Der 26. Juni 2018 dürfte vielen deutschen Fußballfans noch in unguter Erinnerung sein. In Kazan trat die Nationalmannschaft damals im entscheidenden Vorrundenspiel der Weltmeisterschaft gegen Südkorea an - und verlor.
Auf Seiten der Koreaner spielte Jae-sung Lee über 90 Minuten lang mit. Der damals 25-Jährige machte ein gutes Spiel, schied aber mit seinem Team ebenfalls aus dem Turnier aus. Es waren die einzigen drei Punkte der Asiaten in Russland.
Lee selbst aber schlug Kapital aus der großen WM-Bühne. Genau einen Monat nach Kazan verlagerte er seinen Lebensmittelpunkt nach Deutschland. Der Zweitligist Holstein Kiel hatte ihm ein Angebot unterbreitet.
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Lee, der zuvor nur in Südkorea gespielt hatte, nahm an.

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Gut zweieinhalb Jahre später darf sich der inzwischen 28-Jährige am Mittwochabend (ab 20:45 Uhr im Liveticker) erneut im landesweiten Rampenlicht beweisen. Die Störche empfangen den FC Bayern zum letzten Nachholspiel der 2. Pokalrunde.
Lee wird dabei natürlich in der Startelf der Gastgeber stehen. Er ist in den vergangenen Jahren zu einer echten Nummer in Liga zwei gereift. Er ist so gut, dass sogar Bayern-Coach Hans-Dieter Flick auf der obligatorischen Pressekonferenz vor der Partie über ihn sprach.
"Wir müssen die Räume besetzen, in die er immer wieder läuft und ihm so seine Stärken nehmen. Wenn es zu Eins-gegen-eins-Situationen kommt, ist es wichtig, diese zu gewinnen", sagte der Triple-Trainer.
Gelingt den Bayern dies, wäre Kiel seiner größten Stärken beraubt. Denn von Lee hängt bei den Norddeutschen viel ab, er ist der Schlüsselspieler.

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Lee hat Fähigkeiten, die erstligareif sind

Der Koreaner bewegt sich frei in der Offensive des Zweitligisten. Eigentlich ist er als Spielmacher zentral auf der Zehn zuhause, Trainer Ole Werner stellt ihn aber auch als mitspielenden Mittelstürmer auf, wenn auf dieser Position Bedarf besteht.
Für Lee ist diese Umstellung kein Problem, denn auf dem Fußballplatz bewegt er sich Instinktiv, auch weil Spielverständnis, Technik und Timing absolut erstligatauglich sind - ein Tor mehr hier und dort könnte es sein. Das kann ja noch kommen.
Weil auch im Spiel gegen den Ball kaum Schwächen bestehen, steht der Name Jae-sung Lee nicht erst seit gestern auf den Wunschzetteln vieler Vereine. Besonders weil obendrein auch sein Vertrag im kommenden Sommer ausläuft.

Hamburg, Hoffenheim und Bremen interessiert

Schon vor Beginn dieser Saison flatterten eine Menge Anfragen für den Koreaner bei Holstein-Manager Uwe Stöver herein.
Dem Hamburger SV, Werder Bremen und der TSG Hoffenheim wird lebhaftes Interesse am 28-Jährigen nachgesagt. Die Dunkelziffer dürfte deutlich höher sein. Trotzdem widerstand der Verein den offerierten Summen bis zu drei Millionen Euro.
Auch im aktuell laufenden Transferfenster bleibt der Verein hart.
"Wir haben wie im vorigen Sommer eine klare Haltung: Ein Verkauf ist kein Thema. Wir sind der Ansicht, dass wir mit Jae-sung Lee eine größere Chance auf sportlichen Erfolg haben. Außerdem werden wir alles versuchen, mit ihm den Vertrag zu verlängern“, gibt sich Stöver kämpferisch.
Für den Umworbenen ist das kein Problem.
"Ich hätte im Sommer die Möglichkeit gehabt zu wechseln", sagte er. "Aber ich wollte meinem Verein, der mir geholfen hat, in Europa Fußball zu spielen, und seinen sportlichen Ambitionen nicht im Wege stehen." Er wolle einen "schönen und harmonischen" Abschied, "wann auch immer der kommen mag".

Jae-Sung Lee beim WM-Spiel gegen Deutschland und Mats Hummels

Fotocredit: Getty Images

Lee deutet Abschied zum Saisonende an

Für Lee und Holstein steht der sportliche Erfolg in dieser Saison an erster Stelle. Dieser wird nicht nur im Pokalspiel gegen den Rekordmeister gemessen, sondern vor allem in der Liga.
Und die Aussichten sind gut. Mit etwas Glück springt am Ende sogar der Aufstieg heraus. Nach aktuell 15 Spielen belegen die Störche den dritten Rang, der zum Relegationsduell gegen den Bundesliga-16. berechtigen würde. Der Rückstand auf den Tabellenführer aus Hamburg beträgt nur einen Punkt.
Wird das ganz große Ziel verwirklicht, könnte sich Lee was die eigene Zukunftsplanung betrifft vielleicht sogar noch einmal umentscheiden. In seinem auf Koreanisch verfassten Internet-Fußballtagebuch schrieb er vor wenigen Tagen vielsagend von Abschied:
"Ich bin mir der Zukunft nicht sicher, aber es ist wahrscheinlich, dass diese Saison das Ende der Zeit in Kiel sein wird“, kündigte er an. Gleichzeitig aber werde er versuchen, "so viel wie möglich für den Rest der Zeit hier zu behalten und zu fühlen".
Das Spiel gegen den FC Bayern soll der Höhepunkt seiner Zeit bei Holstein werden.
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