Drei Dinge, die bei HSV gegen Freiburg auffielen: Daniel Heuer Fernandes - vom Pokal-Helden zum Unglücksraben
Publiziert 20/04/2022 um 00:43 GMT+2 Uhr
Der SC Freiburg steht erstmals in seiner Vereinsgeschichte im DFB-Pokalfinale. Das Erfolgsrezept der Breisgauer lag beim 3:1 (3:0) gegen den Hamburger SV in der Effektivität und dem glücklichen Umstand, dass HSV-Torwart Daniel Heuer Fernandes vom Pokal-Helden zum Unglücksraben mutierte. Trainer Christian Streich denkt trotz des Erfolges bereits an die fernere Zukunft. Was uns auffiel.
Streich nach Pokal-Erfolg gegen HSV: "Wo gibt's jetzt noch Wein?"
Quelle: SID
"Einzigartiger Verein - zieh ins Finale ein!" stand auf einem Spruchband der Freiburger Fans. Die Profis auf dem Rasen folgten diesem Wunsch. Der SC Freiburg steht erstmals in der Vereinsgeschichte im Pokal-Endspiel.
Der Bundesligist erlebte im ausverkauften Volksparkstadion vor 57.000 Zuschauern einen perfekten Start und lag bereits nach 35 Minuten mit 3:0 vorne.
Nils Petersen (11. Minute), Nicolas Höfler (17. Minute) und Vincenzo Grifo (35. Minute, Foulelfmeter) sorgten für eine frühe solide Führung. Das 1:3 durch Robert Glatzel in der 88. Minute kam für eine Aufholjagd zu spät.
Drei Dinge, die uns beim DFB-Pokal-Halbfinale zwischen dem HSV und Freiburg auffielen.
1. Streich triumphiert und spricht dennoch vom Abstiegskampf
Es ist nicht das erste Mal, dass Christian Streich in ein DFB-Pokalfinale einzieht. 1987 gelang ihm dies als Spieler mit den Stuttgarter Kickers. Als das Finale in Berlin ausgespielt wurde - der Gegner war der Hamburger SV - konnte Streich allerdings nicht daran teilnehmen. "Da war ich auf der Tribüne, da war ich zu schlecht", erinnert sich Streich an die damalige Niederlage.
Nun wird er auf der Trainerbank sitzen, wenn am 21. Mai das Endspiel gegen den 1. FC Union Berlin oder RB Leipzig stattfindet. Dass der ansonsten so reserviert wirkende Trainer extra zu den mitgereisten Fans ging und zur La Ola-Welle einstimmte, zeigt eindrucksvoll, was ihm dieser Erfolg bedeutet. Einige seiner Spieler verpassten ihm auch noch eine Selter-Dusche.
Als die erste Euphorie verflogen war, gab er sich allerdings wieder realistisch. Ob das der schönste Sieg seiner Karriere war? "Nein, das war nicht der schönste Sieg. Siege sind immer schön. Und auch in der A-Jugend sind wir ein paar Mal ins Finale gekommen. Das war auch außergewöhnlich", antwortet er.
Gleichwohl erlebt Streich mit dem SC Freiburg eine historische Saison. Der Verein steht zum ersten Mal im Finale und könnte sich zudem für die Europa League oder sogar erstmals für die Champions League qualifizieren.
Streich denkt allerdings bereits einen Schritt weiter. "Wir sind jetzt sehr erfolgreich. Das ist schön. Aber wir müssen schauen, dass wir realistisch draufschauen. Das ist die Aufgabe für die Zukunft", stellt er klar. "Es wird auch wieder Phasen geben, wo es ganz eng wird. Es ist fast jedes Jahr so, dass sechs, sieben, acht, manchmal neun Mannschaften gegen den Abstieg spielen können. Die Bundesliga ist gnadenlos."
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Christian Streich - SC Freiburg
Fotocredit: Imago
2. Heuer Fernandes: Vom Pokal-Helden zum Unglücksraben
Daniel Heuer Fernandes war bislang der Pokal-Held des Hamburger SV. Drei Mal führte er seine Mannschaft per Elfmeterschießen in die nächste Runde. Dabei ließ er nur sieben von 14 Elfmeter ins Tor. Vier konnte er parieren, drei wurden verschossen. Diesmal allerdings erlebte der Schlussmann des HSV den Pokal von der anderen Seite - und zwar von der bitteren.
Bei beiden Gegentoren, die sich in der 11. und 17. Minute ereignet hatten, gab er keine gute Figur ab. Vor dem 0:1 konnte er den Ball per Faustabwehr nicht richtig klären, sodass Nils Petersen per Kopfball traf.
Nur sechs Minuten später spielte Heuer Fernandes, der von Trainer Tim Walter oft für seine fußballerischen Qualitäten gelobt wird, einen Pass unter Druck praktisch vor die Füße von Gegenspieler Roland Sallai. Wenige Sekunden später zappelte der Ball nach einem abgefälschten Schuss von Nicolas Höfler im Netz.
Da passte es ins Bild, dass ihm auch das Glück beim Elfmeter verließ und er in die falsche Ecke sprang, als Vincenzo Grifo vom Punkt aus zum 0:3 traf.
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Daniel Heuer Fernandes (l./HSV) im Zweikampf mit Nils Petersen (SC Freiburg)
Fotocredit: Imago
3. Freiburg besticht auch im Pokal durch Effektivität
Auch wenn die frühe 3:0-Führung das vermuten lässt, hat der SC Freiburg kein Fußball-Feuerwerk fabriziert. Sie standen zwar von Spielbeginn an sehr hoch und setzten die Hamburger mit ihrem Pressing unter Druck. Dennoch fanden die Norddeutschen Möglichkeiten, um sich aus den Situationen zu befreien und Torchancen zu erspielen.
Beide Mannschaften hatten mit jeweils zwölf Abschlüssen gleich viele Torschüsse. HSV-Trainer Tim Walter weiß, wo trotzdem der Unterschied lag: "Man hat gesehen, dass die effizientere Mannschaft Spiele gewinnt."
Ähnlich wie häufig in der Bundesliga nutzte Freiburg in der ersten Halbzeit die wenigen Chancen. Oder anders ausgedrückt: Der Bundesligist bestrafte die Fehler des Zweitligisten. Zweimal profitierten sie von einem Fehler des gegnerischen Torhüters, einmal von einem völlig unnötigen Foulspiel von Moritz Heyer, der mit einem Elfmeter bestraft wurde.
"Es war kein unverdienter Sieg. Aber der HSV hat uns alles abverlangt", zollte Streich dem Gegner Respekt.
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HSV-Coach Walter hadert nach Pokal-Aus wegen Elfmeterszene
Quelle: Perform
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