Leroy Sané: So verändert der neue Superstar den FC Bayern

Mit der Verpflichtung von Leroy Sané fügt der FC Bayern München seinem Zukunftspuzzle ein weiteres großes Stück hinzu. Der Neuzugang von Manchester City soll den Rekordmeister in den kommenden Jahren prägen und die erfolgreiche Ära des FCB fortsetzen. Sané ist ein Star. Er hat Ansprüche und eigene Vorstellungen. Deshalb wird der 24-jährige Nationalspieler den Klub auch verändern.

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Ein Fußballklub ist ein fragiles Gebilde.
Weil es in einem solchen eine äußerst überschaubare Anzahl von Entscheidungsträgern, Spielern und Verantwortlichen gibt, können einzelne Personalien einen Verein leicht prägen, dessen eingeschlagene Richtung ändern.
Ein neuer Trainer installiert eine neue Taktik, ein Funktionär ändert die Philosophie oder ein neuer Star beeinflusst die Dynamik in Kabine und auf dem Platz. Je schillernder der Neuankömmling, desto größer die Auswirkungen - klar.
Der Wechsel von Leroy Sané zum FC Bayern ist ein solcher Fall. Der Nationalspieler hat eine derart große Strahlkraft, dass er den deutschen Rekordmeister, in welcher Weise auch immer, verändern wird - ganz sicher sogar.
"Er wird die Attraktivität dieser Mannschaft nochmal verstärken", lobte Präsident Uli Hoeneß die Verpflichtung im Interview mit "Sport1". Lothar Matthäus schwärmte in der "AZ" gar, die ganze Bundesliga dürfe sich freuen.
Wie genau aber wird der Einfluss von Sané auf den FC Bayern aussehen?

Sané beim FC Bayern: Die Außenwirkung

Der neue Sportvorstand Hasan Salihamidzic hatte für diesen Sommer einen "internationalen Star" angekündigt. Trotz großer finanzieller Einschränkungen durch die Corona-Pandemie lieferten die Münchner zuverlässig.
Die Verpflichtung eines weltweit vermarktbaren Ausnahmespielers wie Sané deutlich unter dem marktüblichen Preis, wird dem Rekordmeister auch international viel Applaus einbringen.
Die Konkurrenz aus Madrid, Manchester und Barcelona dürfte zudem davon überzeugt sein, dass es der FC Bayern auch im Kampf um Europas Krone erneut ernst meint.
"Ich möchte mit dem FC Bayern so viele Titel wie möglich gewinnen, und ganz oben steht dabei die Champions League", sagt Sané nicht umsonst. Einen großen Schritt habe man gemacht, um auch weiterhin in Europa "ganz vorne mitzuspielen", meint Vorstand Oliver Kahn.
Bundestrainer Jogi Löw hatte den Transfer schon vor seiner Bekanntgabe gelobt. Das sei "super für die Liga. Er ist ein Gewinn, ein Gesicht", lobte sogar Eintracht Frankfurts Sportvorstand Fredi Bobic.

Sané beim FC Bayern: Das Mannschaftsgefüge

Auch das - so erfolgreiche - vergangene Jahr hat gezeigt: Die Kaderstruktur beim FC Bayern ist sensibel.
Rund um die Vertragsverlängerungen von Kapitän Manuel Neuer und Thomas Müller hatte es auch Diskussionen um (angebliche) Gehälter von Kollegen gegeben. Lucas Hernández war immer wieder Thema geworden.
Auch deshalb war es den Bossen wichtig, Sané den anderen Spielern nicht als Top-Verdiener vor die Nase zu setzen. Der Neuzugang sortiert sich mit einem Bruttogehalt von knapp unter 20 Millionen Euro pro Jahr nun in etwa auf einer Stufe mit Thomas Müller ein.
Nur Neuer und Lewandowski verdienen mehr. Das zeigt die Wertschätzung für den neuen Star, schafft aber keine neuen Probleme.
Die von Sané geforderte Nummer "10" wird freigeräumt. Zuvor hatte sie Philippe Coutinho getragen. Der spielt aber ab September keine große Rolle mehr, soll den Klub wieder verlassen.
Trainer Flick ist ein homogenes Gefüge sehr wichtig. Deswegen wird er auch in der kommenden Saison darauf achten, keine Grüppchenbildung zuzulassen. Die Gefahr dazu besteht durchaus.
Allein die Gruppe der jungen deutschen Nationalspieler um Sané, Joshua Kimmich, Serge Gnabry, Niklas Süle und Leon Goretzka verstehen sich allesamt gut. Dazu gibt es nach der Verpflichtung von Tanguy Nianzou Kouassi mittlerweile sechs Franzosen im Team.
"Hansi Flick kenne ich noch aus der U21-Nationalmannschaft, wir hatten da eine sehr gute Beziehung", sagt Sané. Der solide, bodenständige Flick wird seinen extrovertierten neuen Star also zu handeln wissen. "Leroy passt als Typ, als Charakter sehr gut in unsere Mannschaft", meint Kahn.

Sané beim FC Bayern: Auf dem Platz

Nach dem Abgang der Vereinsheiligen Franck Ribéry und Arjen Robben im vergangenen Sommer befürchteten viele Beobachter, dem FC Bayern würden harte Jahre des Umbruchs in der eigenen Offensivabteilung bevorstehen.
Spätestens mit der Installierung von Flick als Chefcoach im Spätherbst 2019 stellte sich diese Angst aber als unbegründet heraus.
Der 55-Jährige orchestrierte ein fein aufeinander abgestimmtes Angriffs-Ensemble rund um Goalgetter Robert Lewandowski und den wiedererstarkten Thomas Müller. Auf den Außenpositionen spielten meist Serge Gnabry und Kingsley Coman. Mit 100 Saisontoren ballerte sich der Rekordchampion zur 30. Meisterschaft.
Nun bekommt Flick eine weitere Waffe dazu. Das System muss er für den Neuankömmling nicht ändern. Sané dürfte auf seiner Lieblingsposition - der linken Außenbahn - gesetzt sein. Lewandowski bleibt auf der Neun, Müller dahinter, Gnabry auf dem rechten Flügel. Voila!
Sanés Geschwindigkeit, seine Stärke im Dribbling und sein konsequenter Zug zum Tor dürften die Mannschaft noch ein Stück gefährlicher machen. Im Verbund mit Alphonso Davies bildet der Neuzugang die schnellste linke Seite Europas.
"Seine Qualitäten sind unumstritten. Seine Geschwindigkeit, seine technischen Qualitäten und seine Torgefährlichkeit machen ihn zu einem absoluten Top-Spieler", schwärmt Kahn.
Für den verletzungsanfälligen Franzosen Coman bleibt zunächst nur die Rolle des ersten Herausforderers.
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