Wie schon in den beiden Bundesligaspielen kehrte der SC Freiburg auch im Finale zu einer Dreierkette in der Abwehr zurück. Manuel Gulde erhielt den Vorzug gegenüber Woo-Yeong Jeong (Bank). Auch die Leipziger agierten wenig überraschend im 3-4-3. Im Vergleich zum letzten Bundesligaspieltag spielte Lukas Klostermann für Angelino (Bank).
Beiden Teams war der gegenseitige Respekt von Beginn anzumerken. Weder Leipzig noch Freiburg wollten zu sehr ins Risiko gehen, so entstanden ein kontrollierter Spielaufbau. Auch im Pressing hielten sich beide Mannschaften zunächst zurück. Leipzig versuchte über mehr Ballbesitz Kontrolle in das Finale zu bekommen, die Freiburger lauerten naturgemäß auf Umschaltmöglichkeiten.
Nach der vorsichtigen Anfangsphase nahm die Partie allmählich an Fahrt auf. Erst prüft Emil Forberg SC-Keeper Marc Flekken mit einem strammen Schuss (14.), ehe Maximilian Eggestein per Flachschuss die Breisgauer mit 1:0 in Führung schoss (19.) Der Treffer musste aufgrund eines klaren Handspiels von Roland Sallai geprüft werden, doch das Tor hielt stand.
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Der leichte Favorit aus Sachsen musste nun mehr investieren und wäre beinahe schnell zum 1:1 gekommen. Nach einem katastrophalen Fehler von Nicolas Höfler tauchte Christopher Nkunku völlig frei vor Flekken auf und brachte die Kugel am Keeper vorbei. Doch Nico Schlotterbeck bügelte Höflers Fehler aus und kratzte den Ball von der Linie (24.).
In einer zunehmend hitzigen und hektischer werdenden Partie agierten die Freiburger immer wieder mit langen Bällen, um so schnell ins letzte Drittel zu kommen und nachrücken zu können. Die Leipziger kamen besser auf, doch bei den Sachsen machte sich aufgrund der vergebenen Großchancen schnell Frust breit. Zudem agierte Freiburg in der Defensiv sehr stabil, André Silva hing völlig in der Luft und auch Christopher Nkunku hatte ganz wenige Szenen.
Auch im zweiten Durchgang hatte RB mehr vom Spiel, ohne wirklich gefährlich zu werden. Nkunkus Schuss sollte lange Zeit der einzige Abschluss gewesen sein (50.). So musste Leipzig bald den nächsten Rückschlag hinnehmen. Nach einem Laufduell mit Lucas Höler konnte Marcel Halstenberg nur noch die Notbremse ziehen. Die Folge war die Rote Karte (57.).
Nun sprach alles für den SC Freiburg, der in der Folge mehr vom Spiel hatte und den Ball gut laufen ließ. In Unterzahl ging von Leipzig kaum noch Gefahr aus. Stattdessen haderten die Sachsen immer wieder mit den Schiedsrichterentscheidungen. Doch Stegemann zeigte eine gute Leistung, lag bei den spielentscheidenden Szenen weitgehend richtig.
In Überzahl versäumten es die Breisgauer, auf die Entscheidung zu gehen. Stattdessen wurden die Angriffe immer seltener, die Aktionen immer ideenloser und langsamer. So konnte sich Leipzig vom Schock erholen und spielte in Unterzahl plötzlich befreit auf. So war es Nkunku, der den verdienten 1:1-Ausgleich erzielte (76.).
Auch in der Schlussphase waren die Sachsen am Drücker, hatten durch Dominik Szoboszlai (82.), Henrichs (82.) und Dani Olmo (86.) mehrfach das 2:1 auf dem Fuß.
In der Verlängerung zeigten sich die Freiburger wieder aktiver, Ermedin Demirovic traf per Kopf nur den linken Pfosten (92.). Offensiv waren die Leipziger weiterhin deutlich griffiger, sodass es immer wieder brenzlig im Breisgauer Strafraum wurde. Dennoch hatten die Freiburger die Riesenchance auf das 2:1, doch Peter Gulacsi lenkte einen Schuss von Jannik Haberer an den linken Pfosten, den Nachschuss setzte Ermedin Demirovic über den leeren Kasten (104.).
Im weiteren Verlauf der Verlängerung suchte Freiburg die Lücke. Leipzig musste dem Aufwand Tribut zollen und zog sich immer weiter in die Defensive zurück. Erneut war es der auffällige Haberer, der das 2:1 auf dem Fuß hatte, doch erneut nur Aluminium traf (115.). Sein Schuss aus 17 Metern krachte an die Latte. Kurz vor Ende sah dieses packende Finale den nächsten Aufreger: Höfler ging mit vollem Risiko in den Zweikampf mit Olmo, erwischte den Spanier klar (117.). Stegemann schaute sich die Szene auf dem Monitor an und sah, dass der Freiburger minimal den Ball touchierte. So gab es Ecke anstatt Foulelfmeter. Großes Glück für den SCF. Für Kampl war dies zu viel, der bereits ausgewechselte Leipziger sah auf der Bank glatt Rot (119.).
Im Elfmeterschießen zeigten die Sachsen keine Nerven, während ausgerechnet Freiburgs Kapitän Christian Günter den Ball über den Kasten setzte. Demirovics Lattenknaller entschied das DFB-Pokalfinale dann zugunsten der Roten Bullen.
Nach zwei verlorenen Finals feiert RB Leipzig den ersten großen Titel in der noch recht jungen Vereinsgeschichte. Die Sachsen sind der 26. Titelträger in der Geschichte des DFB-Pokals.

Stimmen zum Spiel:

Oliver Mintzlaff (Geschäftsführer RB Leipzig): "Es ist Wahnsinn. Wir haben 60 Minuten mit zehn Mann gespielt. Wir sind ganz schlecht ins Spiel gekommen, haben eine miserable erste Halbzeit gespielt. Wir hatten Angst, sind nicht in die Zweikämpfe gekommen. Wir mussten ein anderes Gesicht zeigen. Dann die berechtige Rote Karte. Dass es am Ende so geklappt hat, ist unfassbar. Wir waren sicherlich nicht zufrieden mit der Schiedsrichterleistung, das habe ich Sascha Stegemann auch mitgeteilt. Aber das spielt heute keine große Rolle, wir werden es heute richtig krachen lassen. Das ist ein historischer Abend für uns."
Emil Forsberg (RB Leipzig): "Ich habe keine Worte. So zu gewinne, ist einfach der Wahnsinn. Das zeigt Leidenschaft, Mentalität, aber, dass wir auch eine Mannschaft. Ich bin sehr stolz. Es hat sieben Jahre gedauert, aber jetzt haben wir gewonnen. Ich glaube, Domenico (Tedesco, Anm. d. Red.) hatte sechs oder sieben Co-Trainer heute. Wir haben versucht, die Jungs zu pushen. Wir wollten unbedingt gewinnen. Ich bin stolz. Es wird groß gefeiert, es ist der erste Titel."
Domenico Tedesco (Trainer RB Leipzig): "Man braucht ein paar Tage, um das zu verarbeiten. Es war ein sehr emotionales Spiel, ein sehr, sehr gutes Spiel von uns. Wir sind sehr glücklich. Eine Sache ist natürlich die Systemumstellung, aber wir mussten den fehlenden Spieler auch kompensieren. In der Art und Weise wie sie das gemacht haben, war Wahnsinn. Die Einwechselspieler sind immer parat, das war unser großer Trumpf. Jesse Marsch hat genauso seinen Anteil, die Mannschaft war von Anfang an intakt. Natürlich ändert man ein paar Stellschrauben. Heute Abend besuchen wir einen Club mit über 200 Mitarbeitern."
Christian Streich (Trainer SC Freiburg): "Man muss immer wieder dran denken, wenn Emotionen hochkommen, dass es nur ein Fußballspiel ist. Ich habe meine Spieler gesagt, dass sie ein wahnsinnig tolle Saison gespielt haben. Wir haben eine tolle erste Halbzeit gespielt. Nach der Roten Karten hatten wir dann aber ein klein bisschen Angst, Fehler zu machen. Das ist aber menschlich. Wir hätten es noch besser ausspielen sollen. Der eine oder andere lange Ball war zu viel, doch das ist Jammern auf ganz hohem Niveau. Wir spielen nächsten Jahr Bundesliga und Europapokal. Wir haben dreimal gegen Leipzig gespielt, dreimal nicht verloren. Die Fans sind dankbar, die ganze Karawane zog nach Berlin. Das ist auch richtig, denn die Mannschaft leistet Unglaubliches. Es ist ein Geben und Nehmen. Wir gewinnen zusammen und verlieren zusammen."

Das fiel auf: Freiburger Passivität nach Halstenbergs Notbremse

1:0 in Führung, dazu ab der 57. Minute in Überzahl – der SC Freiburg war rund 30 Minuten vom größten Erfolg der Vereinsgeschichte entfernt. Doch in Überzahl wirkten die Aktionen von Freiburg viel zu phlegmatisch. Im Strafraum der Leipziger wurde es nicht mehr gefährlich. Statt die Entscheidung herbeizuführen, hatte es den Anschein, als wüssten die Freiburger nichts mit der Überzahl anzufangen. Stattdessen wurden die Leipziger immer stärker und kämpften sich ins Finale zurück. Selbst in der Verlängerung zeigte Leipzig mehr Griffigkeit und hatte die deutlich besseren Aktionen als die Breisgauer.

Tweet zum Spiel

Diese Szene sorgt für reichlich Diskussionsstoff. Sallai sprang die Kugel an die Hand, ehe sie bei Eggestein landete, der per Flachschuss das 1:0 erzielte. Die Leipziger forderten Handspiel. Doch: Dieses Handspiel war nicht strafbar. Wäre Sallai der Torschütze gewesen, hätte der Treffer nicht gezählt. Doch Eggestein traf und so war keine Unmittelbarkeit gegeben, auch wenn Sallai der Vorlagengeber war. #regelwerk

Die Zahl zum Spiel: 36

Domenico Tedesco führte die Leipziger nicht nur in die Champions League, sondern auch zum größten Triumph. Der Italiener ist mit 36 Jahren und 251 tage der jüngste Pokal-Siegertrainer seit 1979. Damals siegte Hans-Dieter Tippenhauer mit Fortuna Düsseldorf im Alter von 35 Jahren und 250 Tagen.
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