas völlig Aberwitziges geschafft", schwärmte Torschütze Hakon Evjen nach dem Coup. Die vorangegangene Statistik ist aber nicht das einzige Aberwitzige am norwegischen Team der Stunde.
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Der FK Bodö/Glimt hat gegen Inter Mailand die nächste Sensation geschafft.
Fotocredit: Getty Images
Die Ortschaft Bodö ist Heimat von gut 40.000 Menschen, im Stadion namens Aspmyra finden 8.000 Zuschauer einen Platz. Da sich die Stadt knapp 80 Kilometer nördlich des Polarkreises befindet und damit klimatische Bedingungen der Arktis vorherrschen, muss auf einem Kunstrasen gespielt werden. Ein Umstand, der vor den großen Vereinen zuletzt moniert wurde.
Bodö war in Norwegen aber nicht immer eine namhafte Adresse. 2010 stand der damalige Zweitligist kurz vor dem Bankrott. Spieler verzichteten monatelang auf Gehalt und Fans sammelten Pfandflaschen, um ihren Lieblingsverein zu retten. Zwischenzeitlich ging es hoch in die erste Liga, 2016 drohte nach dem Abstieg erneut der finanzielle Ruin. Anschließend kannte Bodö nur noch einen Weg - und der führte nach oben. Die sportliche Hölle war zugefroren.
Erstmals Meister - und ein genauer Blick bei den X-Faktoren
Im Januar 2018 stieg der heutige Coach Kjetil Knutsen zum Cheftrainer auf und führte Bodö/Glimt zwei Jahre später zur ersten Meisterschaft in der 104-jährigen Vereinsgeschichte. In den darauffolgenden Spielzeiten folgten drei weitere Titel, eine schlechtere Platzierung als Rang zwei gab es nicht.
Mit einer Eintagsfliege haben wir es gewiss nicht zu tun. Das unterstrich bereits der Einzug ins Halbfinale der Europa League in der vergangenen Saison. Doch wie funktioniert das?
Ohne reichen Gönner im Hintergrund formte Knutsen aus Bodö/Glimt eine Mannschaft, die intensiven und energiegeladenen Fußball lebt. Die Hauptattraktion des Kaders? Jeder einzelne Spieler.
"Jeder Spieler, den wir verpflichten, ist ein X-Faktor", erklärte der ehemalige Assistenztrainer Morten Kalvenes gegenüber "The Athletic". Man stelle sich folgende Fragen: "Besitzt dieser Spieler genau den X-Faktor, den wir suchen? Können wir seine Entwicklung darauf aufbauen und eine Position im Team finden, auf der wir ihn optimal einsetzen können?"
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Jens Petter Hauge knipste einst für Eintracht Frankfurt
Fotocredit: Getty Images
Einer dieser X-Faktoren ist in der Bundesliga bekannt: Jens Petter Hauge wechselte nach der Meisterschaft 2020 zur AC Mailand, von dort ging es zu Eintracht Frankfurt. Sein Weg führte den Stürmer vor zwei Jahren schließlich wieder per Leihe zurück nach Bodö, wo er seit einer Saison fest unter Vertrag steht - und abliefert.
Goalgetter Hauge fassungslos: "Das ist unglaublich"
Vier seiner sechs Tore in der Champions League erzielte er gegen Dortmund (1), Manchester City (1) und Inter (2). "Das ist unglaublich, wir gehören zu den letzten Großen in Europa", schwärmte der 26-Jährige. "Wir sind sehr bescheiden und stolz."
Und wie geht es weiter? Im Achtelfinale warten nun Sporting aus Lissabon oder Manchester City, das Bodö schon einmal bezwungen hat. Oder mit den Worten von Evjen: "Alles ist möglich!"
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Hjulmand ahnt Böses: "Vier Spiele gegen Bayern ..."
Quelle: Perform
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