Bayer Leverkusen vor Finale gegen FC Bayern: Chance auf Historisches
Bayer 04 Leverkusen hat den Einzug in die Champions League denkbar knapp verpasst. Trotzdem könnte die Saison historisch für die Werkself werden. Mit dem Pokalfinale gegen den FC Bayern und dem "Heim"-Turnier in der Europa League ist ein Double noch im Bereich des Möglichen. Sportvorstand Rudi Völler zieht bereits neue Saiten auf und sagt mutig: "Wir wollen Titel!" Bleibt am Ende sogar Havertz?
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Zwei Punkte fehlten Peter Bosz und Bayer Leverkusen zum happy end in der Bundesliga. Am Ende musste man Platz vier, der zur Teilnahme an der Champions League berechtigt, der Borussia aus Mönchengladbach überlassen. Eine herbe Enttäuschung nach einer starken Rückrunde (35 Punkte), in der man noch am 32. Spieltag auf dem vierten Tabellenplatz stand.
Doch von einer verkorksten Saison redet unter dem Bayer-Kreuz niemand. Warum auch? Seit Jahren mal wieder haben die Leverkusener die realistische Chance, einen Titel zu holen. Am Samstag kommt es im Berliner Olympiastadion zum DFB-Pokalfinale gegen den FC Bayern München (ab 20 Uhr im Liveticker auf Eurosport.de), im August steht dann das Final-Turnier der Europa League an - und zwar vor der eigenen Haustür.
Rein theoretisch ist also noch eine historische Double-Saison möglich - das gelang Bayer Leverkusen freilich noch nie. De facto können in der laufenden Spielzeit ebenso viele Titel hinzukommen, wie bisher in der 116-jährigen Geschichte der Werkself gesammelt wurden.
Den letzten Pokal hielt Bayer 1993 in den Händen. Damals schlug man die Amateure von Hertha BSC im Pokalfinale. 1988 rettete sich die Mannschaft um Kapitän Wolfgang Rolff nach einem 0:3 im Final-Hinspiel noch ins Elfmeterschießen und bezwang Espanyol Barcelona dort mit 3:2. Der Uefa-Cup wanderte als erster und einziger internationaler Titel in die Vitrine der Leverkusener.
Aus Leverkusen wurde "Vizekusen"
Diese hätte Stand heute eigentlich wesentlich voller sein können - vielleicht sogar müssen. "Wir leiden noch unter der Vergangenheit, vor allem wegen der Jahre 2000 und 2002. Da hätte man was gewinnen müssen", blickt Sportchef Rudi Völler gegenüber "Bild" zurück. "Das waren mit Abstand die besten Mannschaften, die wir bei Bayer Leverkusen jemals hatten. Das rennt uns hinterher, das tut auch heute noch ein bisschen weh."
Im Jahr 2000 verspielte man die fast sichere Meisterschaft durch ein 0:2 am 34. Spieltag in Unterhaching, 2002 wurde man in der Bundesliga Zweiter hinter Borussia Dortmund, wurde zweiter Sieger im Pokalfinale gegen Schalke 04 (2:4) und verlor letztlich auch das Champions-League-Finale gegen Real Madrid in Glasgow (1:2). Die Geburtsstunde von "Vizekusen", wie Bayer Leverkusen seitdem hin und wieder etwas despektierlich genannt wird.
Doch mit der Vergangenheit wollen sie bei Bayer abschließen - ein für alle mal. "Wir wollen Titel holen!", sagt Völler deswegen ganz selbstbewusst, wohl wissend, dass die Europa League ab dem Viertelfinale (10.-11. August) mit Spielen in Köln, Duisburg, Düsseldorf und Gelsenkirchen vor der eigenen Haustüre ausgespielt wird.
Die Austragungsorte der Achtelfinale (5.-6. August) und Halbfinals (16.-17. August) sind zwar noch offen, werden aber mit großer Wahrscheinlichkeit ebenfalls in NRW ausgetragen werden. Zum Finale trifft man sich dann am 21. August im RheinEnergie Stadion in Köln.
Auch im Pokalfinale gegen die unter Hans-Dieter "Hansi" Flick so starken Bayern rechnet sich Völler etwas aus: "Die Bayern sind acht Mal in Folge Meister geworden, aber nicht acht Mal hintereinander Pokalsieger - das ist Fakt."
Bayer Leverkusen: Chance auf Havertz-Verbleib?
Dass es eine besondere Leistung benötigt, um den Rekordmeister in Berlin zu schlagen, ist völlig klar. Für besondere Leistungen braucht es besondere Spieler - und so einer ist Kai Havertz. Mit ihm in Topform scheint vieles möglich, auch wenn der Nationalspieler alleine sicherlich kein Fußballspiel gewinnen wird - schon gar nicht gegen den FC Bayern.
Leverkusen baut dennoch auf seinen Top-Star, zumal es sein durchaus sein letztes Spiel für die Werkself sein könnte. Seit Monaten machen Gerüchte über einen Wechsel zu einem europäischen Topklub die Runde. Real Madrid, der FC Chelsea und anfangs auch der FC Bayern sollen interessiert gewesen sein.
Mit dem Transfer von Leroy Sané wird ein weiterer Neuzugang der allerhöchsten Güteklasse in München aber unwahrscheinlicher. Die Corona-Pandemie hat trotz prall gefülltem Konto schließlich auch Auswirkungen auf die Finanzkraft der Münchener.
In Leverkusen hofft man noch immer, Havertz halten zu können. Ein Vorhaben, dass lange Zeit unmöglich erschien, durch die weltweite Gesundheits- und Wirtschaftskrise nun aber im Bereich des Möglichen liegt.
Und wer weiß: Vielleicht klappt es für Leverkusen ja auch noch mit dem Einzug in die Champions League. Über einen Sieg in der Europa League könnte das klappen. Die Teilnahme an der Königsklasse wäre jedenfalls ein echtes Ass im Bayer-Ärmel, wenn es darum geht, Havertz noch für ein Jahr im Rheinland zu halten.
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