Ende der Klopp-Show: Der letzte Vorhang fällt

Mit Abpfiff des Pokalfinales endet eine Ära im deutschen Fußball. Es ist der letzte Akt in einem Schauspiel, das einst in Essen begann.

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Fotocredit: Eurosport

Man schreibt den 9. August 2008, als sich der Vorhang im Fußball-Theater für eine große Show zur Seite schiebt. Im Erstrundenspiel des DFB Pokals bei Rot-Weiss Essen betritt der neue Trainer von Borussia Dortmund die Bühne. Es ist Jürgen Klopp. Sein erstes Pflichtspiel in schwarz und gelb.
Knapp sieben Jahre später neigt sich die Vorführung nun ihrem Ende entgegen. Wieder im Pokal, diesmal allerdings - wie es sich für ein so erfolgreiches Stück gehört - im Finale.
Klopps Spiel mit der Presse
Damals beim Viertligisten stand Mats Hummels bereits in der Innenverteidigung. Nun sitzt er - mittlerweile Nationalspieler und Kapitän der Borussia - auf dem Podium der DFB-Pressekonferenz in Berlin neben Klopp. Er beobachtet seinen Trainer bei dem, was er beherrscht wie kein Zweiter.
Der 47-Jährige ist in seinem Element. Klopp liebt das Spiel mit der Öffentlichkeit. Er grinst breit, weil er weiß, dass das Knipsen der Fotoapparate dann besonders laut wird. Er blickt nachdenklich in die Runde, weil er volle Konzentration vorleben will.
Er flachst, lacht, moderiert, beschwört die Stärke seines Teams. Kurz gesagt: Klopp zelebriert diesen letzten öffentlichen Auftritt vor seinem "Abschiedsspiel" in vollem Maße. Er tut, was er immer tut. Bis zum Spiel steht der Trainer im Mittelpunkt. Er saugt das öffentliche Interesse an, damit sein Team frei atmen kann. Wenn dann aber Fußball gespielt wird, "müssen es die Jungs richten", sagt Klopp. "Und sie werden es richten.
Klopp weiß, was er tut. Er tut es, seit er einst in Mainz vom Spieler ohne Umwege zum Chefcoach Aufstieg. Seit sieben Jahren tut er es für den BVB. Erfolgreich.
Erfolgreichster Trainer der Vereinsgeschichte
Klopps Wirken bei Borussia Dortmund in diesem Text ausreichend zu würdigen, ist zum Scheitern verurteilt. Deswegen versuche ich es erst gar nicht. Es ist nicht damit getan, nüchtern die Edelware zu zählen, die er anhäufte und im Zuge dessen zum mit sechs Titeln - gleichauf mit Ottmar Hitzfeld - erfolgreichsten Trainer der Vereinsgeschichte wurde. Ein Sieg in seinem letzten Spiel ließe ihn allein an der Spitze stehen. 
Es reicht auch nicht, herauszuarbeiten, welch brillante Entscheidung Hans-Joachim Watzke und Michael Zorc bei der Besetzung ihrer vakanten Trainerstelle einst trafen. Wie perfekt Klopp zum BVB passte wird man erst dann in voller Ausprägung sehen, wenn der eine oder andere Nachfolger in seinen übergroßen Fußspuren versunken ist.
"Auf dem Borsigplatz im Kreis fahren"
Neben seinen herausragenden fußballtaktischen Fähigkeiten, der beeindruckenden Menschenführung und dem mühelosen Umgang mit der Öffentlichkeit ist es vor allem seine absolute Hingabe, die in Erinnerung bleiben wird.
Jürgen Klopp ließ sich mit Haut und Haaren auf seinen Verein ein. Irgendwann verschmolzen sie zu einem Erfolgsprodukt. "Echte Liebe" nahm man ihm - bei aller Schnelllebigkeit des Geschäfts - stets ab. Am Ende war die 106 Jahre alte Borussia aus Dortmund zu Jürgen Klopps Verein geworden. Das erkannte er selbst und erklärte, nach sieben Jahren seinen Hut zu nehmen. 
Dass seine Amtszeit mit dem Pokalfinale endet, ist passend und musste irgendwie so kommen. "Mit dem Truck auf dem Borsigplatz im Kreis zu fahren ist in der Tat sehr lässig", beschreibt Klopp eine mögliche Siegesfeier am Sonntag, wie nur er es tut.
In Essen gewann die Borussia anno 2008 übrigens mit 3:1. Bei gleichem Ergebnis gegen Wolfsburg würde sich der Vorhang unter donnerndem Applaus schließen.
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