Erfolg vor Gericht: Nierenkranker Ivan Klasnic erhält Schmerzensgeld

Der nierenkranke ehemalige Profi Ivan Klasni hat im Prozess gegen zwei frühere Ärzte des Bundesligisten Werder Bremen ein Schmerzensgeld in Höhe von 100.000 Euro plus Zinsen zugestanden bekommen. Zudem haften der damalige Werder-Mannschaftsarzt Götz Dimanski und die beteiligte Internistin Manju Guha für alle anfallenden "materiellen und immateriellen" Schäden des einstigen Torjägers.

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Die Höhe muss noch verhandelt werden. Dieses Urteil gab am Freitag das Landgericht Bremen bekannt.
"Das tut schon gut", sagte Klasnic dem "Weser-Kurier". Er habe "immer gesagt, dass die Leute, die verantwortlich sind, am Ende des Tages am Pranger stehen werden".
Richtig erleichtert sei er aber nicht. "Ich werde durch das Urteil ja nicht gesund, meine Situation bleibt die gleiche - ich liege an der Dialyse, nach wie vor", sagte Klasnic: "Doktor Dimanski hat immer gesagt, dass er nachts gut schlafen könne, vielleicht kann er das jetzt ja nicht mehr."

"Grobe Behandlungsfehler"

"Dimanski ist für den Nierenverlust und die daraus resultierenden Folgen verantwortlich", sagte der Vorsitzende Richter Clemens Bolay in seiner Urteilsbegründung. Auch Guha seien "grobe Behandlungsfehler" unterlaufen.
Bolay unterstrich, dass Klasnic ein Verdienstausfall für das Jahr 2007 von rund einer Million Euro zustehe. Weder der Ex-Stürmer noch die angeklagten Ärzte waren zur Urteilsverkündung erschienen. Beide Parteien können gegen das Urteil Revision einlegen, es ist noch nicht rechtskräftig. Auch eine außergerichtliche Einigung ist weiterhin möglich.
Klasnic hatte im April 2008 Klage gegen Dimanski und Guha eingereicht, er wirft ihnen vor, seine Nierenerkrankung trotz regelmäßiger Untersuchungen zu spät erkannt sowie falsch behandelt zu haben. "Ich bin extrem überrascht", sagte Dimanski der "Kreiszeitung Syke" nach dem Urteil: "Ich gehe davon aus, dass ich der Einzige bin, der die Fakten richtig kennt. Aber das ist immer eine Frage der Interpretation."

"Muss die Situation so annehmen, wie sie ist"

Im Januar 2007 wurde dem mittlerweile 37-jährigen Klasnic erstmals eine Niere transplantiert, damals die seiner Mutter. Sein Körper stieß das Organ aber ab. Drei Monate später erhielt er eine Niere seines Vaters, das Organ schafft es seit September 2016 nicht mehr, sein Blut ausreichend zu reinigen. Deshalb muss der Kroate dreimal in der Woche zur Dialyse - und träumt von einem normalen Leben.
"Ich wünsche mir, dass ich bald eine neue Niere bekomme und mein Leben so genießen kann, dass ich keine Beschwerden habe", hatte Klasnic, der 2004 das Double mit Werder Bremen gewann, zuletzt dem "NDR" gesagt: "Ich glaube, Gott hat unseren Weg oder unseren Plan im Leben geschrieben. Ich muss die Situation so annehmen, wie sie ist."
Nach seinem Abschied von Werder 2008 spielte Klasnic noch beim FC Nantes, den Bolton Wanderers und beim FSV Mainz 05. 2008 schrieb er Fußball-Geschichte, als er als erster Akteur nach einer Nierentransplantation für Kroatien bei der EM-Endrunde 2008 in Österreich und der Schweiz zum Einsatz kam und zwei Tore erzielte.
Jetzt kämpft Klasnic um sein Leben. Wie rund 8000 Menschen in Deutschland wartet er auf eine Spenderniere. Seine Dritte.
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