Chinas Großangriff auf Lukas Podolski und Co.: Kein Ende des Wahnsinns in Sicht

Lukas Podolski liegt eine Millionen-Offerte für einen Wechsel vom türkischen Rekordchampion Galatasaray Istanbul nach China vor. Er wäre nicht der Erste, der dem Reiz der absurden Gehälter im Reich der Mitte erliegt. Mächtige Konzerne pumpen horrende Summen in die Klubs, der Präsident hat Fußball zur Staatsangelegenheit erklärt. Ein Ende des chinesischen Großangriffs ist nicht abzusehen.

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Womöglich wird Lukas Podolski bald zu einem Staatsbankett geladen. Der 31-Jährige weiß schließlich, wie man Weltmeister wird.
Chinas Staatspräsident Xi Jinping träumt von diesem Titel. Noch zu Lebzeiten will er sein Land an der Spitze des Weltfußballs sehen, Podolski soll dabei helfen. Nicht als aktiver Nationalspieler, das ist bekanntlich nicht möglich, aber als Vorbild für den Nachwuchs des kommunistischen Landes. Als Zugpferd für die heimische Liga.
Mit Beijing Guoan und Guangzhou Evergrande haben offenbar gleich zwei Klubs ein Auge auf Podolski geworfen, neun Millionen Euro soll er im Jahr einstreichen.
Er wäre nicht der erste große Name, der seinen Lebensmittelpunkt nach Fernost verlegt.

Folgt Pepe Oscar und Co.?

Kurz vor Weihnachten wurde der Wechsel von Chelseas Oscar publik. Der Brasilianer schließt sich für die Winter-Rekordsumme von rund 60 Millionen Euro Shanhai SIPG an. Wenige Tage später wurde bekannt, dass auch der argentinische Stürmerstar Carlos Tévez in der Chinese Super League bei Shanghai Shenhua anheuert.
Europameister Pepe von Real Madrid soll ebenfalls mit einem Wechsel ins Reiche der Mitte liebäugeln. Der 33-Jährige passt gut in die Schablone der in die Jahre gekommenen Altstars wie Nicolas Anelka oder Didier Drogba, die zum Abschluss der Karriere mit wenig Aufwand viel kassieren wollen. Dieses Schema gehört jedoch der Vergangenheit an.
Oscar ist mit 25 fast noch ein Youngster, die Brasilianer Ramires (29) oder Alex Teixera (26) sowie der Ex-Kölner Anthony Ujah (26) befinden sich im besten Fußballer-Alter.
Anfang des Jahres zog der 28 Jahre alte ehemalige Leverkusener Renato Augusto Beijing Guoan dem FC Schalke 04 vor. Weil "man im Fußball nur zehn Jahre Zeit hat, um Geld zu verdienen", sagte er.

Mächtige Geldgeber im Hintergrund

Nicht nur die Gehälter sind enorm, auch die Ablösesummen sprengen jeglichen Rahmen der Vernunft. In einigen Fällen zahlen Klubs das 44-fache des eigentlichen Marktwerts eines Spielers.
Immer mehr chinesische Unternehmen investieren in die heimische Liga oder kaufen sich gleich ein eigenes Team. Darunter zahlreiche staatliche Firmen.
Die Evergrande Real Estate Group ist seit 2010 Besitzer von Guangzhou Evergrande, dem Serienmeister Chinas. Die Immobiliengesellschaft verzeichnete 2016 einen Gewinn von über 1,1 Milliarden Euro.

Ausufernder TV Vertrag

Im Oktober 2015 unterzeichnete die Liga einen neuen TV-Vertrag, der der Chinese Super League (CSL) in fünf Jahren 1,15 Milliarden Euro einbringt.
Dem Vergleich mit der Bundesliga, die ab der kommenden Spielzeit 1,16 Milliarden pro Saison einstreichen wird, hält die CLS damit zwar noch nicht stand. Bedenkt man aber, dass in der Spielzeit davor noch rund sieben Millionen ausgeschüttet wurden, wird erneut deutlich, wie der Hase läuft.
Eine Steigerung von über 3000 (!) Prozent? Absurd.

Fußball wird zur Staatsangelegenheit

Möglich macht das auch die Politik, die viele Türen öffnet.
Präsident Xi Jinping hat den Fußball zur Chefsache erklärt, will 50.000 Nachwuchsleistungszentren in zehn Jahren bauen lassen und hat seinen neuen Lieblingssport fest im Schulunterricht verankert.
Dazu strebt Chinas Staatsoberhaupt Kooperationen mit den besten Klubs und Verbänden weltweit an, um von deren Know-how zu profitieren.
Der FC Bayern schloss im Oktober eine "umfassende Partnerschaft" mit dem deutsch-chinesischen Ökopark in Qingdao. Dort soll ein Nachwuchszentrum, die "FC Bayern Football School" etabliert werden.
DFB, DFL und der chinesische Verband CFA unterzeichneten im Beisein von Kanzlerin Angela Merkel Ende November eine weitreichende Vereinbarung zur Zusammenarbeit für die nächsten fünf Jahre.

China muss noch viel aufholen

Bis China wirklich um den Titel bei einem internationalen Großereignis spielen wird, dürfte diese Zeit nicht ausreichen.
Derzeit liegt die Volksrepublik auf Platz 82 in der FIFA-Weltrangliste. Hinter den Inselstaaten St. Kitts und Nevis und Curacao, einen Platz vor den Färöer Inseln.
Chinas Plan ist allerdings deutlich langfristiger ausgelegt. 2030 will man sich um die Ausrichtung der WM bewerben. Spätestens dann soll die Nationalmannschaft konkurrenzfähig sein.
Bis dahin dürfte noch der eine oder andere Star dem süßen Duft des Geldes folgen. Ein Ende des Millionen-Wahnsinns ist nicht in Sicht.
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