FC Bayern scheitert im Champions-League-Halbfinale - und trägt sein Aus mit Fassung: Enttäuschung ja, Drama nein

Der FC Bayern muss seinen Triple-Traum nach dem Aus im Champions-League-Halbfinale gegen Paris Saint-Germain begraben. Ein 1:1 im Rückspiel vor heimischer Kulisse reichte nach dem furiosen 4:5 im ersten Duell mit dem amtierenden Titelträger nicht aus, am Ende setzte sich das insgesamt abgeklärtere Team durch. Im Nachgang herrschte Enttäuschung - doch der Blick richtete sich schnell nach vorne.

Kompany reagiert auf Bayern-Aus: "Don't believe the drama!"

Quelle: SNTV

Es lag etwas in der Luft.
Eine frühjährliche Schwüle hatte sich über München gelegt, Blitz, Donner und Sturm warteten nur darauf, sich endlich austoben zu dürfen.
Doch das meteorologische Triumvirat des Schreckens sollte nicht das einzige Damoklesschwert an diesem Mittwochabend bleiben - etwas anderes elektrisierte die Stadt deutlich mehr als die drohenden Kapriolen am Himmel: Das Halbfinal-Rückspiel in der Champions League zwischen dem FC Bayern und Paris Saint-Germain.
Nach dem furiosen Neun-Tore-Duell in der französischen Hauptstadt vor rund einer Woche, das mit 5:4 zugunsten des amtierenden Titelträgers ausgefallen war, richteten sich die Blicke der Sportwelt auf die Allianz Arena. Und die wusste schon weit vor Anpfiff zu gefallen.

Dembélé als Party-Crasher

Noch während sich die Protagonisten auf dem Feld warmmachten, heizte die Südkurve ihren Helden ein, kreierte eine Stimmung, die dem Rahmen mehr als gerecht wurde. Eine aufwendige Choreografie, die mit der wenig subtilen Forderung "Schießt uns ins Finale!" untermalt wurde, tat ihr Übriges.
Doch die Motivation sollte schnell versanden, zwei Donnerschläge hallten durchs Rund. Zunächst in Form von Böllern, die im Block der Gäste gezündet wurden, dann im übertragenen Sinne auf dem Platz, als Ousmane Dembélé den Großteil der 75.000 Zuschauer nach nicht einmal drei Minuten verstummen ließ und beim neutralen Beobachter die Hoffnung auf das nächste Spektakel nährte.
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Ousmane Dembélé

Fotocredit: Getty Images

Dazu kam es jedoch nicht. Aus mehreren Gründen: Hatten beide Mannschaften beim ersten Aufeinandertreffen noch mit offenem Visier agiert, präsentierte sich vor allem Paris diesmal viel disziplinierter und defensiv engmaschiger. Ein Aspekt, der dazu führte, dass den Münchnern mangels Freiräumen in der Offensive schnell die Ideen ausgingen.

Olise, Kane und Díaz ohne Fortune

Auch, weil sich der bis dato alles überragende Michael Olise beispielsweise seine mutmaßlich schwächste Saisonleistung ausgerechnet für die wichtigste Partie der laufenden Spielzeit aufhob und seine kongenialen Partner Luis Díaz und Harry Kane im Vorfeld augenscheinlich ebenfalls keinen Pakt mit Glücksgöttin Fortuna geschlossen hatten.
Dass der portugiesische Schiedsrichter Joao Pinheiro in der 29. Minute statt auf Platzverweis wegen eines klaren Handspiels seines Landsmanns Nuno Mendes (hatte bereits nach acht Minuten Gelb gesehen) auf ein angeblich kurz zuvor verübtes Handvergehen Konrad Laimers entschied, war einem möglichen Bayern-Coup darüber hinaus auch nicht zuträglich (bei einer anderen Hand-Aufregerszene im PSG-Strafraum entschied Pinheiro laut Reglement richtig).
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Enttäuschung beim FC Bayern nach dem Halbfinal-Aus gegen PSG

Fotocredit: Getty Images

Und so plätscherte das Ganze etwas dahin, die Bayern-Fans wurden mit zunehmender Spieldauer ruhiger, die Bayern-Spieler bissen sich im Minutentakt die Zähne aus und Paris setzte immer wieder Nadelstiche, scheiterte aber diverse Male am starken Manuel Neuer. Es entspann sich kein Drama, kein weiteres Jahrhundertspiel, sondern ein Duell zweier Teams, bei dem das abgeklärtere letztlich die Oberhand behielt.

Der Blick geht nach vorne

So hatte es auch Vincent Kompany gesehen: "Es war knapp, ganz knapp, in beiden Spielen", befand der FCB-Coach am "DAZN"-Mikrofon: "Wir müssen respektieren, dass wir gegen einen großen Gegner gespielt haben. Die Kleinigkeiten haben entschieden - ein Tick mehr für uns reicht vielleicht."
Kleinigkeiten, wie besagte Schiedsrichterentscheidung in Minute 29. Dennoch hegte - zumindest öffentlich - niemand einen Groll gegen den Unparteiischen, niemand machte Pinheiro für das Aus verantwortlich. Es fehlten eben weitere Nuancen.
Freilich herrschte Enttäuschung, doch die Münchner trugen den Rückschlag mit Fassung, richteten den Blick schnell schon wieder nach vorne. "Ich habe die Fähigkeit, nicht lange enttäuscht zu sein. Jetzt ist es natürlich bitter", sagte Kompany und schob nach: "Aber es geht weiter. Die Champions League ist jetzt für uns vorbei, aber es kommt wieder ein Moment, es kommt wieder eine Möglichkeit. Wir werden es wieder versuchen."

Kimmich: "Sogar stärker als die Triple-Saison"

Joshua Kimmich schlug in eine ähnliche Kerbe: "Wir haben in dieser Saison drei Niederlagen kassiert. Es zeigt, dass wir sehr konstant auf einem guten Niveau unterwegs waren. Ich glaube nicht, dass uns das umwerfen oder vom Weg abbringen wird", erklärte der Mittelfeldmotor. Er ergänzte voller Optimismus: "Ich sitze in der Kabine und habe das Gefühl, dass wir mit dieser Mannschaft die Champions League gewinnen kann."
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Joshua Kimmich im Duell mit Khvicha Kvaratskhelia beim Halbfinal-Rückspiel in der Champions League

Fotocredit: Getty Images

Kimmich weiter: "In elf Jahren Bayern war das aus meiner Sicht bisher die stärkste Saison. Sogar stärker als die Triple-Saison damals (2020, d. Red.). Solche eine Konstanz und solch eine Truppe in der Kabine habe ich selten erlebt."
Josip Stanisc sagte mit Blick auf Kompanys Kabinenansprache: "Er hat gesagt, dass wir uns trotz allem im nächsten Jahr wieder auf die Champions League freuen können und das ganz große Ziel bleibt, die Champions League zu gewinnen."

Champions-League-Aus gleich Saison-Aus? Mitnichten!

Nüchterne Reaktionen. Reaktionen, die veranschaulichen, dass ein Aus in der Königsklasse - anders als in anderen Jahren - dieser Tage eben nicht als Sargnagel einer ganzen Saison interpretiert wird. Die Bayern sind dran, nah dran. Und sie glauben weiter an sich.
Mit Blick auf die kommende Saison und das anstehende DFB-Pokal-Finale gegen den VfB Stuttgart - das erste für die Bayern seit sechs Jahren - könnte man also prophezeien: Es liegt etwas in der Luft.
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"Falsche Entscheidungen": Eberl schiebt Frust nach Bayern-Aus

Quelle: Eurosport



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