Felix Schröter im Interview über verrückte Relegation zwischen Bergen und Jerv: "Manche haben geweint"
Felix Schröter wechselte im Sommer von der SpVgg Unterhaching in die zweite norwegische Liga. Ein halbes Jahr später ist er Teil eines der spektakulärsten K.o.-Duelle der jüngeren Fußballgeschichte und steigt mit FK Jerv in die Eliteserien auf. Mit Eurosport.de spricht er über ein völlig verrücktes Spiel mit sechs Treffern in der Verlängerung, 18 Elfmetern und die anschließende Kabinenparty.
Jubel in der Kabine des FK Jerv
Fotocredit: Eurosport
Exakt 100 Jahre nach seiner Gründung steigt der norwegische Traditionsklub FK Jerv zum ersten Mal in die Eliteserien, Norwegens höchste Spielklasse, auf - und wie!
4:4 stand es nach 120 Minuten gegen den Favoriten Brann Bergen, 18 Elfmeter brauchte es anschließend, um einen Sieger zu ermitteln. Nach der regulären Spielzeit hatte es "nur" 1:1 gestanden.
Mittendrin im wohl verrücktesten Fußballspiel des Kalenderjahres 2021 ein deutscher Spieler, der erst im Sommer von der SpVgg Unterhaching nach Skandinavien wechselte: Felix Schröter.
Der 25-Jährige traf selbst vom Elfmeterpunkt und erzählt im Interview vom Wahnsinn auf dem Platz und der Party in der Kabine.
Das Interview führte Marc Hlusiak
4:4 nach Verlängerung, 8:7 im Elfmeterschießen. Das Playoff-Spiel zwischen Brann Bergen und FK Jerv war ohne Frage das verrückteste Spiel im Jahr 2021. War es auch das verrückteste Fußballspiel ihrer Karriere?
Felix Schröter: Mit Abstand! Man hätte es sich nicht schöner ausdenken können, da war wirklich alles dabei. Zwei gehaltene Elfmeter in der regulären Spielzeit, Verlängerung, Elfmeterschießen. Zudem ist unser Verein in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden und war noch nie in der ersten Liga - und dann schaffen ausgerechnet wir es, durch dieses ganz verrückte Playoffspiel - einfach Wahnsinn.
Sie lagen in der Verlängerung 3:1 und 4:3 in Führung, trotzdem ist Brann in Unterzahl zwei Mal zurückgekommen. Sechs Tore fielen zwischen der 90. und 120. Minute. Was haben Sie in diesen 30 Minuten gedacht?
Schröter: Gefühlt ist alles wie in einem Film abgelaufen. Nach dem 3:1 in der Verlängerung dachte ich mir: Jetzt schaffen wir es. Dann das 3:2 und ich denke: Oh Gott, das wird doch jetzt nicht noch mal eng werden? Nein, das geht nicht, da passiert nichts mehr. Gefühlt 30 Sekunden später fällt das 3:3 und ich frage mich, ob das gerade wirklich passiert ist. Haben wir wirklich einen Zwei-Tore-Vorsprung in der Verlängerung hergegeben? Scheiße! Wir hatten nicht mehr Spielanteile, die größeren Chancen oder allgemein mehr Chancen, sondern bei uns war gefühlt jeder Angriff ein Treffer. Für uns hat einfach alles perfekt funktioniert. Wir waren brutal effizient. Und dann machen wir auf einmal das 4:3 und ich denke, ich drehe durch - bis zum 4:4, das dann wirklich niederschmetternd war.
Und wenn man denkt, es geht nicht verrückter, dann folgen auch noch 18 (!) Elfmeter: Wie hält man das nervlich aus?
Schröter: Man ist nach der Verlängerung schon komplett drüber. Ich stand einfach nur da und habe gehofft, dass wir irgendwie gewinnen. Ich wusste nur nicht wie, ich wusste überhaupt nicht mehr, wie man ein Elfmeterschießen überhaupt gewinnt, was dafür passieren muss. Ich habe irgendwann aufgehört mitzuzählen. '1, 2, 3, 4, 5 - äh, okay.' Einfach absoluter Wahnsinn, was da abgelaufen ist. Ein echter Thriller.
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Norwegen-Drama! Sechs Tore in Verlängerung, 18 Elfer - und Brann steigt ab
Quelle: Eurosport
Waren Sie sich sicher, ihren Elfer zu verwandeln?
Schröter: Ja, ich war mir zu hundert Prozent sicher. Vor dem Elfmeterschießen gab es ja auch noch eine kurze Pause. Da denkt man dann schon nach. Für FK Jerv ist es alles, aufzusteigen. Stell dir vor, du bist es, der das alles vermasselt!? Der Gedanke ist mir schon kurz in den Kopf geschossen. Auf der anderen Seite habe ich mir den ganzen Tag über gedacht, dass ich am nächsten Tag nach Hause zu meiner Familie und meinen Freunden fliege. Ich werde denen nicht erzählen, dass wir nicht aufgestiegen sind. Für mich gab es nur den Gedanken: Wir steigen auf.
Und dann mussten Sie zur Tat schreiten.
Schröter: Oh ja, dieser ewig lange Weg nach vorne. (lacht) Man wird ausgepfiffen, nimmt das aber gar nicht wahr. Ich habe den Ball hingelegt und war mir ab dem Zeitpunkt sicher. Ich dachte nur: Du läufst jetzt an, schießt ihn rechts oben rein und fertig.
Nehmen Sie uns kurz mit in die Kabine: Was war da anschließend los?
Schröter: Ekstase. Vollgas pur - also für mich. Da gab es kein Halten mehr. Von Bier über Champagner bis Zigarillos und Zigarren. Musik, Tanzen, Schreien, Freude. Manche haben auch geweint. Da war einfach alles vorhanden.
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Brann Bergen steigt aus der Eliteserien in Norwegen ab
Fotocredit: Eurosport
Klingt nach einer gelungenen Party.
Schröter: Ja, aber wir sind leider zu früh gestört worden. Wir haben ja an einem neutralen Ort gespielt und dort wollte man dann plötzlich die Kabine absperren. Man hat uns gesagt, wir müssten jetzt aufhören mit Feiern und die Kabine verlassen. Ich habe mir nur gedacht: Vor vier Uhr gehe ich hier nicht weg! Aber wir mussten dann leider doch unsere Zelte dort abbrechen.
Bitter, vor allem in der aktuellen Zeit. Konnte aufgrund der Pandemie denn überhaupt angemessen weitergefeiert werden?
Schröter: Nein, leider nicht. Das fand ich auch ein bisschen schade. Wir wären sicherlich noch irgendwo eingekehrt, aber es hatte natürlich nichts offen. Das mindert natürlich nicht den Erfolg, aber es wäre schon sehr cool gewesen, mit allen noch mal ausgelassen zu feiern und in die Winterpause zu gehen.
Wo wir beim Thema Party sind: Können Sie mir die drei verrücktesten Feierbiester des FK Jerv nennen?
Schröter: Gestern war ich selber schon ganz gut mit dabei - das muss ich sagen. (lacht) Ansonsten Diego Campos, unser verrückter Costa Ricaner, Willis Fortado ist auch ganz vorne mit dabei und Iman Mafi unser Linksverteidiger. Das sind die drei, die mir sofort in den Sinn kommen. Und natürlich unser Kapitän Mathias Wichmann. Wenn es ums Feiern geht, ist er Ansprechpartner Nummer eins. Den muss man da nicht zwei Mal fragen.
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Felix Schröter im Trikot der SpVgg Unterhaching
Fotocredit: Getty Images
Wie gefällt es Ihnen abgesehen von sensationellen Aufstiegsspielen und Kabinenpartys in Norwegen? Wie unterscheidet sich der Fußball von dem in Deutschland?
Schröter: Es ist nicht vergleichbar - aber ich wollte immer die Herausforderung. Als ich am Ende in Unterhaching nicht mehr gespielt habe, habe ich meinen Teamkollegen immer gesagt, dass ich ins Ausland will. Ich wollte etwas Neues probieren. Mit Schweiz und Österreich ist es aber auch nicht getan, weil die Sprache die gleiche ist. Skandinavien hat mich immer schon gereizt. Ich bin sehr, sehr glücklich, dass ich es gemacht habe, dass ich die Möglichkeit bekommen habe, bei FK Jerv unterzukommen. Ich habe zuvor nicht so viel gespielt, habe aber sofort das Vertrauen vom Trainer gespürt. Ich fühle mich sehr wohl, Norwegen ist ein sehr schönes Land. Aber teuer.
Norwegen hat zudem schon einige gute Fußballer hervorgebracht. Ist Ihnen schon ein neuer Haaland über den Weg gelaufen?
Schröter: Nicht wirklich, obwohl selbst in der zweiten Liga hier richtig gute Fußballer unterwegs waren. Vor allem sehr viele junge Spieler, man setzt hier viel auf die Jugend. Der beste Torschütze in der Liga wechselt nun auch zu einem Erstligisten, hat glaube ich 24 Hütten gemacht (Oscar Aga wechselt von Grorud nach Elfsborg/Schweden, Anm. d. Red.). Da ist schon Potential vorhanden. Und zwar nicht nur bei Stürmern, auch bei Mittelfeldspielern und Verteidigern. Die Norweger machen eine sehr gute Arbeit.
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"Nicht billig": Streich verrät, was er sich selbst gönnt
Quelle: Perform
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