Schottland träumt von alten Zeiten

Schottland will sich nach 18 Jahren endlich wieder für ein großes Turnier qualifizieren. Teammanager Gordon Strachan steht vor einer schweren Aufgabe. Er benötigt kein Video, um sich ein Bild von Weltmeister Deutschland zu machen. Die Partie am Mittwoch gegen Argentinien (2:4) sei ein Muster ohne Wert, ließ Schottlands Nationalcoach wissen.

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"Denn ernst wird es in Dortmund. Wir freuen uns auf die Herausforderung, Angst haben wir nicht", sagte der 57-Jährige vor dem Auftakt der Qualifikation für die EM 2016 am Sonntag (20:45 Uhr im Liveticker bei eurosport.yahoo.de). Die Aufstockung der EURO auf 24 Mannschaft biete "eine Riesenchance" glaubt Strachan: "Allerdings wäre es viel leichter, wenn wir nicht gegen Deutschland spielen müssten."
Das wahre Deutschland habe er nämlich unter anderem als TV-Experte bei der WM gesehen. Noch immer beeindruckt zeigte sich Strachan vom 7:1 im Halbfinale gegen Brasilien. Er werde seine Mannschaft so akribisch wie möglich auf das Spiel vorbereiten, "damit uns so etwas nicht passiert". Und fügte an: "Aber garantieren kann ich es nicht." Aber nach sechs Spielen ohne Niederlage sei es zumindest "ein guter Moment, um hier zu spielen".
"Ziel kann nur Platz zwei oder drei sein"
Lang ist's her, dass die "Bravehearts" unter deutschen Fans Angst und Schrecken verbreiteten. Erahnen lässt dies allenfalls die Bilanz von nur sechs Siegen der deutschen Mannschaft in bisher 15 Duellen. Fünfmal trennte man sich unentschieden. Der höchste Sieg einer DFB-Elf war ein 2:0 am 15. Juni 1992 bei der EM in Schweden.
Auf die Statistik stützt sich das kleine Fünkchen Hoffnung auf eine Überraschung am Sonntag. Doch Überzeugung klingt anders. Denn seit der achten WM-Teilnahme 1998 in Frankreich warten die Bravehearts auf ihr Comeback auf der großen Bühne. Bei einer EM startete die Schotten zuletzt 1996 im Nachbarland England.
"Unser Ziel kann in der Gruppe nur Platz zwei oder drei hinter Deutschland sein", so Ex-Nationalspieler Strachan, dessen Mannschaft gemäß Weltranglisten-Platz 28 der stärkste Gegner der Löw-Elf in der Gruppe D (außerdem Irland, Polen, Georgien, Gibraltar) ist. In der Qualifikation für Brasilien reichte es mit elf Punkten nur zum Gruppenplatz vier hinter Belgien, Kroatien und Serbien.
Schwere Personal-Lage für Strachan
Lang ist's her mit dem schottischen Selbstbewusstsein. Der Fußball im Norden der Insel krankt, das Reservoir an erstklassigen Spielern, aus dem Strachan, seit Januar 2013 Teammanager, schöpfen kann, ist mehr als bescheiden.
Die Liga ist in Europa eher drittklassig, Abonnementsmeister Celtic Glasgow, in dessen Kader zwei Drittel der Profis aus dem Ausland kommen, verpasste erst jüngst wieder einmal die Qualifikation für die Champions League. In der englischen Premier League spielen schottische Profis derzeit allenfalls die zweite Geige. Kapitän Darren Fletcher, seit 2001 beim englischen Rekordmeister Manchester United unter Vertrag, bildet die absolute Ausnahme.
Der inzwischen 30-Jährige stand schon vor elf Jahren beim 1:1 gegen Deutschland im schottischen Team, dessen Coach damals Ex-Bundestrainer Berti Vogts war. Doch auch Vogts (2002 bis 2004) konnte die Schotten nicht auf den Erfolgsweg zurückführen.
Schottland hofft auf "kleine Chance"
Mangelnder Nachwuchs, fehlende Nachhaltigkeit sind die Gründe und - laut Strachan - fehlende finanzielle Mittel, um die heimischen Spieler in der Liga zu halten. Im aktuellen 26er Kader stehen nur drei Akteure bei einem schottischen Klub (Celtic Glasgow) unter Vertrag. "Am Ende geht es immer um die Qualität der Spieler. Denn bessere Spieler bestimmen auch das System", so Strachan.
Mangelnde Technik haben die Schotten stets mit unbändigem Kampfgeist kompensiert. So soll es auch am Sonntag sein. "Wir werden das Spiel gegen den Weltmeister genießen, aber wir werden für unsere kleine Chance bis zum Schluss alles geben", wurde Strachan in der Tageszeitung "Daily Record" zitiert.
VIDEO - EM-Quali: Das sind die DFB-Gegner
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