So spielt der FC Bayern München ohne Lahm und Alonso - der Taktik-Check vor dem Supercup

Nach einer schwachen Vorbereitung mit ungewohnt vielen Niederlagen geht es für den FC Bayern am Samstag (20:30 Uhr im Eurosport Player und im Liveticker) gegen den BVB um den ersten Titel der Saison. Vor dem DFL Supercup analysiert Eurosport.de im Taktik-Check, was sich beim Rekordmeister ändern wird, wie die Neuzugänge in Ancelottis System passen und welche Baustellen es im Kader gibt.

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Es könnte ein äußerst ungewohntes Bild werden, sollte der FC Bayern am Samstag den Supercup holen. Erstmals seit einer gefühlten Ewigkeit würde eben nicht Philipp Lahm die Trophäe entgegennehmen.
Damit es jedoch überhaupt soweit kommen kann, müssen die "neuen" Bayern erst einmal den BVB schlagen. Doch was ist eigentlich neu an diesem FC Bayern?

Hummels und Thiago als neue Taktgeber

Mit Lahm und Xabi Alonso hat der Rekordmeister nicht nur zwei unangefochtene Stammspieler verloren. Mindestens genauso wichtig wie die Leistung selbst waren in der Vergangenheit die strategischen Fähigkeiten der beiden Routiniers. Eine der größten Fragen für die Zukunft ist nun, wer auf dem Platz die Richtung vorgeben wird.
In den bisherigen Testspielen, deren Ergebnisse fast durchweg schwach waren, kristallisierten sich vor allem Mats Hummels und Thiago als neue Fixpunkte auf dem Platz heraus.
Hummels wächst immer mehr in jene Rolle, die er schon zu Dortmunder Zeiten inne hatte: Mit Dribblings ins Mittelfeld, mutigen Pässen zwischen die Linien oder langen Bällen hinter die letzte Linie des Gegners wird er zum Spielmacher aus der Abwehr heraus.
Gerade Thiago sammelte schon letzte Saison regelmäßig viele Ballkontakte und setzte große offensive Impulse, nun zeigt er sich jedoch noch präsenter im Aufbau und holt sich die Bälle tiefer ab. Aktuell pausiert der Spanier jedoch verletzungsbedingt.

Das Mittelfeldzentrum und die Neuzugänge

Damit wird die Antwort auf die Frage der idealen Mittelfeldbesetzung vorerst zumindest nicht vollkommen beantwortet werden können. Carlo Ancelotti wird weiterhin im 4-2-3-1 und 4-3-3 spielen lassen. Doch wie plant er mit den Neuzugängen?
Sebastian Rudy ist am besten als alleiniger Sechser aufgehoben. Hier kann er als Verbindungsspieler mit seinem sicheren Passspiel und seiner guten Positionierung im Rücken der gegnerischen Stürmer als erste Anspielstation für die Innenverteidiger dienen und das Spiel dann mit einfachen Pässen nach vorne tragen.
Der ehemalige Hoffenheimer zeichnet sich nicht durch lange Seitenwechsel wie Vorgänger Alonso aus. Rudys Spielweise kommt da eher der eines Julian Weigl von Borussia Dortmund oder Sergio Busquets vom FC Barcelona nahe.
Corentin Tolisso, der zweite Neuzugang im zentralen Mittelfeld, ist eher für den offensiveren Part einer Doppelsechs vorgesehen. Mit seinem Zug zum Tor ist er der ideale Box-to-Box-Spieler. Zusammen mit Arturo Vidal könnte er auch die Achterpositionen im 4-3-3 vor Rudy besetzen, solange Thiago ausfällt.

"Robbery" bleibt unverzichtbar

Im Angriff ist die Lage deutlich klarer. Auch in der neuen Saison wird die offensive Verantwortung bei den Individualisten Franck Ribéry und Arjen Robben sowie Toptorjäger Robert Lewandowski liegen. Im 4-2-3-1 würde Thomas Müller noch als wichtige Ergänzung dazukommen und mit seinen intelligenten Läufen für Freiräume sorgen, die die dribbelstarken Mitspieler nutzen können.
Bei Robben und Ribéry kann man – sowohl aufgrund ihrer Verletzungshistorie als auch ihres fortschreitenden Alters – davon ausgehen, dass sie einige Spiele verpassen werden.
Douglas Costa, der lange Zeit als Kronprinz von "Robbery" galt, hat den Verein verlassen. So müssen Müller, Kingsley Coman und Neuzugang James Rodríguez einspringen, um Ribéry und Robben zu entlasten.
Hier könnte es problematisch werden: Denn keiner der drei nominellen Vertreter bietet ein vergleichbares Paket an Fähigkeiten wie die alternden Flügelflitzer. Müller ist und bleibt ein verkappter Stürmer, der sich im Zentrum wohler fühlt, wo er Räume in allen Richtungen erkennt und anlaufen kann.
Coman lebt von seinem Tempo auf den ersten Metern, tut sich gegen tiefstehende Gegner allerdings schwer – zu oft trifft er hier die falsche Entscheidung mit Ball.
James, der zu Saisonstart ohnehin fehlen wird, ist als Spielertyp am ehesten als klassischer Zehner einzuordnen. Seine technischen Fähigkeiten sind auf absolutem Topniveau, jedoch ist er kein Tempodribbler.
Daher ist er im Zentrum deutlich besser aufgehoben, wo er auf engem Raum seine Fähigkeiten bei der Ballannahme und beim letzten Pass ausspielen kann – das Profil erinnert sehr stark an Mario Götze, der bei Bayern auf der Außenbahn selten gute Leistung zeigen konnte.
Eurosport-Check: Die Ergebnisse aus der Vorbereitung sind angesichts der kräftezehrenden Asienreise, der verletzungsbedingten Ausfälle und dem Vorbereitungsstand der Gegner nicht allzu hoch zu bewerten. Dennoch deutete sich an, dass die Münchener noch Probleme haben.
Der Abgang zweier Führungsspieler solchen Formats steckt keine Mannschaft einfach so weg, die Bayern sind mit Spielertypen wie Hummels und Thiago jedoch gut gerüstet, auch Jerôme Boateng könnte nach seiner Rückkehr mehr Verantwortung übernehmen. Taktisch gesehen hängt extrem viel von der Besetzung des zentralen Mittelfelds ab. Hier muss Ancelotti die Balance finden und die Synergien der verschiedenen Spielertypen nutzen.
Gelingt dies und das Zentrum wird dominanter, könnten die möglichen Probleme bei einem Ausfall von Robben und/oder Ribéry auch einfacher kaschiert werden. Das Endspiel des Supercups gegen den BVB kommt da als Härtetest genau richtig.
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