Wenn man einen Berg erklimmen möchte, nimmt man am besten wenig Gepäck mit. Diese "Bauernregel" ist zwar frei erfunden, macht aber durchaus Sinn.
Von daher ist gut nachvollziehbar, dass André Silva auf seinem frühen Karriereweg das eine oder andere Problem hatte. Der portugiesische Stürmer ging nämlich konstant bergauf und hatte dabei zwei fette Rucksäcke geschultert.
Den einen hatte ihm der AC Mailand aufgesetzt, als der italienische Weltklub für den jungen Mann rund 38 Millionen Euro an den FC Porto überwies. Den anderen packte der große Cristiano Ronaldo obendrauf, als er Silva in aller Öffentlichkeit etwas Unbedacht als seinen legitimen Nachfolger bezeichnete.
Bundesliga
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Viel zu tragen für einen Jungen aus Baguim do Monte, der den ihm aufgeladenen Druck in den vergangenen Jahren deutlich spürte und kurzzeitig vom Weg abkam.
Nun aber hat er sich und den Weg zum Gipfel (wieder-)gefunden. Nicht beim AC Mailand oder in Sevilla, wohin er zwischendurch schonmal ausgeliehen worden war, sondern in Hessen. Der Stürmer von Eintracht Frankfurt gehört nach einiger Anlaufzeit zu den besten Spielern der Bundesliga.

Im Dunstkreis von Lewandowski und Haaland

Wenn die SGE heute (ab 20:45 Uhr im Liveticker) in Leverkusen zum Nachholspiel der zweiten DFB-Pokalrunde antritt, wird wieder das gesamte Spiel auf den Mann mit der Nummer 33 ausgelegt sein.
Seine Kombinationsfreude, der unbedingte Wille, dorthin zu gehen, wo es nötig ist, die Schnelligkeit, seine Kopfballstärke und Eiseskälte im Abschluss haben ihn unverzichtbar gemacht.
Silva ist - spätestens seit dem Winterabgang seines Sturmkollegen Bas Dost - der unumstrittene Fixpunkt und ultimative Schlüsselspieler der Eintracht. Dieses Vertrauen zahlt er in Toren zurück.
Nach 15 Pflichtspieleinsätzen in Cup und Meisterschaft stehen für den mittlerweile 25-Jährigen zwölf Tore und fünf Vorlagen zu Buche. Eine sehr vorzeigbare Bilanz.
Zur Einordnung: In der Bundesliga trafen nur die Ausnahmespieler Robert Lewandowski vom FC Bayern (20 Tore) und Dortmunds Erling Haaland (12) öfter. Silva (11) befindet sich also in exklusiver Gesellschaft.

Frankfurts Stürmer Andre Silva traf zum 1:0

Fotocredit: SID

Odyssee endet am Main

Dass der Portugiese in Frankfurt eine Heimat gefunden hat, war in dieser Qualität nicht zwingend zu erwarten. Zu schwankend erschien er in seinen Leistungen, zu aufgewühlt wirkte er nach seiner Odyssee durch halb Europa.
Von Porto 2017 an den AC Mailand verkauft, wurde er nach einem leistungsmäßig durchschnittlichen Jahr nach Sevilla verliehen, von wo er ein weiteres Jahr später nach Italien zurückkehrte.
Weil die Rossoneri zu diesem Zeitpunkt längst ein Auge auf den Frankfurter Ante Rebic geworfen hatten, verrechnete man Silva im Deal mit der Eintracht. Zunächst eine Saison zur Leihe kam der Stürmer an den Main.
Im vergangenen September kaufte Sportdirektor Fredi Bobic den Portugiesen für den Schnäppchenpreis von drei Millionen Euro schließlich und stattete ihn mit einem Vertrag bis ins Jahr 2023 aus.
"Es war bisher für mich nicht einfach, konstant auf hohem Niveau zu spielen, denn dazu musst du konstant bei einem Verein sein. Wenn du aber ständig wechselst, geht der Aufzug mal nach unten", sagte Silva in seinem ersten Jahr in Deutschland. Mittlerweile ist die Konstanz da und das hohe Niveau erst recht.

Hütter zieht Vergleich mit Lewandowski

Beides bringt Selbstvertrauen in rauen Mengen mit sich. Beim Portugiesen wird dies besonders deutlich, wenn seine Mannschaft einen Strafstoß zugesprochen bekommt.
Fünf aus fünf Elfmetern hat Silva in dieser Saison allein verwandelt. Insgesamt sind es deren acht, seit er in Deutschland spielt. Ohne Fehlschuss. Für seinen Trainer Adi Hütter der Ausdruck höchster Güteklasse.
"Wenn er an den Punkt geht, erinnert er mich an Lewandowski", sagte der Schweizer nach dem Strafstoß-Doppelpack Silvas in Mainz am vergangenen Wochenende. Der Bayernstürmer gilt als bester Neuner der Welt und bleibe "immer eiskalt und souverän", so Hütter.

Eintracht hat Interesse an Zirkzee

Der Trainer tut gut daran, seinen Stürmer zu Höchstleistungen zu coachen. Schließlich hat er nur diesen einen.
Ragnar Ache ist verletzt, Dost trägt mittlerweile das Trikot des FC Brügge. Da kommt es nicht von ungefähr, dass Frankfurt lebhaftes Interesse an einer Verpflichtung von Joshua Zirkzee hat. Der saß zuletzt beim FC Bayern nichtmal mehr auf der Bank. In Hessen soll er Silva als Leihspieler hier und da entlasten, so der Plan.
Immerhin zeichnet der Portugiese in dieser Spielzeit für 56 Prozent aller Frankfurter Tore verantwortlich. Diese Quote auf Dauer einzuplanen, wäre ein weiterer Rucksack auf den Schultern des 25-Jährigen.
Der wirkt zwar mittlerweile besser gerüstet für schweres Gepäck, unnötig schwermachen sollte man ihm das Leben aber natürlich nicht.
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