FC Bayern München: Dank Cleverle Joshua Kimmich auf Erfolgskurs
Publiziert 04/03/2020 um 11:13 GMT+1 Uhr
Aushilfsinnenverteidiger Joshua Kimmich lieferte im DFB-Pokal-Viertelfinale beim FC Schalke (1:0) eine nahezu fehlerlose Vorstellung und sicherte dem FC Bayern darüber hinaus mit seinem Siegtreffer das Halbfinal-Ticket. Der 25-Jährige glänzt in diesen Tagen jedoch nicht nur auf dem Platz mit Topleistungen, sondern präsentiert sich auch außerhalb des Rasens als meinungsstarker Führungsspieler.
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Seinen beigen Schal hatte Hasan Salihamidzic sehr kunstvoll um den Hals gewunden – und zu diesem eleganten Bekleidungsdetail passten auch die Worte, die Münchner Sportvorstand zu Joshua Kimmich fand. Der 25-jährige Nationalspieler hatte beim 1:0-Pokalsieg auf Schalke zur Abwechslung die zweite Innenverteidigerposition neben David Alaba eingenommen.
In den Wochen zuvor übernahm er auch mal den Job rechts in einer Dreierkette, agierte als einziger defensiver Mittelfeldspieler oder in einer Doppel-Sechs mit Thiago. "Er kann“, stellte Salihamidzic nun also fest, "einfach alles. Der Junge ist wirklich sehr, sehr gut.“ Und:
Salihamidzic über Kimmich: Einer der besten in Europa
Das klang schon recht feierlich, aber Münchens Champions-League-Sieger von 2001 und sechsmaliger deutscher Meister war noch nicht fertig. Er lobte den "Vollprofi“ Kimmich, mit dem er oft spreche – und der begriffen habe, dass er sich bei der Arbeit auf dem Platz stets konzentrieren muss, der jedes Spiel gewinnen will. "Überall, wo man ihn hinstellt, ist er – ich will nicht sagen: Weltklasse", konnte sich Salihamidzic am Ende seiner Lobeshymne gerade noch bremsen. "Aber ich muss sagen: Für mich ist er einer der besten Spieler in Europa."
Die Besten in Europa wären die Bayern, in der Champions League zuletzt vor sieben Jahren erfolgreich, gerne mal wieder. Durch das 3:0 in der Vorwoche beim FC Chelsea stehen sie mit eineinhalb Beinen zumindest schon mal im Viertelfinale der Königsklasse.
Mit dem souveränen Erfolg bei den arg defensiven Schalkern haben sie zudem gerade das Halbfinale im nationalen Cup erreicht – und in der Liga den Vorsprung auf Verfolger Leipzig kürzlich auf drei Punkte ausgebaut. "Wir haben einen guten Lauf", findet Sportchef Salihamidzic. "Die Mannschaft ist gut drauf, sie ist fit", sagt Trainer Hansi Flick.
Zustand konservieren – in den heißen Monat April
Diesen Zustand gilt es nun zu konservieren – über die Liga-Spiele gegen Augsburg, bei Aufsteiger Union Berlin und das zweite Duell gegen Chelsea hinweg bis in die Wochen nach der Länderspielpause. Dann, wenn es im April in die heiße Saisonphase geht, unter anderem mit den entscheidenden Duellen um den Meistertitel in Dortmund, in Leverkusen und gegen die zuletzt auswärtsstarken Gladbacher.
Die Pokalaufgabe in Gelsenkirchen haben die Münchner angesichts dieses Programms überaus geschickt gelöst: Mit extremer Dominanz und 81 Prozent Ballbesitz – so also, dass fast immer der Gegner dem Spielgerät hinterherrennen musste. Und nicht die Bayern. "Wir haben sehr clever gespielt. Ich bin zufrieden mit der Art und Weise, wie wir dieses Spiel gewonnen haben", kommentierte Übungsleiter Flick entsprechend.
Ins Bild von den gewieften Bajuwaren passte auch der Zeitpunkt des einzigen Treffers – erzielt von Allrounder Kimmich, fünf Minuten vor dem Pausenpfiff. Der erfolgreiche Schütze freute sich zum einen darüber, "mal ein wichtiges Tor" beigesteuert zu haben. Und nicht nur eines, "wo man sich einreiht“ – so wie zuletzt beim 6:0 über Hoffenheim. Zudem goutierte der gebürtige Rottweiler dies: "Es war gut, dass wir das 1:0 in der ersten Halbzeit geschossen haben. Dadurch konnten wir es nach der Pause ruhig angehen."
Wacher Blick – und klare Ziele
Dank des Cleverles aus der ältesten Stadt Baden-Württembergs können die Bayern in diesem Jahr nun weiter den Dreifach-Triumph in Meisterschaft, Pokal und Champions League anpeilen. Als ernstzunehmender Triplekandidat? "Ich will das Wort nicht aussprechen, aber die Möglichkeit besteht. Wir trauen uns einiges zu", betonte Kapitän Manuel Neuer, der an seiner früheren Wirkungsstätte – drei Tage nach dem Sinsheimer Skandalspiel mit den Beleidigungen gegen TSG-Mäzen Dietmar Hopp – von den Schalker Fans einmal mehr als "Hurensohn" verunglimpft wurde.
"Das gleiche Wort, das auch gegen Herrn Hopp gefallen ist", merkte Matchwinner Kimmich hierzu kühl an. Und ordnete die Rufe aus dem S04-Block anschließend mit einem wachen Blick auf die Vorfälle in Sinsheim ein:
Denn: "Bei rassistischen Vorfällen hätte man meiner Meinung nach auch handeln müssen." Sprach’s und bestätigte damit eindrucksvoll die These von Sportvorstand Salihamidzic, der in Joshua Kimmich mittlerweile eine echte Persönlichkeit sieht.
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