FC Bayern und PSG liefern sich historisches Spektakel im Halbfinale der Champions League: Der Wahnsinn hat Methode
Update 29/04/2026 um 12:17 GMT+2 Uhr
Im Halbfinale der Champions League zwischen PSG und Bayern herrscht kreatives Chaos auf dem ganzen Platz, es fallen neun Tore - so viele wie seit Einführung des Wettbewerbs 1992/93 nicht. Für den gesperrten Trainer Vincent Kompany war sein Platz auf der Haupttribüne "eine Katastrophe". Warum das Rückspiel am Mittwoch erneut ein Spektakel verspricht? Diese Offensiv-Monster können nicht anders.
Enrique völlig buff: "Wie viele Tore müssen wir noch schießen?"
Quelle: Perform
Luis Enrique unterbrach sein TV-Interview und wandte sich Vincent Kompany zu, als dieser in den Katakomben des Parc des Princes von Paris vorbeimarschierte. Die zwei Regisseure des zuvor beendeten Spektakels schüttelten die Hände und feixten, als wären sie sich gerade aus einem Kino kommend auf der Toilette begegnet.
"Hat es Dir gefallen da oben?", fragte der Spanier Enrique den Belgier Kompany auf Englisch und spielte auf dessen Sitzplatz auf der Haupttribüne an. Kompany, nach drei Gelben Karten im Laufe des Wettbewerbs für das Halbfinal-Hinspiel gesperrt, antwortete mit einem lauten Lachen: ”Nein! Nein, wirklich nicht!"
Dann gingen sie auseinander. Aus ihren Augen sprachen der gegenseitige Respekt und die Anerkennung. Sowie die Lust auf mehr, eine Revanche beim Rückspiel am Mittwoch nächster Woche in der Allianz Arena.
5:4 aus Sicht von PSG-Trainer Enrique, dem Titelverteidiger. 4:5 aus Sicht von Bayerns Chefcoach Kompany, dem Herausforderer - und doch amüsieren sich beide prächtig.
Torreichstes CL-Halbfinale der Geschichte
Natürlich werden sie in den kommenden Sitzungen die Gegentorflut analysieren, die Fehler aufarbeiten. Aber wenn sie sich dabei für einen Moment zurücklehnen und durchatmen, werden sie feststellen: Sie waren nicht nur Augenzeugen dieses Spektakels, sie waren die Macher des besten und zugleich verrücktesten Fußballspiels der letzten Jahrzehnte.
Das torreichste Champions-League-Halbfinale der Geschichte (seit Einführung des Wettbewerbs 1992/93) war für Enrique, 55 Jahre alt, einst Trainer des FC Barcelona und der spanischen Nationalmannschaft, seit Sommer 2023 bei PSG in der Verantwortung, ”das beste Spiel, das ich als Trainer erlebt habe”. Punkt.
Wenn das Halbfinale der WM 1970 in Mexiko, das Italien gegen Deutschland in der Verlängerung mit 4:3 gewann, als das Jahrhundertspiel des 20. Jahrhunderts gilt, war dieses 5:4 für PSG der Festakt des bisherigen 21. Jahrhunderts. Wer es gesehen hat, wird sich für immer erinnern, wo und mit wem er es gesehen hat.
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Kompany hadert: "Es macht keinen Spaß da oben"
"Wenn zwei Mannschaften mit dieser Idee ein Spiel anfangen, dann kann das passieren”, sagte Kompany recht nüchtern und verriet: "Ich hatte das Gefühl, dass so ein Spiel drin war."
Der 40-Jährige ließ es geschehen, verhindern konnte er den Sturm- und Drang-Schlagabtausch auch nicht. Schon gar nicht als Tribünengast wider Willen, der die Partie zwischen zwei Analysten des FC Bayern verfolgte und nur begrenzt Kontakt zu seinen Assistenten an der Seitenlinie aufnehmen durfte. Der Innenraum und die Kabine waren ab der Ankunft im Stadion ohnehin tabu.
"Diese Erfahrung habe ich nicht genossen, es macht keinen Spaß", sagte ein sichtlich aufgewühlter Cheftrainer, der seine Emotionen nicht ausleben konnte. In einer Coaching Zone kann man auch mal Dampf ablassen, seine Anspannung herausbrüllen. In einem Wort war es, so Kompany, eine "Katastrophe. Wenn ich diesen Sitzplatz in der Zukunft verhindern kann, werde ich alles dafür tun, dort nicht noch einmal sitzen zu müssen."
Enrique schwärmte von einem "unglaublichen Rhythmus, beide Teams haben versucht, offensiv zu spielen und ihre Qualität zu zeigen. Ich denke, dass jeder Spaß an dem Spiel hatte. Ich bin glücklich, weil wir gewonnen haben." Und Bayern war glücklich, dass sie nicht höher verloren haben, weil sie nach dem 2:5 den Rückstand noch um zwei Tore verkürzen konnten.
"Wenn du in einem Halbfinale der Champions League auswärts fünf Tore kassierst, dann war es das, dann ist es vorbei. Aber das Verrückte an diesem Spiel ist: Wir haben auswärts hier in Paris vier Tore erzielt und ich denke, wir hätten mehr Treffer erzielen können." Klingt komisch, war aber so.
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4:5 gegen PSG: Kompany leidet auf der Tribüne
Quelle: Perform
Wie einst beim 2:5 in Amsterdam - und doch so anders
Kompany sprach beinahe ehrfürchtig, als wäre er gar Teil des Ganzen, von einem ”Clash of ideas”, einem Aufeinanderprallen von Ideen. "Wenn beide Teams so viel Talent auf den Platz bringen, kommt so etwas heraus - auch, weil beide Vereine dieselbe Vorstellung von Fußball haben", erklärte Kompany, der beide Abwehrreihen nicht für die Gegentorflut verantwortlich machen wollte: "Das wäre so unfair, denn die Intensität dieses Spiels war so hoch."
Schon gar nicht seine um Dayot Upamecano und Jonathan Tah. Nur einmal zuvor in der Europacup-Historie kassierte Bayern fünf Tore - beim 2:5 im Halbfinale des Europapokals der Landesmeister im April 1995 bei Ajax Amsterdam.
Normalerweise hassen Trainer Spektakel-Spiele, bevorzugen ein 1:0 gegenüber einem 5:3. Trainer lieben Kontrolle, betonen vergnügt, wenn die eigene Mannschaft wenig zugelassen habe. Wenn der Plan, in einer guten Ordnung und Struktur zu stehen, aufgegangen ist. Bei diesem 5:4 herrschte kreatives Chaos auf dem gesamten Platz. Der Wahnsinn hatte Methode.
Fünf Bayern-Siege gegen PSG in sieben Spielen
Für Enrique war es wie ”eine einzige Party, die ganze Zeit. Jeder Spieler ist erschöpft und glücklich zugleich. So ein hohes Niveau, so eine hohe Intensität. Und dann kannst du nicht sauer sein auf deine Spieler sein, wenn sie vier, fünf, sechs Tore kassieren."
Kann man schon mal vergessen, das Endergebnis nach solch einem Adrenalin-Rausch. Es gab in diesem Highspeed-Duell kaum eine Atempause. Es wurde Geschichte gemacht.
Längst sind die Aufeinandertreffen von Bayern und PSG zum Neo-Klassiker der Champions League geworden. Seit dem Finale von 2020 in Lissabon (1:0 für Bayern) gab es in sieben Partien fünf Bayern-Siege. Traumatisch bis schmerzhaft - im doppelten Sinne - war das Aus im Viertelfinale der Klub-WM 2025 (0:2), als sich Jamal Musiala so schwer verletzte.
Und nun, was bietet das Rückspiel, der nächste Schlagabtausch oder: der Rückkampf? Wieder offenes Visier, totale Offensive? Sie können ja gar nicht anders! Mit dem magischen Dreieck Harry Kane, Michael Olise und Luis Díaz, die in Paris alle einen Treffer beisteuerten.
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Kompany fordert Support: "Wucht der Allianz Arena mitnehmen"
Quelle: Perform
Kimmich überzeugt: "Die in der Kabine saßen, glauben an den Sieg"
"Wir können Tore machen, gerade zu Hause", betonte Kompany. Schließlich reicht ein Erfolg mit einem Tor Vorsprung für den Ausgleich und den Beginn der Verlängerung - die nächste Spektakel-Stufe wartet nur darauf, gezündet zu werden.
"Der Glaube und das Gefühl sind zu 100 Prozent da", sagte der Bayern-Trainer. Vize-Kapitän Joshua Kimmich meinte: "Die Ausgangssituation ist einfach. Wir müssen gewinnen und werden wir alles dafür tun, dass wir gewinnen. Alle, die das Spiel gesehen haben, trauen uns einen Sieg zu. Und vor allem: Wir, die in der Kabine saßen, glauben an den Sieg.” Und damit an das Erreichen des Endspiels der Königsklasse am 30. Mai in Budapest.
Luis Enrique, total heiser aus der Hitze des Gefechts gekommen, erzählte weit nach Mitternacht noch dies: ”Ich habe meine Assistenten gefragt: Was glaubt ihr, wie viele Tore müssen wir schießen, um weiterzukommen? Sie haben geantwortet: Mindestens drei.” Das kann ja heiter werden...
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Koke über Champions-League-Titel: "Nicht nur für Griezmann"
Quelle: Perform
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