Supercup Borussia Dortmund - FC Bayern München: 3 Dinge, die auffielen

Der FC Bayern schlägt Borussia Dortmund im Supercup knapp (7:6 n.E.). Beide Mannschaften zeigen sich im Gegensatz zur Vorbereitung deutlich verbessert. Während auf Seiten des Rekordmeisters ein Youngster und ein Neuzugang besonders herausstechen, wandern Peter Bosz und Borussia Dortmund mit ihrem Offensiv-Pressing auf einem schmalen Grat. Drei Dinge, die uns auffielen.

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Ruhiger Regisseur Rudy

Ablösefrei. Bereits 27 Jahre alt. Potentieller Rollenspieler. Sebastian Rudy war nicht gerade das, was man einen Blockbuster-Transfer nennen würde. Neben dem ganzen Trubel um die Verpflichtung von James Rodríguez und Rekordtransfer Corentin Tolisso, verlief der Wechsel des Hoffenheimers eher still und unauffällig. Große Erwartungen an den defensiven Mittelfeldspieler? Fehlanzeige.
Doch Carlo Ancelotti sprach Rudy gleich im ersten wichtigen Spiel der Saison sein Vertrauen aus, brachte ihn gegen den BVB von Beginn an – und behielt mit dieser Entscheidung absolut Recht.
Mit einem konzentrierten und abgeklärten Auftritt erinnerte der 27-Jährige an Ex-Mittelfeld-Regisseur Xabi Alonso. Rudy war der Ruhepol im Bayern-Spiel, dirigierte vor der Abwehr, antizipierte die Tempo-Gegenstöße der Dortmunder und hielt den offensiver agierenden Vidal und Tolisso den Rücken frei.
Damit nicht genug: Auch in die Offensive schaltete sich der Mittelfeldmotor immer wieder ein, leitete den Treffer von Lewandowski (18.) mit einem genialen Pass über die BVB-Abwehr auf Joshua Kimmich ein und testete Roman Bürki mit einem gefährliche Flachschuss (43.). Auch das 2:2 (88.) leitete er mit seinem Freistoß ein.
Zusammengefasst brachte der Ex-Hoffenheimer dem FC Bayern genau das, was im Spiel des Rekordmeisters in den Vorbereitungsspielen so schmerzlich vermisst wurde: Spiel- und Ballkontrolle im Mittelfeld. Eine Struktur.
Zudem scheint sich Rudy auch in der Mannschaft bereits ein gewisses Standing erarbeitet zu haben. Neben der Tatsache, dass sich der 27-Jährige für fast alle Standards verantworlich zeichnete, sprang Rudy sogar für Kapitän Thomas Müller bei der Platzwahl ein, als dieser kurz vor dem Spiel getaped werden musste.
Carlo Ancelotti wirds freuen. Ein Rudy in dieser Form kann auch auf Dauer eine ernstzunehmende Alternative im Bayern-Mittelfeld werden.

Schwarz-Gelbes Risikospiel

Gerade so konnte Sven Ulreich den Ball vor dem heranstürmenden Pierre-Emerick Aubameyang noch in Richtung Dortmunder Nachthimmel klären. Die Szene in der vierten Minute war bezeichnend für das Spiel des BVB in der Anfangsphase.
Die Schwarz-Gelben brannten, wirkten deutlich spritziger als noch in den Tests gegen Atalanta Bergamo und Espanyol Barcelona. Ob Ousmane Dembélé über rechts, Christian Pulisic über links oder bereits genannter Aubameyang in der Sturmspitze, alle setzten sie Bosz‘ Tempo-Pressing optimal um und zwangen die Bayern immer wieder zu Fehlern.
Den verdienten Lohn heimsten die Dortmunder Dauerläufer bereits in der zwölften Minute ein. Christian Pulisic klaute Bayern-Verteidiger Javier Martínez den Ball, – zugegeben der Spanier stellte sich bei der Annahme nicht gerade glorreich an – lief allein aufs Tor zu und verwandelte eiskalt.
Dass diese effektive, aber auch unheimlich kräftezerrende Spielweise auch Gefahren birgt, zeigte sich keine zehn Minuten später. Sowohl beim Gegentreffer, als auch bei einem erneuten Rudy-Pass kurz darauf, stand die aufgerückte BVB-Abwehr schlichtweg zu hoch und lud die Bayern zum Kontern ein.
Im zweiten Abschnitt hatte die Borussia das Spiel zwar wieder besser im Griff, trotzdem bleibt für Bosz' junge Himmelsstürmer gerade taktisch noch viel Platz nach oben.
Der BVB-Coach resümierte dementsrechend nach dem Spiel:

Lahm? Kimmich!

Ribéry auf dem linken Flügel, Müller sein Pendant auf der rechten Seite. So stand es auf dem Papier, so erwartete jeder den FC Bayern. Doch bereits nach kurzer Zeit viel auf: Ribéry? Ja, der spielte seinem Gegenspieler Lukasz Pisczcek auf links teilweise Knoten in die Beine. Und Thomas Müller? Der agierte bis zu seiner Auswechslung in der 67. Minute eher als hängende Spitze und Freigeist, anstatt auf rechts die Linie hoch und runter zu rennen.
Gut für Dortmund? Das Spiel des Rekordmeisters berechenbar und einseitig? Denkste!
Der Grund: Joshua Kimmich. Der 22-Jährige zeigte, warum er von Trainer Ancelotti bereits vor Monaten zum Nachfolger von Philipp Lahm auserkoren wurde.
Der Rechtsverteidiger war einer der Aktivposten im Spiel der Roten, setzte sowohl defensiv als auch offensiv Akzente. Teilweise wirkte der Nationalspieler fast wie der fehlende Rechtsaußen - und das trotz eines Gegenspielers wie Christian Pulisic, dem es bekanntlich an Offensivdrang und Tempo nicht mangelt.
Die Taktik von Carlo Ancelotti erinnerte dabei fast ein bisschen an seine Zeit bei Real Madrid. Auch dort ließ er den nominellen Rechtsaußen Gareth Bale immer wieder in die Mitte rücken, um somit Rechtsverteidiger Dani Carvajal Platz zu schaffen.
Kimmich füllte diese Rolle mit Bravour aus, war an beiden Bayern-Treffern direkt beteiligt. Den ersten legte er Lewandowski nach einer Traumannahme mustergültig vor, beim zweiten beförderte er den Ball so unberechenbar durch den Strafraum, dass ihn sich Bürki irgendwie selbst in den Kasten murmelte.
Damit betrieb Kimmich nicht nur Eigenwerbung im internen Duell mit Rafinha, der auf der linken Seite als Ersatz für David Alaba eher blass, aber zumindest halbwegs stabil blieb, sondern tröstete auch vorerst über den schmerzlichen Abgang von Philipp Lahm hinweg.
Einziger Kritikpunkt: Kimmich verschoss - wie schon im DFB-Pokal-Finale 2015/16 gegen den BVB - einen Elfmeter, Bayern siegte dennoch.
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