Die Niederlande droht trotz des Sieges in Kasachstan die EM-Playoffs zu verpassen

Die Niederlande wahrte mit einem 2:1-Sieg im EM-Qualifikationsspiel gegen Kasachstan ihre Chance auf die Playoffs, steht aber trotzdem vor dem Aus. In der Not scharte Bondscoach Danny Blind ein blutjunges Team um sich, vier Mann feierten ihr Debüt. Das Problem: Die hochgelobte niederländische Jugendarbeit bringt zu wenige Top-Talente für die Nationalmannschaft hervor.

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In ihrer brenzligen Lage gab es sicher komfortablere Umstände, als sie die niederländische Nationalmannschaft in Astana vorfand: Anstoß um 22 Uhr, glitschiger Kunstrasen, Temperaturen am Nullpunkt. Dazu Druck, immenser Druck.
Holland musste faktisch gewinnen, um die Flamme auf die Europameisterschaft 2016 am Lodern zu halten, und die Voraussetzungen waren schlecht. Kapitän Arjen Robben fehlte, sieben weitere Verletzte meldeten sich ab, außerdem musste Bondscoach Danny Blind die gesperrten Greogry van der Wiel und Bruno Martins Indi entbehren. Trotzdem baute er sein Team im Vergleich zur 0:3-Schlappe in der Türkei auf sechs Positionen um - es half, Holland siegte schmucklos 2:1 (1:0). Ein Schönheitspreis wäre aber auch zu viel des Guten gewesen.

Selbst Elia wurde wieder nominiert

Gegen die Nummer 142 der Welt stellten Georginio Wijnaldum (33. Minute) und Wesley Sneijder (50.) den dringend benötigten Punktedreier sicher, das Gegentor durch Islambek Kuat (90.+5) interessierte nurmehr Statistiker. Viel bemerkenswerter waren die Frischlinge, die im kalten Wasser das Schwimmen lernen sollten: Blind bot vier Debütanten auf. Vier!
Anwar El Ghazi (20) von Ajax Amsterdam bereitete das Führungstor vor. Virgil van Dijk (24) vom FC Southampton und Kenny Tete, 20-jähriger Ajax-Mann, standen ebenfalls in der Startformation, Keeper Joreon Zoet (24) aus Eindhoven musste in der Schlussphase für den angeschlagenen Tim Krul ran.
Der WM-Dritte vertraute dem Nachwuchs. Und spielte damit die Karte Risiko. Aber hatte Blind eine Wahl?
Nicht wirklich. Jairo Riedewald absolvierte sein zweites Länderspiel, auf der Bank versammelten sich folgende Alternativen: Riechedly Bazoer, null Einsätze, Karim Rekik (einer), Terence Kongolo (zwei), Vurnon Anita (drei). Mit 30 Auftritten war Jeremain Lens ein Veteran, dazu wurde Eljero Elia nominiert, erstmals seit drei Jahren. Der Ex-Bundesligaprofi wartete vergeblich auf seine 29. Partie im Nationaltrikot, genau wie der Wolfsburger Bas Dost (bisher zwei Spiele).

Nationalelf zahlt die Zeche

Das ist der Ist-Zustand der Niederlande, für die durch den türkischen Sieg in Tschechien (2:0) schon viel zusammenkommen müsste, um doch noch die Playoffs zu erreichen. Dem Konkurrenten reicht gegen Island am Dienstag ein Punkt, egal, was Holland gegen Tschechien anstellt. "Wir schaffen es", betonte Schalkes Stürmer Klaas-Jan Huntelaar trotzig, "die Türken werden verlieren..."
Huntelaar sagte das vor dem Pflichtsieg in Astana, bei dem Robin van Persie zu seinem 100. Länderspiel kam - kurz vor Mitternacht, also in den letzten Minuten. Der Rekordschütze (49) wird zum Einwechselspieler degradiert; gleichwohl täuscht der Kader darüber hinweg, dass die Niederlande nicht aus einem Reservoir an jungen Top-Kräften schöpfen kann.
Oder deutlicher: Die Nationalelf zahlt die Zeche für die Probleme des Unterbaus.

"Wenn van Persie und Sneijder ehrlich sind…"

Mit holländischer Nachwuchsarbeit wird die Ajax-Schule assoziiert, ihr entstammten Legenden wie Dennis Bergkamp, Clarence Seedorf oder Patrick Kluivert. Die Zeiten haben sich geändert: Drei der vergangenen vier U21-Europameisterschaften verpasste Holland, die Eredivisie ist eine zweitklassige Liga, was sich im Abschneiden auf europäischer Ebene niederschlägt. Seit der Saison 2006/07 überstand kein niederländischer Klub die Champions-League-Gruppenphase.
Weil es die Jungen nicht schaffen, die Alten zu verdrängen, wird die Grundstruktur der "Elftal" seit einer Dekade von denselben Akteuren geprägt. Das ist inzwischen eher Fluch denn Segen. "Wenn van Persie und Sneijder ehrlich zu sich selber sind, müssen sie sich eingestehen, dass sie nicht mehr das Weltklasse-Niveau abrufen können", sagt Erik Meijer bei "spox.com". Und dies, weiß der ehemalige Nationalspieler, sei das eigentliche Problem: "Wir haben keine Jungs in der Hinterhand, um das aufzufangen."
Wie es aussieht, dürfen sich die deutschen Zuschauer bald ein eigenes Bild vom WM-Dritten machen, am 17. November gastiert Holland in Hannover. Ausfallen würde der Test nur unter einer Bedingung: Falls Oranje in die EM-Playoffs einzieht.
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