Für Darren Fletcher dürfte sich der vergangene Dienstagabend angefühlt haben wie ein Flashback. Eine Rückkehr in eine frühere, glorreichere Zeit.
Nur eine Woche nachdem Teammanager Ole Gunnar Solskjaer den Ex-Spieler von Manchester United in seinen Trainerstab berufen hatte, durfte er seinem neuen, alten Team im Turf Moor bei etwas zusehen, dass die Red Devils zu einem solch späten Zeitpunkt der Saison schon seit Jahren nicht mehr geschafft hatten: Die Roten sind zurück an der Tabellenspitze.
Durch den 1:0-Arbeitssieg beim FC Burnley zog die Solskjaer-Elf in der Premier League am amtierenden Meister FC Liverpool vorbei.
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Zuletzt war dies einem United-Team nach 17 Spieltagen in der Saison 2012/13 geglückt. Dem letzten Jahr der erfolgsverwöhnten Ferguson-Ära, in dem am Ende die 20. Meisterschaft heraussprang.

ManUnited an der Spitze: "Warum sollten die Fans nicht daran glauben?

Stars wie Wayne Rooney, Rio Ferdinand, Paul Scholes und Ryan Giggs standen damals im Kader. Und eben ein gewisser Darren Fletcher, der sich über den Sieg am Dienstag nicht minder freute als über einen seiner fünf Ligatitel als Aktiver. Anders war sein ausschweifender Jubel über den entscheidenden Treffer von Paul Pogba zumindest nicht zu erklären.
"Das zeigt, dass wir bereit sind, um den Titel mitzuspielen", sagte Mittelfeldspieler Nemanja Matic nach dem Spiel.
Manchester hat nach acht Jahren der Dürre wieder Blut geleckt. "Es fühlt sich wie ein großer Moment an", meinte Klub-Legende Gary Neville bei "Sky Sports": "Es ist eine komische Saison. Warum sollten die Fans, warum sollte dieses Team nicht daran glauben?"

Von links: Ryan Giggs, Paul Scholes und Darren Fletcher

Fotocredit: Getty Images

Fakt ist: Die Red Devils sind aktuell das formstärkste Team der Liga und seit mittlerweile elf Spielen ungeschlagen. Seit Anfang November holte Manchester 29 von 33 möglichen Punkten. Auswärts ist man in der Premier League gar seit 15 Spielen ungeschlagen. Im Spitzenspiel am kommenden Sonntag in Liverpool (17:30 Uhr im Liveticker bei Eurosport.de) kann United den Vorsprung auf das Team von Jürgen Klopp auf sechs Punkte ausbauen.
Dabei war die Solskjaer-Elf bedenklich schlecht in die Saison gestartet. Nach sieben Spieltagen lag der englische Rekordmeister gerade einmal auf Rang 13, der Trainer wurde öffentlich angezählt. "Vor acht Wochen hätte das noch keiner für möglich gehalten. Liverpool war der klare Favorit", so Neville: "Jetzt hat sich etwas entwickelt. Man kann einen gemeinsamen Spirit, einen Zusammenhalt innerhalb des Teams sehen. Für Liverpool werden das keine angenehmen Tage vor dem Spiel. Das haben sie nicht erwartet."

Schlüssel zum Erfolg: Solskjaer stabilisiert die Defensive

Hatten sich Bruno Fernandes, der bereits nach einem Jahr als einer der besten und einflussreichsten Transfers in die Klubgeschichte eingehen dürfte, Pogba, Marcus Rashford und Co. im September und Oktober noch schwer getan, floriert das Offensivspiel der Roten mittlerweile wieder wie zum Ende der vergangenen Saison. Auch die ablösefreie Verpflichtung von Edinson Cavani aus Paris hat sich als Glücksgriff erwiesen.
Dabei hat Solskjaer seit Herbst nicht viel verändert. "Er versucht, Fernandes noch mehr Freiheiten in der Offensive zu geben, indem er eine physisch starke Doppelsechs bestehend aus Scott McTominay, Fred, Matic oder Pogba hinter ihm absichern lässt", erklärt Fußball-Experte Pete Sharland von Eurosport.co.uk in London die feinen Kniffe des Norwegers: "Dadurch kann Fernandes die Offensivspieler um ihn herum noch besser einsetzen."
Zudem hat der Coach die Defensive sichtlich stabilisiert. "Die Abwehr hat einen großen Schritt gemacht. Im Oktober haben sie noch viele fahrlässige Gegentore kassiert", so Sharland. Die neue Balance liegt auch an der Rückkehr des verletzten Eric Bailly, der sich mit starken Leistungen mittlerweile an der Seite von Kapitän Harry Maguire in der Innenverteidigung festgespielt hat.

ManUnited und die Frage nach der Konstanz

Viel zu kritisieren gibt es in Manchester derzeit also nicht. Wäre da nicht diese ewige Frage nach der Konstanz. Imposante Phasen über mehrere Wochen oder gar Monate hatte es in den vergangenen knapp zwei Jahren unter Solskjaer und auch davor unter José Mourinho und Louis van Gaal ebenfalls gegeben. Allerdings nie über eine gesamte Spielzeit hinweg.
Immer wieder machten kleine bis mittelgroße Ergebniskrisen einen ernsthaften Angriff auf die Meisterschaft geschweige denn den Henkelpott zunichte. Jeweils einmal FA Cup (2016), Ligapokal, Europa League und das nur belächelte Community Shield (alle 2017) sind die einzigen Titel, die die Red Devils seit 2013 gewinnen konnten. Zu wenig für einen Klub, der den englischen Fußball in den Neunziger und Zweitausender Jahren dominiert hat, wie kein Zweiter.
Zur Wahrheit der aktuellen Saison gehört auch: In der Champions League war für United trotz vielversprechendem Start bereits nach der Gruppenphase Schluss. Zudem mussten sich die Red Devils vergangene Woche zum vierten Mal in Folge in einem Cup-Halbfinale geschlagen geben (0:2 gegen Manchester City im League Cup).
Skepsis ist also durchaus angebracht. Solskjaer selbst erklärte nach dem Sieg in Burnley, dass sich "am Ende niemand an die Tabelle vom 12. Januar erinnern wird".
Es ist also noch ein weiter Weg. "Sie haben seit November einige wichtige Siege eingefahren. Gegen Everton, Southampton oder West Ham. Allerdings gegen kein Team aus den 'Big Six'", weiß Sharland: "Liverpool, Arsenal und Chelsea warten im Januar. In diesen Spielen werden wir sehen, ob diesem United wirklich zu trauen ist."
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