Werder Bremen - FC Bayern | 3 Dinge, die auffielen: Es müllert mit Biss

Der FC Bayern München hat erneut das DFB-Pokalfinale erreicht, musste beim 3:2 (1:0) gegen Werder Bremen allerdings ordentlich zittern. Vieles erinnerte an alte Zeiten: Thomas Müller war so schlitzohrig wie in besten Tagen, hinten verteidigte das Weltmeister-Duo Mats Hummels/Jérôme Boateng, und ihnen gegenüber stand eine Werder-Mannschaft, die mit Mut zur Offensive glänzte. Was uns auffiel.

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Aus dem Weserstadion berichtet Oliver Jensen

1. Es müllert wieder - und zwar mit Biss

Mit der Trophäe zum "Man of the Match" in der Hand verließ Thomas Müller den Rasen. Der Offensivspieler hatte beim DFB-Pokal-Halbfinale gegen Werder Bremen sein bislang bestes Spiel im Kalenderjahr 2019 hingelegt.
Schlitzohrig bereitete er das 1:0 für Robert Lewandowski vor (36.). Wie er sich nach einem langen Ball von Jérôme Boateng vom Abwehrspieler Milos Veljković löste, wie er den Ball von der Grundlinie aus noch per Kopf Richtung Tor lenkte - das war typisch Müller.
Und beim 2:0? Da hatte er einfach einen guten Torriecher, stand im Strafraum richtig und schoss den Ball schnörkellos ins Netz (63.). Wie gesagt: typisch Müller eben.
Müller hatte insgesamt vier Torabschlüsse - kein Spieler hatte mehr. Der 29-Jährige brillierte nicht nur durch Effektivität, sondern auch mit Biss. Er kämpfte leidenschaftlich, ging keinem Zweikampf aus dem Weg, feuerte seine Mitspieler immer wieder an.
"Es ist wichtig, dass wir uns zerreißen", sagte Müller nach Abpfiff.
Bayern-Präsident Uli Hoeneß jedenfalls gefiel der Auftritt des aussortierten Nationalspielers: "Thomas hat ein sehr gutes Spiel gemacht und ist gerannt wie ein Hase, hat auch sehr viel nach hinten gearbeitet.".

2. Hummels & Boateng: Der letzte Auftritt?

Das Pokalspiel in Bremen könnte der letzte gemeinsame Startelf-Auftritt von Mats Hummels und Boateng beim FC Bayern gewesen sein. Nur aufgrund der Rot-Sperre von Niklas Süle durfte das Weltmeister-Duo von 2014 gemeinsam auflaufen. Ansonsten wäre der Ex-Hoffenheimer gesetzt.
Vereinzelte Spielszenen erinnerten an die gute alte Zeit. Da wäre zum Beispiel die Situation vor dem 1:0: Mit einer langen "Bogenlampe" leitete Boateng den Angriff ein, der über Müller und Lewandowski zum Tor führte. "Den Ball spielt Jérôme öfter“, berichtete Müller. Trainer Niko Kovac sagte:
Beide Verteidiger gewannen rund 73 Prozent ihrer Zweikämpfe. Boateng hatte eine Passquote von 85 Prozent, Hummels von 89 Prozent. Beide agierten sehr motiviert, hellwach und hatten ein gutes Stellungsspiel. Doch es gab auch Schönheitsfehler: Hummels ließ sich beim Gegentreffer zum 2:2 von Torschütze Milot Rashica böse überlaufen (75.).
Es sind Fehler dieser Art, die das Innenverteidiger-Duo zuletzt immer wieder in die Kritik brachten. Der FC Bayern hat mit den Verpflichtungen von Lucas Hernández und Benjamin Pavard reagiert - und damit ein mögliches Ende des Gespanns Hummels/Boateng eingeläutet.

3. Werder begeistert sogar Bayern

Rein statistisch scheint Bayern gegen Bremen auf Siege abonniert zu sein. Das 3:2 (1:0) war der 20. Sieg gegen die Grün-Weißen hintereinander. Doch in kaum einem dieser Spiele mussten die Bayern so sehr zittern wie diesmal. "Werder Bremen hat toll gespielt“, lobte Hoeneß, während sich Müller als "Fan" outete:
Beeindruckend war, mit wie viel Mut die Bremer agierten. Statt sich in der Defensive zu verbarrikadieren, strömten die Spieler bei jedem Angriff scharrenweise nach vorne. Max Kruse schien überall zu sein. Je nach Spielsituation agierte er als Sechser, Achter oder Zehner, stieß zudem immer wieder vorne in die Spitze und hatte drei Torabschlüsse.
Bester Bremer war allerdings Rashica: Erst bereitete er den Anschlusstreffer von Yuya Osako vor (74.), dann erzielte er nur eine Minute später nach starkem Solo den Ausgleich - das Tor hatte einen Hauch von Lionel Messi.
Werder versteckte sich zu keinem Zeitpunkt, hatte fast genauso viel Ballbesitz (48 zu 52 Prozent) und annähernd so viele Torschüsse (15 zu 18) wie Bayern. Zudem entwickelten die Norddeutschen über beide Außenseiten sehr viel Druck und schlugen mehr Flanken aus dem Spiel heraus (18 zu 11).
Gegenüber der Niederlage vom Samstag, als Bremen in der Bundesliga sehr defensiv auftrat, war diese Leistung ein Schritt nach vorne, wie auch Kevin Möhwald sagte:
Dazu hatte er nach diesem couragierten Auftritt allen Grund, allein: Lewandowskis Coolness bei einem fragwürdigen Foulelfmeter (80.) verdarb Werder das Finale in Berlin.
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