Afrika-Cup: Claude Le Roy und Sadio Mané bewahrten Finale vor totalem Chaos - Senegals Ex-Trainer im Interview

Das Finale des Afrika-Cups zwischen Gastgeber Marokko und Senegal (0:1 n.V.) hat für unrühmliche Schlagzeilen. Die Elf des Senegal hatte den Platz nach einer strittigen Elfmeterentscheidung in der Nachspielzeit für ein paar Minuten verlassen, Starspieler Sadio Mané überzeugte seine Kameraden für eine Rückkehr. Den Anstoß dazu gab Claude Le Roy, der im Interview mit Eurosport einen Einblick gab.

Sadio Mané stand im Finale des Afrika-Cups im Mittelpunkt

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Zu Beginn der Nachspielzeit hatte Schiedsrichter Jean-Jacques Ndala (DR Kongo) dem Führungstreffer des Senegal wegen eines strittigen Fouls in der Entstehung die Anerkennung versagt. Als der Unparteiische dann nach VAR-Check einen Strafstoß für Marokko pfiff (90.+8), wurde es wild.
Senegals Trainer Pape Thiaw beorderte seine Spieler vom Feld, auf den Tribünen in Rabat brach Chaos aus. Senegals Fans wollten auf den Platz stürmen, Sicherheitskräfte verhinderten dies.
Mané zählte zu den wenigen Senegalesen, die noch auf dem Platz standen. Nach einem kurzen Gespräch mit Claude Le Roy, dem einstigen Nationaltrainer von Senegal, Kamerun sowie Ghana, überzeugte er seine Mitspieler von einer Rückkehr.
"Ich habe ihm gesagt: 'Hol deine Kumpels und kommt zurück auf den Platz.' Ich glaube, er hat ein bisschen gezögert. Hätte ich ihm gesagt: 'Geh in die Kabine', wäre er auch gegangen", meinte der 77-Jährige im exklusiven Interview mit Eurosport.

Le Roy: "Sehr alte Verbindungen"

Von der Reichweite seiner Aussage war Le Roy letztlich überrascht. "Ich dachte, wir stünden zu zweit in einer Ecke des Spielfelds und niemand würde uns sehen. Aber seitdem habe ich Hunderte Nachrichten bekommen", merkte er an.
Anschließend stellte sich die Frage, warum Mané ausgerechnet auf seinen Ratschlag hörte. "Das ist die Verbindung eines ehemaligen senegalesischen Nationaltrainers, der oft in dieses Land reist, wo meine Tochter und meine Enkelkinder leben", so Ley Roy, der mit Kamerun 1988 selbst den Afrika-Cup gewonnen hatte.
"Und wo ich Sadio häufig treffe - zufällig bei meinen Aufenthalten und bei internationalen Begegnungen. Das sind sehr alte Verbindungen", erklärte er.
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Claude Le Roy hat im Finale mit Sadio Mané gesprochen

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Bilder waren "beschämend und traurig"

Was sein erster Gedanke war, als er die Senegalesen den Platz verlassen sah?
"Dass es beschämend und traurig ist", unterstrich Le Roy. "Aber man muss verstehen, dass es eine junge Mannschaft ist, mit einem Trainer, der seinen ersten Afrika-Cup spielt. Und mit all dem, was man jetzt über Verschwörungsthesen rund um die Schiedsrichter hört, ist es verständlich, dass sie die Nerven verloren haben, als das Tor aberkannt wurde."
Der anschließende Elfmeter für Marokko sei schließlich der berühmte letzte Tropfen gewesen, der das Fass zum Überlaufen brachte. "Das ist ein emotionaler Sturm, der diese jungen Spieler und den gesamten Staff überrollt", so Le Roy, der zwischen 1990 und 1992 den Senegal trainierte.
Erst knapp 20 Minuten nach dem Elfmeterpfiff durfte Marokkos Brahim Díaz antreten - und er chippte den Elfmeter halbhoch und ohne jede Wucht in die Arme von Edouard Mendy, der sein Team in die Verlängerung rettete. Dort schoss Pape Gueye (94.) den Senegal mit einem Traumtor zum zweiten Triumph beim Afrika-Cup nach 2022.
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Pape Alassane Gueye hat das entscheidende Tor im Finale erzielt

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Kritik an Schiedsrichtern nicht berechtigt

Im Nachgang des Finals wurden vor allem in den Sozialen Medien viele Theorien zur Schiedsrichterleistung aufgestellt, hier und da wurden Vorwürfe der Manipulation laut. Le Roy will davon aber nichts wissen.
"Es gab keine echten Schiedsrichterprobleme, nicht mehr als in Frankreich", hob er hervor. "Im Finale war die Leistung des Schiedsrichters bemerkenswert, auch wenn er den Fehler gemacht hat, die Szene vor dem senegalesischen Tor viel zu früh abzupfeifen. Ab diesem Moment merkt man, dass er die Kontrolle verliert."
Vor allem die Wahrnehmung des afrikanischen Kontinents spiele in diesem Kontext eine große Rolle.
"Man vergisst all die Skandale, die es in europäischen Ligen gibt. Afrika ist nicht die Zukunft, es ist die Gegenwart. Und das stört einige", erläuterte er und bezog sich schließlich auf die Außenpolitik der USA.
"Vor allem Trump, der NGOs das Geld streicht und dadurch Tausende Tote in den Bereichen Gesundheit, Bildung und Ernährung verursacht und zusätzlich noch Visa verhindert", so Le Roy. "Trotz Infantino, der sich rühmt, sein großer Freund zu sein, ist der nächste Schritt für afrikanische Länder vielleicht ein Boykott der Weltmeisterschaft."
(mit SID)
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Quelle: Perform


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